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Geschäftsbericht

Kein Wackeln und kein Wanken

20.09.2017
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Nachhaltigkeit war das große Thema im Geschäftsbericht des ABDA-Hauptgeschäftsführers Sebastian Schmitz. Daran orientiere sich auch die Forderung nach dem Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, sagte Schmitz: »Es gab in dieser Frage kein Wackeln und kein Wanken.«

Trotz einer Vielzahl von möglichen Reaktionen auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat die ABDA konsequent und ausschließlich auf ein Verbot des Versandhandels mit Rx-Arzneimitteln gesetzt. Der ABDA-Hauptgeschäftsführer hält diese Strategie auch ein Jahr nach dem Urteil für den richtigen Weg. Schmitz: »Uns war nach der EuGH-Entscheidung sehr schnell klar, dass es hier mit ein wenig Kosmetik nicht getan ist. Die vielen politischen Ideen, die wir in den letzten ­Monaten hören konnten, von Subven­tionen für Apotheken im länd­lichen ­Bereich über die Streichung der Zuzahlung für chronisch kranke Menschen bis hin zu Boni-Verboten mögen zwar Symptome abmildern, lösen aber das Problem langfristig nicht.«

 

Die einzige Maßnahme, die die Schieflage dauerhaft beseitige, sei das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Nur dieser ­Ansatz sei geeignet, den einheitlichen Apothekenabgabepreis für verschreibungspflichtige Arzneimittel wiederherzustellen. Für Schmitz gab es an dieser Stelle keine zwei Meinungen – trotz eines erheblichen Drucks von außen. »Die Entscheidung für diese Linie in den Gremien der ABDA kurz nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs war durchaus nicht einfach.«

 

Ein Grund dafür sei auch das Versprechen gewesen, zusätzliche Mittel zur Förderung der Apotheken auf dem Land bereitzustellen oder Boni nicht abzuschaffen, sondern auf niedrige Summen zu begrenzen. Rückblickend ist Schmitz heilfroh, den Verlockungen widerstanden zu haben. »Mit alledem hätten wir auf mittlere Sicht Schiffbruch erlitten.« Stattdessen setzte die ABDA alles auf eine Karte: »Im Ergebnis stand die klare und schnelle Entscheidung für die Forderung nach dem Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und somit für eine nachhaltige Politik, die aufs Ende schaut«. Eine große Unterstützung sei es gewesen, dass der Berufsstand diese Position geschlossen geteilt hat. Schmitz: »Es gab in dieser Frage kein Wackeln und kein Wanken.«

 

Am Ziel ist die ABDA noch nicht, das Rx-Versandverbot gibt es noch nicht. Dennoch sieht Schmitz die Apotheker auf dem richtigen Weg. Das Thema sei in den Medien sehr präsent geblieben und nicht nach einigen Wochen in der Versenkung verschwunden. Damit sei es auch in der politischen Debatte präsent gehalten worden; dies habe verhindert, dass das für die Politik schwierige Thema im Nirwana verschwindet. Mehr noch: CDU/CSU und die Linke hätten die Forderung sogar in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Somit werde das Thema auch nach der Wahl auf der Agenda der neuen Bundes­regierung bleiben. Damit sind die Chancen nicht schlecht, nach der Bundestagswahl die Politik von der Notwendigkeit der Gleichpreisigkeit für Rx-Arzneimittel zu überzeugen.

 

ARMIN und das sichere Netz

 

Das Thema Nachhaltigkeit zog sich wie ein roter Faden durch die weiteren Ausführungen des Hauptgeschäftsführers. »Unser größtes Nachhaltigkeitsprojekt ist die Verfolgung des Perspektivpapiers 2030«, sagte Schmitz. Dass dieses Projekt trotz der politischen Diskussion um das Versandhandelsverbot vorangetrieben wird, zeigte er an drei ­konkreten Beispielen: Medikations­management, Vernetzung und Ausbildung.

 

Im Medikationsmanagement der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) waren zum 30. Juni 2017 mehr als 2000 Patienten eingeschrieben, die einen von Arzt und Apotheker konsolidierten Medikationsplan erhalten haben und dauerhaft von beiden Heilberuflern betreut werden. Zehn Apothekenverwaltungssysteme seien an der Umsetzung des Medikationsplans beteiligt. Schmitz dankte den Apothekensoftwarehäusern für ihr Engagement und ihre Unterstützung der Weiterentwicklung der pharmazeutischen Leistungen in der Apotheke. Die ABDA verfolge im Zusammenhang mit ARMIN zudem ein besonders wichtiges Ziel: die technische Harmonisierung von Anwendungen zum Medikationsplan, wie er im Projekt ARMIN vorgesehen ist und innerhalb der Gematik definiert wird.

 

Dass auch die Patienten die apothekerlichen Leistungen schätzen, habe eine aktuelle Befragung von 103 Teilnehmern aus diesem Projekt gezeigt. 84 Prozent der Patienten sahen einen persönlichen Nutzen des Medikationsmanagements durch den besseren Informations­austausch von Arzt und Apotheker und fast 70 Prozent fühlten sich sicherer im Umgang mit ihren Arzneimitteln.

 

Die informationstechnische Vernetzung der Apotheker macht laut Schmitz gute Fortschritte. »Wir sind jetzt dabei, dieses digitale Netz aufzubauen.« Die Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA) bereite die Anbindung der Apotheken mit einer entsprechenden Registrierung vor. Eine der ersten Aufgaben: den Apotheken den Zugang zum Securpharm-System ermöglichen. Zur Authentifizierung im Netz würden immer zwei Karten benötigt: der elektronische Heilberufsausweis und für die Apotheke die Security Module Card Typ B (SMC-B). Die Apothekerkammern würden beide Karten herausgeben, so Schmitz.

 

Ressource Nachwuchs

 

Als »eine Zukunftsressource von höchster Priorität« bezeichnete Schmitz gut ausgebildete Mitarbeiter. »Wenn wir auch im Jahr 2030 hervorragend ausgebildete und bestens qualifizierte Mitarbeiter in den Apotheken haben wollen, müssen wir jetzt handeln.« Die Änderung von Ausbildungsordnungen und deren Umsetzung beanspruche jedoch viele Jahre. »Speziell ausgebildete Mitarbeiter sind gewissermaßen eine langsam nachwachsende Ressource.«

 

Auch das Perspektivpapier bestimme die Messlatte für eine angemessene Ausbildung. Man müsse aber auch Chancen und Risiken von Änderungen bedenken. Als Stichworte nannte Schmitz die mögliche Einführung des Bachelor-Master-­Systems oder mögliche Auswirkungen auf den Curricular-Normwert. Gerade weil die Änderung einer Ausbildungsordnung ein langwieriger Prozess ist, sei es klug, parallel zu diskutieren, welche Spielräume die aktuelle Ausbildungsordnung für Apotheker bietet.

 

Der Gedanke der Nachhaltigkeit präge auch die Kommunikation der ABDA, sagte Schmitz und verwies auf neue Kommunikationswege und Formate wie den neuen ABDA-Newsroom und neue Gestaltungen in der Kam­pagnenarbeit. Diese umfangreiche Strategie in der Kommunikation habe sich nach der EuGH-Entscheidung zur Arzneimittelpreisbindung sehr bewährt. Wesentlich dazu beigetragen habe das effektive Miteinander zwischen ABDA, Landesorganisationen und Apotheker-Basis, lobte Schmitz. Diese Zusammenarbeit solle gefördert werden. Der Berufsstand habe viel Lob für seine Öffentlichkeitsarbeit erhalten – allerdings sein Hauptziel noch nicht erreicht.

 

Abschließend wies Schmitz auf zahlreiche Gesetzesvorhaben hin, die sehr erfolgreich für die Apotheker entschieden wurden. So habe man in der Debatte um das Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz die Defizite von Ausschreibungsverfahren so deutlich machen können, dass die politischen Entscheidungsträger »endlich reagiert« hätten. »Die Selektivverträge der Krankenkassen mit Apotheken im Zytostatika-Bereich sind beendet, Ausschreibungen über Rabattverträge bei Impfstoffen gibt es nicht mehr und im Hilfsmittelbereich sind mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsstärkungsgesetz immerhin die Anforderungen in Bezug auf die Qualität der Versorgung im Verhältnis zum Preis angehoben worden.« Ein großer Erfolg sei die Erhöhung des Rezepturzuschlags und der Dokumentationsgebühr, die seit Jahren in Aussicht gestellt wurde – auch dies »eine gewisse Art der Nachhaltigkeit«.

 

Aufregerthema Cannabis

 

Der Aufreger in der Öffentlichkeit war die Diskussion über die Abgabe von Cannabis. »Dabei ging es bei dem Gesetzesvorhaben ausschließlich um den Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken.« Die Apotheker hätten klar gemacht, dass sie als Experten bei der Versorgung der Patienten gehört werden wollen. Dabei habe die Bundesapothekerkammer immer die Position vertreten: Wenn Cannabis als Arzneimittel eingesetzt werden soll, soll es in verlässlicher pharmazeutischer Qualität als Rezepturarzneimittel zur Verfügung stehen, über die Apotheke abgegeben werden und in der GKV erstattungs­fähig sein.

 

Nach den fachlichen Regelungen gehe es jetzt ums Geld, verwies Schmitz auf die schwierigen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband. »Auch die Krankenkassen sollten einsehen, dass nachgewiesener Arbeitsaufwand bezahlt werden muss.«

 

Noch einmal kam Schmitz auf Nachhaltigkeit zu sprechen, nämlich die aus Beton und Stahl. Der Neubau der ABDA-Geschäftsstelle »wächst und gedeiht nördlich des Berliner Hauptbahnhofs«. Auch dieses Vorhaben sei »eine gute Investition in die Zukunft«. /

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