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Heilberufsausweis

Warten auf den Startschuss

19.12.2017
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Von Ev Tebroke / Der Heilberufsausweis ist die Eintrittskarte für den Apotheker in die E-Health-Welt, zusammen mit dem notwendigen Konnektor. Dieses Verbindungsglied zwischen Apotheke und digitalem Gesundheitsnetz steht aber frühestens im dritten Quartal 2018 zur Verfügung. Auch die Refinanzierung des Equipments durch die Kassen ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Devise lautet also: abwarten.

Der Heilberufsausweis (HBA) ist Grundvoraussetzung für die vernetzte Betreuung von Patienten in Praxen und Apotheken im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Der HBA wird Apotheker künftig berechtigen, Grundleistungen wie etwa das Einsehen und Ergänzen des elektronischen Medikationsplans oder das Medikationsmanagement über die Telematik-Infrastruktur (TI) auszuführen. Zusammen mit einer Institutionskarte, der sogenannten Security Module Card Typ B (SMC-B) ist er Zugangsschlüssel zum gesicherten Gesundheitsnetz, das eine verschlüsselte Übermittlung von Patientendaten ermöglicht.

 

Laut E-Health-Gesetz sollte der HBA ursprünglich zum Ende des Jahres vorliegen. Ab Januar 2018 sollte die Anbindung der Apotheken an die TI und damit die Umsetzung des elektronischen Medikationsplans geprobt werden. Doch die dafür erforderlichen Verbindungsmodule, die Konnektoren, sind noch nicht fertig. Nach derzeitigem Stand wird es erst im dritten Quartal 2018 soweit sein. Sören Friedrich, IT-Experte der ABDA, mahnt dennoch zu Gelassenheit.

 

Tests mit Pilotapotheken

 

»Wir brauchen den HBA erst ab dem dritten Quartal«, betonte er im Gespräch mit der Infinitemarketing. Wenn der sogenannte E-Health-Konnektor fertig ist, sollen Pilotapotheken die Technik in Feldtests über einen Zeitraum von acht Wochen erproben. Der Hersteller der Konnektoren werde dazu aktiv auf Apotheken zugehen, so Friedrich. Die Teilnahme soll vergütet werden. Erst nach dem erfolgreichen Test erhält der Hersteller seine Freigabe für den bundesweiten Rollout. »Der dauert dann um die eineinhalb, mit Puffer auch bis zu zwei Jahre«, schätzt Friedrich.

 

Grundsätzlich sollten Apotheken also noch abwarten, bis sie sich für die E-Health-Anwendungen ausrüsten. Die ABDA will umfassend informieren, wenn die Finanzierungsvereinbarungen mit den Krankenkassen stehen und jene Endgeräte am Markt sind, die auch refinanziert werden. »Dann werden wir den Startschuss für die Apotheken geben«, so Friedrich.

 

Derzeit wird für die Einzelverträge zum HBA/SMC-B die Basis festgelegt. Wenn geklärt ist, welche Anbieter am Markt sind und diese sich im Kontext eines Rahmenvertrags binden, kann der Apotheker seinen Anbieter auswählen, auf seine Kammer zugehen und einen HBA und eine SMC-B beantragen. Sobald die Kammer dem Kartenanbieter die Berechtigung erteilt hat, darf dieser die Karte produzieren. Circa zwei bis drei Wochen später erhält der Apotheker dann seine Ausweise. Dann muss er sich noch das Equipment besorgen, sprich Konnektor, Kartenterminal und einen Vertrag mit einem VPN-Zugangsdienstanbieter für den Zugang zur TI. Dies wird wahrscheinlich das betreuende Apothekensoftwarehaus für den Apotheker erledigen.

 

Schließlich muss noch die SMC-B in den Konnektor eingesetzt werden. Diese Institutionskarte legitimiert die Apotheke oder Arztpraxis für den Zugang zum Gesundheitsnetz. Man kann die SMC-B mithilfe des HBA so steuern, dass bestimmte Grunddienste, wie etwa das Bearbeiten des Medikationsplans, auch das pharmazeutische Personal übernehmen kann, ohne dass der Apotheker immer zwingend den Heilberufsausweis in das Kartenterminal stecken muss.

 

Kosten noch offen

 

Für die Refinanzierung der sogenannten Telematik-bedingten Kosten laufen zurzeit die Verhandlungen mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung. Grundsätzlich soll es eine Starterpauschale geben, zudem soll eine Betriebskostenpauschale kommen. Die Höhe ist jeweils noch strittig. Was die Anschaffungskosten betrifft, so werde der Preis für den Konnektor letztlich um die 1000 Euro liegen, schätzt Friedrich. Für das Kartenterminal rechnet er mit 500 bis 600 Euro, die Kosten für den VPN-Zugangsdienst seien noch offen, zudem kämen Festpauschalen etwa für die Installation und Schulungen der Mitarbeiter hinzu. Die SMC-B wird laut Friedrich monatlich rund 8 Euro kosten, der HBA rund 10 Euro.

 

Seit Kurzem läuft die Anbindung der Arztpraxen an die TI. Die dafür bereitgestellten Konnektoren ermöglichen zunächst lediglich das sogenannte Versichertenstammdaten-Management zwischen Arztpraxis und Kasse. Der für die Apotheken erforderliche E-Health-Konnektor benötigt Fach-Module für den elektronischen Medikationsplan, die Umsetzung von AMTS-Anwendungen, also noch mehr Software. Gleichzeitig herausgegeben werden soll dann auch das erforderliche Update für das Notfalldatenmanagement und eine qualifizierte elektronische Signatur. Wenn es soweit ist, will die ABDA für die Apotheken den Startschuss geben, sich auszustatten und die entsprechenden Ausweise bei ihren Kammern zu beantragen. Zunächst aber ist weiterhin Abwarten die Devise. /

Daten auf dem HBA

Die Apotheker sind die einzigen, die Heilberufsausweise (HBA) an mehrere Berufsgruppen ausgeben können. Daher sind neben dem Namen und Vornamen des Apothekeninhabers sowie den Adress­daten auch sogenannte Berufsgruppenattribute hinterlegt. Neben dem Apothekeninhaber können grundsätzlich auch vertretungsberechtigte Berufsgruppen, also Apotheken- und Apotheker­assistenten und Pharmazie-Inge­nieure einen HBA erhalten. Des Weiteren trägt der Ausweis eine verschlüsselte Nummer. Auch Signatur­zertifikate für eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) sind hinterlegt Die QES kann dann auch außerhalb des Gesundheitsnetzes verwendet werden, beispielsweise bei rechtsverbindlichen Online-Verträgen, Steuererklärungen und dergleichen.

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