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Bonjour Russland

Ost-West-Gipfeltreffen

21.09.2007
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Bonjour Russland

Ost-West-Gipfeltreffen

Von Ulrike Abel-Wanek, Düsseldorf

 

Henri Matisse malte eines seiner berühmtesten Bilder für den Treppenaufgang einer Moskauer Villa: Jetzt ist »Der Tanz« mit anderen Spitzenwerken der französischen und russischen Moderne im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. »Es lohnt sich, kilometerweit zu fahren, um auch nur ein Bild zu sehen«, sagte Kurator Sir Norman Rosenthal am Tag der Ausstellungseröffnung.

 

Es war nicht leicht, die Meisterwerke überhaupt nach Deutschland zu bekommen. Zum ersten Mal werden die Arbeiten aus vier der bedeutendsten russischen Museen, der Eremitage und des Russischen Museums in St. Petersburg sowie des Puschkin-Museums und der Tretjakow-Galerie in Moskau, in dieser Präsentation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. »Ein heroischer Akt«, betont Vladimir Gusev, Direktor des Russischen Museums, und »kaum weniger schwierig als die europäische Vereinigung«. Der Einsatz hat sich gelohnt. Für die Ausstellung »Bonjour Russland« reisten 126 Kunstschätze der französischen und russischen Avantgarde an den Rhein. Bis zum 6. Januar ist die Schau hier zu sehen, danach wandert sie nach London.

 

Es ist ein Gipfeltreffen der ganz Großen: Werke von Renoir, Cézanne, van Gogh, Gaugin, Matisse, Picasso, Chagall, Kandinsky, Kasimir Malewitsch oder Ilja Repin: großartig gehängt im neu gestalteten Kunstpalast des Architekten Mathias Ungers.

Russische Schatzkammern

Viele Privatsammlungen wurden nach der Oktoberrevolution 1917 verstaatlicht - auch die von Sergey Shchukin und Ivan Morozov. Ihre Bilder landeten in den Museen Moskaus und St. Petersburgs.

 

Die reiche Sammlung der Eremitage in St. Petersburg ist das Erbe von Katharina der Großen. Französische Kunst und französischer Geschmack spielten in dieser Zeit eine zentrale Rolle. Bedeutende Meisterwerke aus den Sammlungen Shchukins und Morozovs gehören zum Bestand der Eremitage.

 

Der Kunstschatz der Tretyakov-Galerie, eines der populärsten Museen Moskaus, geht auf den reichen Kaufmann Pavel Tretyakov zurück. Er übergab seine Sammlung von realistischen Malern, die den »Wanderkünstlern« nahestanden sowie Porträts von herausragenden Kulturschaffenden, 1892 an die Stadt Moskau. Arbeiten aus verstaatlichtem Privatbesitz ergänzten die Sammlung.

 

Das Puschkin-Museum in Moskau wurde 1912 gegründet. Hier ist heute die größte Sammlung französischer Impressionisten Russlands zu sehen. Die Bilder stammen vorwiegend aus den Shchukin- und Morozov-Sammlungen.

 

Im Russischen Museum in St. Petersburg, gegründet 1895 von Zar Nikolaus II., sind rund 400.000 Werke von altrussischer Kunst bis zur Gegenwart zu sehen. Es sollte das erste Museum der »vaterländischen bildenden Kunst« werden. Die unter Stalin verbannte Avantgarde wurde 1995 durch Schenkungen erweitert und ist heute bedeutender Bestandteil der Ausstellung.

Zu sehen seien aber nicht nur schöne Bilder, sagt Chefkurator Sir Norman Rosenthal von der Royal Academy of Arts in London, sondern ein ganzes Konzept. Gezeigt wird die Entwicklung der russischen Kunst zwischen 1870 und 1925 und welchen Einfluss dabei die französische Avantgarde spielte. Um die »Ost-West-Beziehungen« dieser Zeit besser zu verstehen, ist die Ausstellung in vier thematische Abschnitte unterteilt und beginnt mit der Kunst des russischen Realismus.

 

Die »Wandermaler«, die Ende des 19. Jahrhunderts begannen, Bauern und andere, die mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienten, zu malen, stehen hier im Mittelpunkt. Akademismus war gestern, die Malerei verlor die Lust daran, dem Adel den schmeichelnden Spiegel vorzuhalten. Ilja Repin war die Schlüsselfigur und bekanntestes Mitglied dieser Wanderer. Ihre Bildmotive wurzelten in Russland, doch schauten sie auch über nationale Grenzen hinaus, speziell auf eine Gruppe französischer Landschaftsmaler, der sogenannten »Schule von Barbizon«. Die Malerkolonie aus dem gleichnamigen Dorf im Wald von Fontainebleau gilt als Wegbereiter des Impressionismus.

 

Im Museum Kunstpalast stehen sie Seite an Seite: Werke des französischen Naturalismus und des russischen Realismus. Meisterwerke aus den Kollektionen zweier legendärer Kunstsammler vereint die zweite Station. Die Moskauer Fabrikbesitzer Ivan Morozov und Sergey Shchukin durchkämmten Paris auf der Suche nach Bildern der Impressionisten, von Monet bis Picasso, mit großer Leidenschaft. Morozov war der konservativere, Shchukin hingegen kaufte an die hundert Arbeiten von Picasso, darunter die Hauptwerke aus seiner »blauen«, »rosa« und kubistischen Phase. 1914 besaß er die beste Picasso-Sammlung der Welt. Er wurde zum Gönner von Matisse, als dessen Finanzlage nicht rosig aussah und bestellte bei ihm die beiden Bilder »Der Tanz« und »Die Musik«. »Ich finde in Ihrem Wandbild (...) so viel Edelmut, dass ich mich entschlossen habe, unseren bürgerlichen Ansichten keine Achtung zu schenken und bei mir an der Treppe das Sujet mit den Entblößten aufzuhängen. Zugleich brauche ich ein zweites Wandbild, dessen Sujet die Musik sein könnte.« Ohne den Russen hätte der Franzose einige seiner bedeutendsten Bilder nicht geschaffen. »Der Tanz« dominiert den Saal des zweiten Ausstellungsabschnitts.

 

Vorbei an Teil drei der Präsentation, der sich einer wichtigen Figur im französisch-russischen Kunst- und Kulturaustausch widmet, dem Ballett-Impresario und Ausstellungsorganisator Sergey Dyagilev, klingt der Rundgang in Teil vier mit einem »Feuerwerk« an künstlerischen Innovationen aus. Die Oktoberrevolution von 1917 färbte auf die Künste ab, avantgardistische Architekturideen machen die Runde. Die gesellschaftlichen Veränderungen gingen einher mit Umstürzen in der Kunst. Wassily Kandinsky unternahm kühne Schritte zur Abstraktion, Chagall kombinierte Elemente des Kubismus mit russisch-jüdischer Folklore. Das »Schwarze Quadrat« von Kazimir Malevich krönte diese Experimente.

 

Beinahe wäre die Schau der Superlative an der Entleihpolitik Russlands gescheitert. Nach mehreren Massen-Diebstählen standen die Museen massiv unter Druck. Ihre Schätze auszuleihen, schien zu risikoreich. »Der Tanz«, der auch das Ausstellungsplakat ziert, hätte so auch Symbolcharakter, sagt Museumsdirektor Gusev. Die Figuren zeigten die fünf beteiligten Museen, die nach zähen Verhandlungen schließlich doch kooperierten.

Bonjour Russland

Französische und russische Meisterwerke von 1870-1925

15. September 2007 bis 6. Januar 2008

geöffnet Montag bis Sonntag 10 bis 20 Uhr

 

museum kunst palast

Ehrenhof 4-5

40479 Düsseldorf

Telefon (02 11) 8 99 25 45 60

 

Katalog zur Ausstellung

Softcover: 29 Euro

Hardcover: 39 Euro

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