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Interstitielle Lungenerkrankung

Medikamente sind öfter als vermutet Auslöser

Häufiger als bisher angenommen führen unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu einer interstitiellen Lungenerkrankung, berichteten Forscher in der Fachzeitschrift »Journal of Clinical Medicine«.
Caroline Wendt
07.11.2018
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Bei der interstitiellen Lungenerkrankung nehmen die Zellen des Interstitiums Schaden. Betroffen können das Epithel der Lungenbläschen, das Endothel der Lungenkapillaren, die Basalmembran sowie die perivaskulären und perilymphatischen Gewebe der Lunge sein. Die Zellen entzünden sich und vernarben fibrotisch. Bemerkt wird die Krankheit meist erst, wenn Symptome wie Atemnot auftreten.

Die Wissenschaftler um Erstautorin Dr. Sarah Skeoch von der Universität Manchester untersuchten 156 wissenschaftliche Publikationen mit mehr als 6000 Patienten mit medikamenteninduzierter interstitieller Lungenerkrankung (Drug-Induced Interstitial Lung Disease – DIILD). Die Qualität der Studien schätzen die Review-Autoren allerdings als niedrig bis sehr niedrig ein und erarbeiteten statt einer Metaanalyse ein beschreibendes Review.

Demnach treten bezogen auf eine Million Einwohner pro Jahr weltweit zwischen 4,1 und 12,4 DIILD auf. Das mache 3 bis 5 Prozent aller interstitiellen Lungenerkrankungen aus. Krebsmedikamente, Antirheumatika und Antibiotika würden am häufigsten eine DIILD auslösen. Aber auch Amiodaron gehöre mit einer Inzidenz von 1,2 bis 8,8 Prozent zu den Arzneimitteln, die häufig zu Lungenschädigung führen, so die Forscher. In einigen Studien sei eine DIILD mit einem um 50 Prozent erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert. 25 Prozent aller Patienten starben an Atemwegsbeschwerden. »Ärzte müssen sich des Risikos einer möglichen Schädigung des Lungengewebes durch einige Medikamente gewahr sein«, sagte Dr. Nazia Chaudhuri, eine der Hauptautoren, in einer Pressemitteilung der Uni Manchester.

Zytostatika werden häufig in Kombination verabreicht – daher sei es schwierig, einzelne Substanz zu identifizieren, die für eine DIILD verantwortlich seien, so die Forscher. Zu den Wirkstoffen, die am häufigsten eine Schädigung des Lungengewebes hervorrufen, gehöre Bleomycin mit einem Risiko von 6,8 bis 15 Prozent. Bei Gemcitabin sei die Wahrscheinlichkeit für eine DIILD am höchsten, wenn es in Kombination mit anderen Substanzen wie Bleomycin, Erlotinib oder Taxanen verabreicht würde. Die Lungenerkrankung könne auch bei Hemmstoffen des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (Gefitinib, Erlotinib, Panitumumab und Cetuximab), mTOR-Inhibitoren wie Sirolimus, Temsirolimus oder Everolimus sowie bei Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab oder Pembrolizumab auftreten.

Methotrexat (MTX), welches hochdosiert in der Tumortherapie und in niedriger Dosierung in der Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA) Verwendung findet, gehört ebenfalls zu den Medikamenten, die eine DIILD verursachen können. Die Erkrankungsrate variiert hier zwischen 0,06 und 15 Prozent der Behandelten. Des Weiteren nennt das Review Leflunomid und TNF-Inhibitoren als mögliche Risikomedikamente für eine DIILD.

Bei den Antibiotika können gemäß der Untersuchung Nitrofurantoin mit einer Inzidenz von 3,65 Prozent oder Daptomycin mit einer Neuerkrankungsrate von 2,9 Prozent das Lungengewebe schädigen.

Behandelt wird eine DIILD am häufigsten mit Steroiden, allerdings gebe es bislang keine Studien, die die Wirksamkeit dieser Therapie belegen, bemängeln die Review-Autoren. Zudem seien bessere bildgebende Tests nötig, um medikamenteninduzierte Lungenschäden besser und früher feststellen zu können, auch für ein Monitoring unter Therapie mit risikobehafteten Wirkstoffen.

Foto: Shutterstock/Lightspring

 

DOI: 10.3390/jcm7100356

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