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Pneumokokken-Übertragung

Gefährliches Nasebohren

Nicht nur über Tröpfchen via Luftweg, sondern auch über die Hände werden Pneumokokken auf die Nasenschleimhaut übertragen. Dafür muss man nicht einmal in der Nase bohren. Anscheinend reicht es schon, sich mit infizierten Fingern über die Nase zu reiben.
Brigitte M. Gensthaler
08.11.2018
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Pneumokokken kommen im Nasen-Rachen-Raum vieler Menschen vor, ohne dass diese erkranken. So ist die Nasenschleimhaut bei 40 bis 90 Prozent der Kinder unter fünf Jahren damit besiedelt. Bei Erwachsenen sind es etwa 10 Prozent. Bisher ging man davon aus, dass sich die Pneumonie-Erreger aerogen durch Tröpfchen verbreiten. Ein britisches Forscherteam zeigte nun erstmals in einer im »European Respiratory Journal« publizierten Studie, dass die Übertragung auch durch den Kontakt zwischen Nase und Hand gelingt.

In der Studie wurden 40 gesunde Erwachsene in vier Gruppen aufgeteilt, in der je eine mögliche Übertragungsmethode getestet wurde. Überprüft wurde, ob die Bakterien aus einer frischen sowie einer angetrockneten Pneumokokken-Lösung durch Einatmen von der Hand oder durch Nasebohren mit infizierten Fingern verbreitet werden können. Das Ergebnis ist überraschend: Mit allen vier Methoden siedelten sich die Keime in der Nasenschleimhaut der Probanden an. Besonders viele Bakterien fanden die Forscher, wenn diese eine frische Pneumokokken-Lösung an den Händen hatten. Dennoch war die Wahrscheinlichkeit, dass eine Besiedelung erfolgt, für getrocknete Bakterien ebenso groß. Zudem gab es keinen Unterschied in der Übertragungsrate, wenn die Probanden in der Nase bohrten oder sich nur mit der Hand über die Nase rieben.

Erstautorin Dr. Victoria Connor von der Liverpool School of Tropical Medicine weist auf die praktische Bedeutung dieser Ergebnisse hin: »Wenn Kinder Kontakt mit älteren oder immunsupprimierten Angehörigen haben, kann eine gute Händehygiene und die Reinigung von Spielzeug und Oberflächen die Übertragungsrate und damit die Gefahr einer Pneumonie für die Angehörigen reduzieren.«

Für Professor Dr. Tobias Welte, Präsident der Europäischen Atemwegsgesellschaft, hat die Studie Pilotcharakter. »Hier wurde erstmals bestätigt, dass Pneumokokken über direkten Kontakt übertragen werden.« Dies habe auch Bedeutung für Ärzte, die eine Übertragung von Atemwegspathogenen vermeiden oder minimieren müssten. Der Pneumologe von der Universität Hannover plädiert nachdrücklich für die Pneumokokken-Impfung als beste Methode, eine Ausbreitung von Streptococcus pneumoniae in den Atemwegen einzudämmen. Allerdings lägen die Impfraten unter 50 Prozent in der Zielgruppe.

Foto: Fotolia/MAK

DOI: 10.1183/13993003.00599-2018

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