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Daclatasvir gegen Hepatitis C

Der Dritte im Bunde

23.09.2014
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Von Iris Hinneburg, Leipzig / Mit Daclatasvir (Daklinza®) kam in diesem Jahr bereits der dritte neue Wirkstoff gegen das Hepatitis-C-Virus auf den Markt. Daten zu dem ersten Inhibitor des Nicht-Strukturproteins 5A (NS5A) wurden im Rahmen des Kongresses für Viszeralmedizin in Leipzig vorgestellt.

Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) entwickelt sich in der Mehrzahl der Fälle zu einer chronischen Erkrankung, an der in Deutschland rund eine halbe Mil­lion Menschen leiden. Gefürchtet sind vor allem Komplikationen wie Leberzirrhose, dekompensierte Leberfunktion und das hepatozelluläre Karzinom, die etwa 20 Jahre nach der Infektion auftreten. Von dem Virus, das hauptsächlich über das Blut übertragen wird, sind sechs verschiedenen Genotypen bekannt, von denen die Genotypen 1 und 3 in Deutschland am häufigsten vorkommen.

 

»Die in diesem Jahr neu zugelassenen Arzneistoffe Sofosbuvir, Simeprevir und Daclatasvir greifen an verschiedenen Stellen der Virusreplikation an«, erläuterte Professor Dr. Michael Manns, Hepatologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, auf einem von Bristol-Myers-Squibb ausgerichtenen Pressegespräch in Leipzig. Daclatasvir hemmt als erster Wirkstoff das Protein NS5A, das im Lebenszyklus des HCV sowohl an der Replikation des Virus­genoms als auch am Zusammenbau neuer Viruspartikel beteiligt ist.


Genotyp bestimmt Kombinationspartner

 

Bis vor Kurzem bestand die Standardtherapie der Hepatitis C aus einer Dreifachkombination von Ribavirin, einem Protease-Inhibitor wie Telaprevir oder Boceprevir und Interferon, das injiziert werden muss und relativ schlecht verträglich ist. Bei den neueren Substanzen ist die Anwendung für den Patienten mit einer einmal täglichen oralen Gabe deutlich bequemer: »Bei den früheren Protease-Inhibitoren mussten die Pa­tienten die Tabletten alle acht Stunden in Verbindung mit einer fettreichen Mahlzeit einnehmen«, erklärte Manns.

 

Zugelassen ist Daclatasvir in Kombination mit anderen Wirkstoffen gegen das Hepatitis-C-Virus. Dadurch soll möglichen Resistenzentwicklungen vorgebeugt werden. Welcher andere Arzneistoff zusätzlich gegeben wird, richtet sich dabei vor allem nach dem Genotyp: So ist etwa bei Genotyp 1 die Kombination mit Sofosbuvir vorgesehen, bei Genotyp 3 kommt zusätzlich Ribavirin zum Einsatz. In beiden Fällen ist keine begleitende Interferon- Behandlung notwendig.

 

Untersucht wurde Daclatasvir bisher an rund 5500 Patienten, vorwiegend in Phase-II-Studien. In vielen Pa­tientengruppen ließ sich ein anhaltendes virologisches Ansprechen (zwölf Wochen nach Therapieende Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze) bei nahezu 100 Prozent der Studienteilnehmer erreichen – deutlich mehr als mit der bisherigen Standardtherapie. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist die Datenlage jedoch noch nicht sehr robust, vermutlich liegt die Heilungsrate dann niedriger. »Wir glauben, dass diese Patienten dann nicht die 100 Prozent erreichen«, erläuterte der Hepatologe Professor Dr. Thomas Berg vom Universitätsklinikum Leipzig.

 

Für das Gesundheitssystem bedeutet die neue Therapie hohe Kosten: So schlägt eine Behandlung mit der Kombination von Daclatasvir und Sofosbuvir über zwölf Wochen mit rund 100 000 Euro zu Buche. Bei manchen Patientengruppen wird möglicherweise die doppelte Behandlungszeit notwendig.

 

Beschleunigte Zulassung

 

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat Daclatasvir wegen des erhöhten therapeutischen Bedarfs in einem beschleunigten Verfahren zugelassen. Derzeit laufen noch Phase-III-Studien an weiteren relevanten Patientengruppen, etwa mit dekompensierter Leberzir­rhose oder HIV-Koinfektion, für die bisher keine Daten erhoben wurden. Bereits seit April dieses Jahres stand der Wirkstoff im Rahmen eines Härtefall-Programms (Compassionate Use) für Patienten mit fortgeschrittener Hepatitis C und einem hohen Risiko zur Verfügung, wenn andere Therapieoptionen nicht möglich waren. Ein Gutachten des IQWiG im Rahmen der frühen Nutzenbewertung wird für Anfang Dezember erwartet. Weitere NS5A-Inhibitoren wie Ombitasvir, Ledipasvir oder Elbasvir befinden sich gerade im Zulassungsverfahren und fortgeschrittenen Phasen der klinischen Entwicklung. /

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