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Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft

Nachholbedarf in Deutschland

05.10.2016
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Von Lena Keil, Berlin / Das deutsche Gesundheitssystem hinkt in seinen Bemühungen um eine schnelle Digitalisierung hinterher. Auf Einladung des Bundeswirtschaftsministeriums diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Start-up-Szene notwendige Schritte zur digitalen Transformation.

Der Digitalisierungsgrad des deutschen Gesundheitssystems weist weiterhin große Rückstände auf. Darin waren sich die Vertreter aus Wirtschaft und Start-up-Szene auf der Konferenz »Digitaler Wandel – Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten in Finanzbranche, Gesundheitswesen und Contentwirtschaft« Ende September in Berlin einig. Es besteht demnach dringender Handlungsbedarf, um im europäischen Vergleich mithalten zu können,

 

»Wir sind weit abgehängt«

»Wir sind mittlerweile so weit abgehängt, dass es schwer wird, diesen Rückstand wieder aufzuholen«, warnte der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, in seiner Eröffnungsrede. Hierfür seien vor allem die veralteten Strukturen des deutschen Gesundheitswesens verantwortlich, die sich zum größten Teil auf analoge Prozesse stützen. Nur mit einer grundlegenden Veränderung des derzeitigen Systems könne die Digitalisierung vorangetrieben werden, so Baas.

 

Auch aus Sicht der Geschäftsführerin von Startupbootcamp Digital Health Berlin, Juliane Zielonka, lässt das deutsche Gesundheitssystem kaum relevante Neuerungen zu. Trotz des großen Potenzials aufseiten der Start-up-Unternehmen im Bereich der Telemedizin kämen etwaige Geschäftsabschlüsse mit den Krankenkassen beispielsweise erst nach einer Vorlaufzeit von 9 bis 15 Monaten zustande. Die sektoralen Strukturen des deutschen Gesundheitswesens seien der heutigen Zeit nicht länger angemessen, betonte auch der Vizepräsident für den Bereich Strategie von Siemens Health Care, Michael Meyer. Viele technische Features blieben dadurch ungenutzt.

 

Vor allem in den Bereichen Service, Infrastruktur und Versorgung sieht TK-Chef Baas viele Chancen der Digitalisierung. So könne beispielsweise die Interaktion zwischen Krankenkasse, Versicherten und Ärzten mithilfe neuer Techniken und Programme deutlich verbessert werden. Dabei spiele auch die Einführung der digitalen Gesundheitsakte eine große Rolle. »Die Vorteile einer solchen Akte sind so riesig groß, dass sie in jedem Fall kommen wird«, sagte Baas. Durch die einheitliche Sicherung und Nutzung gesundheitsrelevanter Daten können demnach Krankheiten und Komplikationen früher erkannt und verhindert werden. Ebenso profitiere hiervon die medizinische Forschung.

 

Hemmschuh Datenschutz

 

Der fortschreitenden Digitalisierung stehe jedoch immer wieder der Datenschutz entgegen. »Der Patient muss Herr seiner Daten sein«, bestätigte Baas. Dennoch dürfe dies nicht zum Totschlagargument gegen den digitalen Wandel werden. Während Versicherte über ihre Handydaten häufig bereitwillig gesundheitsrelevante Informationen freigäben, bestehe gegenüber den Krankenkassen ein großes Misstrauen, bemängelte der Vorstandsvorsitzende. »Die Menschen haben diesbezüglich ein ganz falsches Bewusstsein von Risiko oder Nicht-Risiko«, so Baas. Trotzdem sei ein Großteil der Versicherten für die Digitalisierung.

 

Anders sieht es nach Ansicht der Experten aufseiten der Ärzte aus. Nach Einschätzungen von Professor Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité Berlin, blickt nur ein Drittel der deutschen Ärzteschaft der geplanten Digitalisierung positiv entgegen. Unter den übrigen Medizinern herrschten sowohl Skepsis als auch Ablehnung, erklärte Köhler. Dabei solle der Beruf des Arztes nicht ersetzt, sondern lediglich effektiver genutzt werden. Die Anwendung digitaler Programme könne zum Beispiel die bürokratische Prozesse beschleunigen und auf diese Weise mehr Zeit für die eigentliche Behandlung schaffen.

 

Aber nicht nur Ärzte, sondern auch andere medizinische Berufe könnten von den Neuerungen profitieren. Der digitale Wandel werde die gegenwärtigen Rollen im deutschen Gesundheitssystem langfristig verändern, so die einhellige Meinung. »Wir können den digitalen Rückstand aufholen, aber dafür müssen wir alle gemeinsam mit­anpacken«, schloss Meyer die Diskus­sionsrunde. /

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