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Myokarditis

Schonung als Therapie

Körperliche Anstrengung ist während einer Erkältung und kurz danach dringend zu vermeiden, rät die Deutsche Herzstiftung. Denn selbst vermeintlich banale Erkrankungen wie ein Virusinfekt der Atemwege können den Herzmuskel in Mitleidenschaft ziehen. Dann würde körperliche Belastung den entzündeten Muskel zusätzlich unter Druck setzen.
Elke Wolf
09.01.2019
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Statistisch gesehen werden jedes Jahr rund 3500 Patienten mit schwerer Myokarditis in Kliniken behandelt. Davon versterben etwa 150 Betroffene aus allen Altersgruppen. Bis zu 10 Prozent aller Virusinfektionen, auch vermeintlich banale wie des Atem- oder Magen-Darm-Traktes, hinterlassen eine solche Herzmuskelentzündung. Die Entzündung schränkt die Kontraktionsfähigkeit des Herzens ein, was zu einem Leistungsabfall und dadurch zu Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Funktion führt. Meist verläuft diese Myokarditis mild und bleibt unbemerkt.

»Doch bei einer solchen Herzmuskelentzündung ist körperliche Anstrengung eine schwere Belastung für das Herz. Eine massive Herzschwäche kann die Folge sein, im Extremfall droht der plötzliche Herztod«, wird Professor Dr. Michael Böhm vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung in einer Pressemeldung zitiert. »Grundsätzlich sollte man bei einer Grippe und anderen viralen oder bakteriellen Infektionen mit Sport und anderen körperlichen Belastungen auf jeden Fall warten, bis Fieber und andere Symptome wie Husten, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen abgeklungen sind und man sich wieder wohlfühlt.«

Der Kardiologe am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar weist darauf hin, dass die Gefahr einer Myokarditis auch für Infekte gilt, bei denen kein oder nur geringes Fieber auftritt. Betroffene sollten sich daher während einer akuten Erkrankung schonen. In 80 Prozent der Fälle sind Coxsackie-Viren die Auslöser der Entzündung, also jene Viren, die häufig bei gewöhnlichen Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten beteiligt sind. Aber auch Adeno-, Influenza-, Masern- oder Herpesviren können ursächlich sein. Zu den Bakterien, die eine Myokarditis zur Folge haben, zählen beispielsweise Borrelien oder Streptokokken A, also die Verursacher von Scharlach.

Von mild bis heftig

Meist verläuft eine Myokarditis auch wegen der recht unspezifischen Symptome subklinisch und heilt ohne Behandlung komplett aus. Die Betroffenen beklagen eine extreme Müdigkeit und Abgeschlagenheit, eventuell verbunden mit Unwohlsein. Es kann aber auch zu schweren Verläufen kommen mit Herzschwäche, Atemnot und Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod. Eine besondere Gefahr geht von den Rhythmusstörungen aus, weil sie abrupt in Kammerflimmern übergehen können. Dann droht der Herzstillstand, wenn nicht sofort eine Reanimation unter Einsatz eines Defibrillators erfolgt, teilt die Deutsche Herzstiftung mit. Vor allem bei Kindern kann die Erkrankung laut des Experten der Herzstiftung einen schwereren Verlauf nehmen.

In jedem dritten Fall wird eine Myokarditis chronisch. Dann bildet sich Narbengewebe im Herzmuskel und es kann in der Folge zu Herzrhythmusstörungen und einer eingeschränkten Pumpleistung kommen. Um das zu vermeiden, sollten sich Patienten mit einer akuten Infektion körperlich schonen.

Sechs Monate Pause

Patienten mit gesicherter Myokarditis rät die Deutsche Herzstiftung, sich sechs Monate lang konsequent zu schonen: viel Ruhe, keine körperliche Belastung, keinerlei Sport oder Ausdauertraining, wenn möglich sollte auch immer der Fahrstuhl und nicht die Treppe benutzt werden. Das gilt auch für körperliche Anstrengungen innerhalb des Berufs.

Sport ist erst wieder nach einer Karenzzeit von sechs Monaten ab dem Zeitpunkt möglich, ab dem sich die Herzfunktion wieder komplett erholt hat. Dann kann eine Myokarditis folgenlos ausheilen. Eine ursächliche Behandlung der Herzmuskelentzündung gibt es nicht. Eventuell werden ACE-Hemmer oder Betablocker eingesetzt, um die Herzinsuffizienz zu behandeln.

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