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Friedrich Stolz

Industrieapotheker und Arzneimittelforscher

18.10.2010
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Von Christoph Friedrich / Vor 150 Jahren wurde der Apotheker Friedrich Stolz geboren. Als langjähriger Mitarbeiter der Farbwerke Hoechst leistete er wichtige Beiträge zur Arzneimitteltherapie mit der Synthese des Adrenalins (1904) und des Pyramidons (1893), das sich als Aminophenazon lange Zeit als Antipyretikum und Analgetikum großer Beliebtheit erfreute.

Friedrich Stolz wurde am 6. April 1860 als Sohn des Apothekers Friedrich (Fritz) Conrad Stolz (1824 bis 1886) und dessen Gattin Katharina, geborene Gerstner (1834 bis 1907), in Heilbronn geboren, wo sein Vater damals als Leiter der von-Pless’schen-Essigfabrik wirkte (1). Von seinem sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahr besuchte Friedrich Stolz die Lateinschule in Göppingen (2). Einige Jahre später erwarb der Vater die Apotheke in Ebersbach bei Hall und Friedrich besuchte von dieser Zeit an das Haller Progymnasium. Nach dem sogenannten »Einjährigen« begann er auf Wunsch seines Vaters eine Apothekerlehre bei seinem Onkel Karl Stolz in der seit mehreren Generationen im Besitz dieser Familie befindlichen Apotheke in Kupferzell (3).

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In der Rubrik Originalia werden wissen­schaftliche Untersuchungen und Studien veröffentlicht. Eingereichte Beiträge sollten in der Regel den Umfang von zwei Druckseiten nicht überschreiten und per E-Mail geschickt werden. Die Infinitemarketing behält sich vor, eingereichte Manuskripte abzulehnen. Die veröffentlichten Beiträge geben nicht grundsätzlich die Meinung der Redaktion wieder.

Nach beendeter Lehre konditionierte er in Weinsberg bei Apotheker Schoder sowie in der Sicherschen Apotheke in Heilbronn. Letztere befand sich seit 1874 im Besitz des bekannten württembergischen Apothekers Friedrich Kober (1847 bis 1926), der 1885 die Redaktion des »Pharmazeutischen Wochenblattes« übernommen hatte, dem er dann ein Jahr später den Untertitel »Süddeutsche Apotheker-Zeitung« gab und die seit 1893 nur noch diesen Titel führte.

Kober, der nicht nur Redakteur und Verlagslei­ter war – erst 1914 übergab er seinen Verlag und die Redaktion der Süddeutschen Apothe­ker-Zeitung an Roland Schmiedel (1888 bis 1967) – besaß umfangreiche Kenntnisse in der Botanik sowie der angewandten Chemie (4) und dürfte seinem Apothekergehilfen viele Anregungen gegeben haben.

 

Studium und Promotion

 

Nach dem Militärdienst bezog Friedrich Stolz im Wintersemester 1882/83 die Universität München, an der er bis zum Wintersemester 1889/90 immatrikuliert war (5). Er studierte zunächst Pharmazie bei Professor Ludwig Andreas Buchner (1813 bis 1897) sowie dem bedeutenden Ordinarius der Chemie Adolf von Baeyer (1835 bis 1917) und bestand am 21. Juni 1884 das Pharmazeutische Examen mit »sehr gut«. Insbesondere von Baeyer, der in München eine bedeutende wissenschaftliche Schule gründete, begeisterte Stolz für die Chemie, sodass er gegen den Willen seines Vaters noch ein Studium dieses Faches anschloss. Da ihm der Vater eine entsprechende finanzielle Unterstützung verweigerte, musste er durch Stundengeben Geld verdienen, erhielt aber bald eine Stelle als Assistent in der Abteilung Pharmazie. Weil eine Promotion ohne Abitur in München offenbar schwierig war, reichte er seine unter von Baeyer angefertigte Dissertation »Über die Jodpropiolsäure« an der Universität in Erlangen ein, an der er 1886 promoviert wurde. Gutachter war dort der Professor der Pharmazie Albert Hilger (1839 bis 1905) (6). Dieser betont in seinem kurzen, nur einseitigen Gutachten: »Die Arbeit, welche experimentelles Geschick und Beobachtungsgabe bekundet, verdient Anerkennung.« Er beantragt die Zulassung zur mündlichen Prüfung aufgrund der qualifizierten Dissertation sowie der Tatsache, dass Stolz die Pharmazeutische Staatsprüfung mit der Note 1 bestanden hatte. Die Promotion erfolgte am 31. Januar 1886 (2, 7).

Die Arbeit bei Adolf von Baeyer hatte Stolz so fasziniert, dass er noch vier weitere Jahre als dessen Assistent in München blieb. Unter den Chemikern der dortigen Universität hieß es damals, »von Baeyer arbeitet mit Stolz« und »Victor Meyer mit Demuth«, denn neben von Baeyer gehörte auch Victor Meyer (1848 bis 1897), der in Göttingen und Heidelberg lehrte, zu den großen Vertretern der Chemie, dessen Assistent Robert Demuth war. Obwohl der Vater immer noch hoffte, dass Friedrich Stolz eine Apotheke übernehmen würde – am 19. Mai 1886 schrieb er, »daß die brotlose Schulmeisterstelle bei dem hungrigen Prof. von Baeyer zu nichts führe« – und ihm auch einen Anzeigenentwurf zum Erwerb einer eigenen Apotheke schickte, zeigte Stolz daran wenig Interesse. Im gleichen Jahr meldete er sein erstes Patent an, ein »Verfahren zur Herstellung von Farbstoffen der Rosanilin-Gruppe durch Kondensation von Paranitrobenzaldehyd mit Kohlenwasserstoffen«, das dann die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) übernahm. Zeitweise soll sich Stolz sogar mit dem Gedanken getragen haben, nach Amerika auszuwandern (3).

 

Arzneimitelforscher bei Hoechst

 

Einem Angebot Eduard von Gerichten (1852 bis 1939), der sich später »Vongerichten« nannte und der wie Stolz ein Schüler Adolf von Baeyers gewesen war und sich bei diesem habilitiert hatte, folgend, trat er zum 1. April 1890 eine Stelle bei den Farbwerken Hoechst als Chemiker an. Stolz verband mit Vongerichten die gemeinsame Herkunft aus der Baeyer-Schule, und als dessen engster Mitarbeiter widmete er sich nun den Derivaten des Antipyrins. Schon 1893 stellte er ein Antipyrinderivat mit einer Dimethylaminogruppe her, das dann, nachdem es von dem Erlanger Pharmakologen Wilhelm Filehne (1844 bis 1927) geprüft worden war, 1897 unter dem Namen Pyrazolon® auf den Markt kam.

Wegen geringerer Nebenwirkungen erwies es sich dem Antipyrin als weit überlegen und wurde 70 Jahre in der Arzneimitteltherapie erfolgreich eingesetzt. 1897 erfolgte auch die Erteilung eines Patentes. Stolz stand zudem in regem Austausch mit Ludwig Knorr (1859 bis 1921), dem die Synthese des Antipyrins gelungen war und mit dem er gemeinsam 1896 in Liebigs Annalen der Chemie eine Übersichtsarbeit über Derivate des Antipyrins publizierte. Darin heißt es: »Versuche über Antipyrin sind in Jena bereits 1890 ausgeführt worden. [. . .] Inzwischen hat sich auch Friedrich Stolz im Laboratorium der Hoechster Farb­werke mit der eingehenden Bearbeitung dieses Gebietes beschäftigt. Ihm gelang die Isolierung und Reindarstellung des Amidoantipyrins (vgl. DRP 71 261 vom 10.12.1892). Wir haben uns zu einer Publikation unserer sich gegen­sei­tig ergänzenden Resultate vereinigt.« Die beiden Auto­ren beschreiben über 20 verschiedene Verbindungen, da­run­ter das Diazoantipyrin, das mit Phenolen Azofarb­stoffe bildet (3).

 

1904 gelang Stolz in den Hoechster Forschungslaborato­rien die Synthese des ersten Hormons, des Racemats des Adrenalins, das 1900 beziehungsweise 1901 entdeckt worden war. Unter dem Namen Suprarenin® brachten die Hoechster Farbwerke diesen Stoff in den Handel. 1906 berichtete Stolz auf der Naturforschertagung in Stuttgart über diese Ergebnisse (3).

1928 glückte Friedrich Stolz eine weitere Synthese des Alkaloids Ephedrin, die insbesondere eine Racemat­tren­nung erlaubte. Die erste Darstellung war bereits 1917 Ernst Schmidt (1845 bis 1921) und August Eberhard (1887 bis 1960) in Marburg gelungen (8). Ephedrin, das eine ähnliche Wirkung wie Adrenalin zeigt, brachte die Firma Hoechst unter der Bezeichnung Racedrin® in den Handel. Als Arzneimittelforscher war Stolz an einer Vielzahl weiterer Pharmaka beteiligt, die diese Firma in den Handel brachte und die wesentlich dazu beitrugen, dass Deutschland damals als »Apotheke der Welt« galt, wie Lokalanästhetika und Chemotherapeutika (3). Zwischen 1897 und 1929 meldete Friedrich Stolz über 80 Patente an.

 

Zur Persönlichkeit von Stolz

 

Friedrich Stolz, der als sehr bedürfnislos beschrieben wird, heiratete erst im Jahre 1900 mit 39 Jahren die aus Brackenheim stammende Tochter eines Rechtsanwaltes, Helene Kerler (1877 bis 1961). Aus der Ehe gingen zwei Töchter, Margarethe und Helene, hervor (9). Im Mittelpunkt von Stolz’ Leben stand aber weiterhin die Arbeit: Stets pünktlich morgens um sieben, so- dass man die Uhr danach stellen konnte, begann er seine Tätigkeit im Labor und wandte sich insbesondere seinen Uhrgläsern zu, beziehungsweise den Kristallen, die sich darin befanden. So ruhig und gelassen er sich in persönlichen Dingen zeigte, so energisch vertrat er seine wissenschaftliche Meinung. Im persönlichen Umgang konnte er sogar sehr sarkastisch sein.

Zu seinen Hobbies zählte das Radfahren, das er noch auf einem Hochrad bei einem Meister dieser Kunst, der dabei sogar Geige spielen konnte, erlernt hatte. Stolz ließ sich in sein Fahrrad ein Manometer einbauen, um den Luft­druck der Reifen stets messen zu können. Mit dem Fahr­rad durchstreifte er den Schwarzwald und fuhr sogar über den Brenner. Später soll er sich bei Radtouren aber gele­gent­lich auch überanstrengt haben. Ansonsten wird Stolz als ein bescheidener, peinlich genauer, aber ganz hinter seinem Werk zurückstehender Forscher geschildert (3).

 

1930 erhielt Friedrich Stolz den Dr. med h.c. der Marbur­ger Universität. Erste Anregungen für diese Ehren­promo­tion gingen wohl von den akademischen Mitarbeitern der Firma Hoechst aus. Johann Hermann Friedrich Krollpfeiffer (1892 bis 1957), seit 1925 Vorstand der Behring-Werke und ab März 1931 dann nichtbeamteter außerordentlicher Professor an der Universität Marburg, berichtet in seinem Schreiben an die Medizinische Fakultät vom 3. Mai 1930, dass die akademischen Mitarbeiter der Firma Hoechst sich sehr für eine akademische Ehrung von Stolz eingesetzt hätten. Der Leiter des Hoechster Werkes und Ehrensenator der Marburger Universität, Paul Duden (1868 bis 1954), Sohn Konrad Dudens (1829 bis 1911) und Schüler Ludwig Knorrs in Jena, nahm diese Anregung mit Freude auf und setzte sich, wie Krollpfeiffer bemerkt, nachhaltig für die Ehrenpromotion ein. Auf Veranlassung des Marburger Physiko- chemikers Alfred Thiel (1879 bis 1942) übersandte er der Medizinischen Fakultät Unterlagen zur Persönlichkeit und zu den wissenschaftlichen Leistungen von Friedrich Stolz und stellte abschließend fest: »Bei der S[tolz] eigenen Bescheidenheit war es selbstverständlich, dass er im Ellbogenkampf in der Industrie nie seiner großen Verdienste entsprechend behandelt wurde. Umso mehr wäre es zu wünschen, wenn die hiesige Medizinische Fakultät durch Verleihung des Dr. med. h.c. an S[tolz] den Verdiensten dieses besonders erfolgreichen Forschers, die wohlverdiente öffentliche Anerkennung verschaffen würde.« (10)

In einem weiteren Schreiben vom 7. Mai 1930 charak­terisiert Krollpfeiffer Stolz als »echten, bescheidenen Gelehrten, [der] hier in der Stille bedeutende wissen­schaftliche Arbeiten geleistet« habe. Als heraus­ragendste wissenschaftliche Leistung erwähnt er die synthetische Darstellung des Adrenalins. Er betont ferner, dass eine Arbeit aus dem Pharmakologischen Institut der Universität Marburg von Hans Meyer im Zentralblatt für Physiologie von 1904 ausdrücklich die Priorität der Stolz‘schen Synthese nachwies (11). Abschließend resummiert Krollpfeiffer: »Stolz ist allgemein als ein hervorragender Gelehrter anerkannt, aber seine grosse Bescheidenheit, die ja den wahren Gelehrten kennzeichnet, und die Lauterkeit seines Charakters liessen ihn zurückstehen und hinderten, dass er in der Industrie eine seiner grossen Verdienste voll gerecht werdende Anerkennung fand.«

 

1936 erhielt Stolz auf Anregung von Dr. Franz Scholl, dem ehemaligen Leiter der Pharmazeutischen Betriebe des IG Werkes Hoechst, eine Urkunde anlässlich seines fünfzigjährigen Doktorjubiläums (12).

 

Sechs Jahre Ruhestand waren Friedrich Stolz nur vergönnt, am 2. April 1836 verstarb er an einer Lungenentzündung infolge eines Herzleidens, dessen Anfänge sich schon viele Jahre zuvor bemerkbar gemacht hatten. /

Quellen und Literatur

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Zu genealogischen Angaben siehe Remane, H., Stolz, Friedrich, in NDB (im Druck).

Universitätsarchiv Erlangen, Curriculum vitae in der Promotionsakte C4/ 3b Nr. 953.

Archiv der Firma Hoechst, Personalakte Friedrich Stolz mit Lebenslauf.

Wankmüller, A., Kober, Friedrich, in: Hein, W.-H. u. Schwarz, H.-D. (Hrsg.), Deutsche Apotheker-Biographie, Bd. 1, Stuttgart 1975, S. 331.

Personal- und Studienverzeichnisse der Universität München von 1882/83 bis 1889/90 und Mitteilung des Universitätsarchivs München vom 21.12.2005.

zu Hilger siehe Rhein, A., Zur Bedeutung der Pharmazeuten Albert Hilger (1839 bis 1905) und Theodor Paul (1862 bis 1928) als Lebensmittelchemiker. Dissertation Marburg 1988.

Universitätsarchiv Marburg 305 Nr. 47, Verzeichnis der Ehrendoktoren der Universität 1880 bis 1943.

Friedrich, Ch., u. Melzer, G., Ernst A. Schmidt (1845 bis 1921) und sein Schülerkreis, in: Die Pharmazie 43 (1988), S. 642 bis 647.

Remane, H, Stolz, Friedrich, in NDB (im Druck).

Universitätsarchiv Marburg, Akte 307cACC. 1950/10 Nr. 84, Bd. 2 o. P.

H. Meyer, Zur Konstitution und Synthese des Suprarenins, in: Zentralblatt für Physiologie 18 (1904), S. 501.

Schreiben Dr. [Franz] Scholl vom 09.02.1936, in: UAE C/4 3b Nr. 953 Promotionsakte Friedrich Stolz.

 

Anschrift des Verfassers:

Professor Dr. Christoph Friedrich

Institut für Geschichte der Pharmazie

Roter Graben 10

35032 Marburg

ch.friedrich(at)staff.uni-marburg.de

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