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Verminderte Fruchtbarkeit

Schwanger mit Hilfestellung

18.10.2016
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Von Nicole Schuster / Ein unerfüllter Kinderwunsch ist für viele Paare eine große Belastung. Mit modernen medizinischen Methoden können Ärzte in vielen Fällen auch bei Infertilität noch eine Schwangerschaft herbeiführen. Die Behandlungen sind meist körperlich und psychisch strapaziös.

Kinderlosigkeit beruht nicht immer auf einer bewussten Entscheidung. Schätzungen zufolge 6 bis 9 Prozent der Paare in Deutschland versuchen vergebens, auf natürlichem Weg Eltern zu werden. »Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie jederzeit Kinder bekommen können, und reagieren fassungslos, wenn es dann nicht funktioniert«, sagt die Familientherapeutin Dr. Petra Thorn, Vorsitzende vom Be­ratungsnetzwerk für Kinderwunsch Deutschland (BKiD) und Inhaberin einer Praxis für Paar- und Familientherapie in Mörfelden-Walldorf im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung.

Mediziner sprechen von einer sogenannten sterilen Partnerschaft, wenn nach einem Jahr bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütungsmittel eine Schwangerschaft ausbleibt. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Manche Paare haben den Kinderwunsch zu lange aufgeschoben. Vor allem bei Frauen sinkt die Chance, schwanger zu werden, ab Mitte 20 kontinuierlich. Wenn auch sehr selten, ist es sogar möglich, dass Anfang 30 bereits die Wechseljahre einsetzen. Verschiedene hormonelle Störungen sind ein weiterer möglicher Grund. So kann beispielsweise auch eine Schilddrüsenfehlfunktion die Eizellreifung und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Zu den organischen Ursachen zählen Veränderungen der Eierstöcke und Eileiter, des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter. Eine vorangegangene Eileiterschwangerschaft ist ebenfalls ein Risikofaktor, genauso eine Endometriose.

 

Eine Zeugungsunfähigkeit des Mannes kann daran liegen, dass zu wenig intakte und bewegliche Samenzellen vorhanden sind. Mediziner sprechen hier von einem eingeschränkten Spermiogramm. Ursache können Krankheiten, Schadstoffe oder eine ungesunde Lebensweise, zum Beispiel Genussmittel- oder Medikamentenmissbrauch, sein. Nicotin reduziert die Durchblutung der Geschlechtsorgane und senkt sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Fruchtbarkeit. Zu berücksichtigen sind auch Geschlechtskrankheiten. Eine Chlamydien-Infektion mit Folgen wie Eileiterverschluss beziehungsweise Nebenhoden- und Prostata-Entzündungen kann zur Empfängnisunfähigkeit oder Zeugungsunfähigkeit führen. Bei Frauen kann starkes Über- oder Untergewicht Zyklusstörungen hervorrufen, und bei stark übergewichtigen Männern verschlechtert sich die Qualität der Spermien.

 

Ausführliche Anamnese

 

Beim Verdacht auf eine Infertilität ist für Männer ein Urologe oder Androloge ein geeigneter Ansprechpartner, bei Frauen der Gynäkologe. Reproduktionsmedizinische Zentren oder Spezialpraxen bieten ebenfalls Untersuchungen der Fruchtbarkeit an.

 

Die ausführliche Anamnese schließt aktuelle psychische Belastungen und vorangegangene Erkrankungen ein. Da die Spannbreite an möglichen Ursachen so groß ist, muss der Arzt in der Regel ein umfassendes Untersuchungsprogramm durchführen. Mit Ultraschall können Auffälligkeiten, Fehlbildungen oder Funktionsstörungen der inneren Geschlechtsorgane erkannt werden. Eine Bauch- und Gebärmutterspiegelung kommt bei Frauen ergänzend hinzu. Das Zyklusmonitoring dient dazu herauszufinden, ob und wann bei der Frau der Eisprung stattfindet. Dadurch lässt sich auch die fruchtbare Phase zeitlich einengen.

 

Bei Männern führt der Arzt eine Tastuntersuchung der Hoden, Nebenhoden, Prostata und Bläschendrüsen durch und prüft, wie viele intakte Spermien produziert werden. Die Bestimmung des Hormonspiegels ist bei beiden Partnern erforderlich. Eine Analyse des Urins oder des Scheidensekrets hat das Ziel, mögliche Infektionen oder einen Pilzbefall festzustellen. In manchen Fällen rät der Arzt auch zu einer genetischen Untersuchung. »Dabei kann sich in seltenen Fällen auch eine Diagnose wie das Klinefelter-Syndrom ergeben, die für Betroffene dann sehr überraschend kommt«, sagt Thorn. Männer haben dann ein zusätzliches X-Chromosom und können oft keine funktionstüchtigen Spermien produzieren.

 

Verschiedene Optionen

»Vor Beginn einer Kinderwunschberatung ist es empfehlenswert, einen Fahrplan zu erstellen, in dem auch festgelegt wird, wie lange die Behandlung laufen soll und wo persönliche oder gesetzliche Grenzen liegen«, rät Thorn. Je nach Methode sind die Behandlungen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich belastend. Wenn Hormonstörungen bei Mann oder Frau die Ursache für die ausbleibende Schwangerschaft sind, kann eine gezielte Einnahme von Hormonen helfen. Anschließend kann eine Befruchtung auf normalem Weg versucht werden. Bleibt das erfolglos, steht die Option einer künstlichen Befruchtung (assistierte Reproduktion, ART) offen. Der erste Schritt besteht dabei in einer Hormonbehandlung der Frau mit dem Ziel, den Körper optimal auf die Empfängnis vorzubereiten. Bei der Samenübertragung (intrauterine Insemination) spendet der Mann Spermien, die der Arzt in die Gebärmutter der Frau überträgt. Diese Methode ist besonders dann Erfolg versprechend, wenn der Mann nur wenige Spermien produziert oder diese in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Die Erfolgsquote dieser Methode liegt im Durchschnitt bei 5 bis 10 Prozent.

 

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) entnimmt der Arzt nach einer Hormonbehandlung Eizellen aus dem Eierstock. Diese kommen in einem Reagenzglas mit den Spermien des Partners zusammen. Von den befruchteten Eizellen überträgt der Mediziner meistens gleich zwei, selten auch drei in die Gebärmutter, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Das Risiko, Mehrlinge zu bekommen, steigt damit aber auch. Die IVF-Behandlung führt nach drei bis vier Behandlungen bei etwa 60 bis 70 Prozent der Paare zu einer Schwangerschaft.

 

Wenn die normale IVF-Behandlung nicht erfolgreich war, ist noch die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) eine Option. Hier injiziert der Arzt direkt ein Spermium in eine Eizelle. Es werden anschließend wieder bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter der Frau übertragen. Befinden sich in der Samenflüssigkeit des Mannes keine Spermien, entnehmen Ärzte in einer kleinen Operation direkt Samenzellen aus den Hoden oder Nebenhoden des Mannes.

 

Glücklich als Paar

 

Bei einigen Betroffenen kommt es trotz medizinischer Hilfen zu keiner erfolgreichen Schwangerschaft. »Paare sollten sich bereits vor Beginn der Behandlung damit auseinandersetzen, dass der Kinderwunsch weiterhin unerfüllt bleiben kann. Es ist gut, einen »Plan B« zu entwickeln und zum Beispiel eine Adoption in Erwägung zu ziehen oder sich die Vorteile eines Lebens zu zweit vor Auge zu führen«, sagt die Expertin. Möglichkeiten wie etwa die Verwendung fremder Eizellen oder eine Leihmutterschaft, die theoretisch noch Optionen wären, sind in Deutschland verboten.

 

Kinderwunschbehandlungen sind kostspielig. Unter bestimmten Voraussetzungen beteiligen sich aber die Krankenkassen an den Kosten und auch eine finanzielle Unterstützung durch Bund und einige Bundesländer ist möglich. /

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