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Apotheker 

Lieferengpässe bekämpfen

Europaweit häufen sich im Vergleich zu früheren Jahren Lieferengpässe bei Medikamenten. Die ABDA–Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und die Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU) engagieren sich gemeinsam, die Belastungen für Patienten, Ärzte und Apotheker zu verringern.
ABDA
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dpa
11.06.2019
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«Derzeit liegen 226 Meldungen vor, bei denen eine eingeschränkte Verfügbarkeit oder ein Lieferengpass mitgeteilt wurde», sagte eine Sprecherin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Samstag). Weit mehr als noch vor ein paar Jahren. Wurden dem in Bonn ansässigen Bundesinstitut im Jahr 2013 nur 40 Mittel mit Lieferproblemen neu gemeldet, so waren es demnach 2018 bereits 264. Betroffen sind auch Klassiker wie das Schmerzmittel Ibuprofen. Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, sagte der Zeitung: »Früher gab es vereinzelt Engpässe, heute haben Apotheken im Schnitt deutlich mehr als 100 Positionen, die nicht lieferbar sind – mal fehlt eine bestimmte Dosierung, mal eine bestimmte Darreichungsform, mal der Wirkstoff ganz.« Apotheken und Ärzte bemühten sich zwar um Ersatzprodukte, doch das alternative Produkt habe womöglich mehr Nebenwirkungen.

Gründe für die Engpässe gibt es viele. So würden zahlreiche Wirkstoffe mittlerweile in Indien, China und Israel produziert und von deutschen Herstellern nur noch zu Tabletten gepresst und verpackt, so Preis. Mit dem Wohlstand weltweit steige zudem die Arznei-Nachfrage. Auch Rabattverträge der Krankenkassen trügen zu Engpässen bei, warnen die Apotheker. Danach dürfen die Versicherten einer Kasse etwa nur Blutdrucksenker ausgewählter Hersteller verwenden.

Deutschlands Apotheker wollen nun gemeinsam mit Pharmazeuten aus anderen EU-Ländern dafür kämpfen die Belastungen von Patienten, Ärzten und Apothekern durch Lieferengpässe zu verringern. Nach ABDA-Angaben verbringt jeder Apotheker in Europa im Durchschnitt 5,6 Stunden pro Woche damit, sich um Lieferengpässe zu kümmern.

Europäische Apotheker und ABDA kämpfen

Ein aktuelles Positionspapier der Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU), auf das die ABDA heute hinweist, fordert nun mehr Transparenz und Kommunikation von Behörden und Herstellern bei akuten Lieferengpässen. Gleichzeitig soll langfristig die Steuerung und Überwachung von Produktionsprozessen und Lieferketten durch die Regierungen und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) gesichert werden, fordert der PGEU. Nicht zuletzt soll die Fachkompetenz der Apotheker anerkannt und erweitert werden, um die Patientenversorgung bei auftretenden Problemen besser steuern und kontinuierlich gewährleisten zu können.

Lieferengpässe sind auch ein Diskussionsthema auf dem morgigen PGEU-Symposium in Krakau (Polen). Heute findet dort bereits die PGEU-Generalversammlung statt. Die deutsche Delegation wird angeführt von Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA  und Mitglied des PGEU-Exekutiomitees.

In den »Kernpositionen der ABDA zur Europawahl 2019« war der Kampf gegen Lieferengpässe bereits eine der wichtigsten Forderungen der deutschen Apothekerschaft auf europäischer Ebene. Laut Apothekenklima-Index 2018, einer repräsentativen Umfrage unter Apothekeninhabern in Deutschland, gehören Lieferengpässe zu den drei größten Ärgernissen des pharmazeutischen Arbeitsalltags – Tendenz seit Jahren steigend. Mit der im Jahr 2017 veröffentlichten Studie »Arzneimittelengpässe  Gefahr für die Patientensicherheit« hatte die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) auf Basis einer Umfrage unter Referenzapotheken schon wertvolle empirische Arbeit zur Beschreibung dieses Problems geleistet. Im aktuellen ZAEU-Papier geben acht der befragten 21 Länder an, dass sich die Liefersituation in den vergangenen 12 Monaten verschlechtert hat, während 11 sie für unverändert erachten. Nur in 2 Ländern hat sich die Liefersituation verbessert. 

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