Infinitemarketing online
PTA-Forum InfinitemarketingPharmastellen InfinitemarketingMarkt InfinitemarketingAkademie DAC/NRF
AMK
InfinitemarketingMarkt
PTA-Forum
Weitere Angebote der PZ
Demenzpatienten

Herausforderungen in der Versorgung

21.09.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Christina Hohmann-Jeddi, Duisburg, und Annette Mende, Berlin / Schwieriges Verhalten, starker Bewegungsdrang und Mangelernährung sind Herausforderungen bei der Pflege von Demenzpatienten. Dahinter können körperliche Beschwerden stecken, die wegen der eingeschränkten Möglichkeiten der Patienten, sich mitzuteilen, unentdeckt bleiben.

Sowohl auf ärztlicher als auch auf pflegerischer Seite gibt es beträchtliches Verbesserungspotenzial bei der Versorgung von Demenzpatienten. Das wurde auf einer Pressekonferenz in Berlin im Vorfeld des Welt-Alzheimer-Tags am 21. September deutlich. So decke etwa die Zahl der auf die Behandlung älterer Patienten spezialisierten Psychiater in Deutschland bei Weitem nicht den Bedarf, sagte Professor Dr. Hans Gutzmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie. »In Großbritannien, dem Mutterland der Gerontopsychiatrie, stehen einem Vertreter dieses Fachs etwa 650 ältere Patienten gegenüber. Bei uns sind es 13 000.«

Da die allermeisten Demenzkranken von Hausärzten betreut werden, müsse auch bei ihnen das Wissen um die Erkrankung verbessert werden. »Hausärzte erkennen nur die Hälfte der Patienten mit einer Demenz, bei leichten Formen sogar nur ein Fünftel«, sagte Gutzmann. Gleichzeitig erhielten Patienten aber auch häufig zu Unrecht die Diagnose Demenz. Das kann ihnen zum Nachteil gereichen, denn oft fokussiere sich die Therapie bei – vermeintlichen – Demenzpatienten auf diese Erkrankung und die Betroffenen seien somatisch unterversorgt, so Gutzmann.

 

Schmerztherapeutisch unterversorgt

 

Ein Problem in der Versorgung von Demenzpatienten sind herausfordernde Verhaltensweisen, die etwa neun von zehn der Betroffenen entwickeln. Diese können sich als Aggression, Fluchen und Schreien, Agitiertheit, Wahn, Enthemmung und zielloses Umherlaufen äußern. Ebenfalls häufig zu beobachten ist Apathie. Ein Teil dieses unangepassten und für Pflegende belastenden Verhaltens könnte auf unbehandelte Schmerzen zurückgehen. Das berichtete Dr. Albert Lukas vom Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard in Bonn auf dem Malteser Versorgungskongress Demenz Anfang September in Duisburg.

 

Zwischen 20 und 50 Prozent der Demenzpatienten leiden unter Schmerzen. Dabei ist es ausgesprochen schwierig zu erkennen, ob ein Patient Schmerzen hat, weil er das nicht mehr adäquat äußern kann. Entsprechend häufig sind Demenzpatienten daher schmerztherapeutisch unterversorgt. Einer dänischen Studie zufolge erhielten demente Patienten nach einer Hüftfraktur-Operation signifikant geringere Schmerzmitteldosen als nicht demente Patienten. Konsequenzen der inadäquaten Schmerzmitteltherapie können Einschränkungen der Lebensqualität und Alltagskompetenz sein und auch die Psyche leidet: So können unbehandelte Schmerzen zu Depression, Angst­erkrankungen, Schlafstörungen, aber auch zu Stürzen und Mangelernährung führen, machte Lukas deutlich.

 

Die Ursachen für diese Problematik können zum einen in einer Veränderung der schmerzverarbeitenden Zen­tren im Gehirn liegen. So gibt es Hinweise darauf, dass bei Alzheimer­patienten die Schmerzschwelle, ab der ein Reiz als schmerzhaft empfunden wird, zwar gleichbleibt, die Schmerz­toleranz aber erhöht ist, berichtete der Internist. Zum anderen ist eindeutig eine veränderte Schmerzkommunikation die Ursache einer Unterbehandlung. »Die Selbsteinschätzung fällt Patienten schwer, ist aber wichtig für die Schmerzdiagnostik«, sagte Lukas. Hier sollten numerische Skalen gegenüber solchen, die Symbole verwenden, bevorzugt werden, da diese von den Patienten besser verstanden werden.

 

Ist eine Selbsteinschätzung nicht möglich, können Pflegende Schmerzen mithilfe eines strukturierten Beobachtungsinstruments diagnostizieren, etwa der Skala »Beurteilung von Schmerzen bei Demenz« (BESD). Diese berücksichtigt Atmung, Lautäußerungen, Mimik und Körpersprache des Patienten sowie die Möglichkeit, den Patienten zu trösten. Ab einem bestimmten Wert sollte mit der Schmerztherapie begonnen werden. »Diese Skalen haben ihre Schwächen, aber sie sind wichtig, um die Unterversorgung in der Schmerztherapie anzugehen«, sagte Lukas.

Demenz Partner

In Deutschland leben etwa 1,3 Millionen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, 700 000 davon in Heimen. Die Alzheimer-Demenz ist mit Abstand die häufigste Demenzform. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft will mit ihrem neuen Projekt »Demenz Partner« das Wissen über die Erkrankung mehren und Verständnis für Erkrankte und deren Angehörige wecken. Schulungen zum Demenz Partner dauern 90 Minuten und werden bundesweit von verschiedenen Organisationen ange­boten. Einen Überblick bietet die Website www.demenz-partner.de.

 

Wie effektiv eine adäquate Schmerzbehandlung ist, zeigte der Geriater anhand einer norwegischen Untersuchung. Bei dieser reduzierte eine systematische Schmerztherapie Agitiertheit und aggressives Verhalten der Demenzpatienten und senkte auch die Zahl der unnötigen Psychopharmaka-Verordnungen. »Häufig stecken Schmerzen hinter herausforderndem Verhalten und diese lassen sich gut behandeln«, fasste Lukas zusammen.

 

Mangelernährung häufig

 

Ein unterschätztes Problem in der Pflege von Demenzpatienten ist die Mangelernährung. Darauf machte Professor Dr. Cornel Siebert vom Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg aufmerksam. »Ernährung und Kognition hängen eng zusammen«, sagte der Geriater. So kann eine Mangelernährung die Kognition beeinflussen, aber kognitive Defizite können auch den Ernährungszustand verschlechtern. Bei ungewolltem Gewichtsverlust sollte daher auch an eine Demenz gedacht werden.

 

Was kann man gegen den körperlichen Abbau tun? Die Essbiografie eines Patienten solle und könne man nicht ändern. Hilfreich sei es hingegen, das Umfeld zu beeinflussen und beispielsweise die Speiseräume so zu gestalten, dass die Mahlzeiten wie früher in der Familie gemeinsam eingenommen werden. »Zuwendung ist in der Betreuung so wichtig wie Kalorienzufuhr.«

 

Insgesamt liegt der Energiebedarf bei 25 bis 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einer Person von etwa 60 kg sind das 1800 kcal pro Tag. Bewegen sich die Patienten viel, steigt der Bedarf. »Manche Demenzpatienten mit starkem Bewegungsdrang brauchen bis zu 2000 kcal pro Tag mehr.« Auch auf die Eiweißzufuhr sollte geachtet werden. Ältere Menschen benötigten 1 bis 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag. Da der menschliche Organismus pro Mahlzeit nur 20 g Eiweiß aufnehmen kann, sollte die Proteinzufuhr über den Tag verteilt werden. Vor einer eingeschränkten Nierenfunktion sollte man dabei keine Angst haben, betonte der Geriater. Wichtig für die Kognition ist auch, ausreichend zu trinken. 1500 ml sollten es pro Tag sein, bei Fieber und hohen Temperaturen im Sommer entsprechend mehr.

 

Mitunter werden bei Demenzpatienten freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettgitter, Stecktische und Gurte, aber auch sedierende Medikamente genutzt. Über das schwierige Thema der Fixierung sprach Dr. Wilhelmina Hoffmann vom National Competence Center Stockholm. Eigentlich als Schutzmaßnahme für Personen mit starkem Bewegungsdrang oder hohem Risiko des Weglaufens gedacht, haben die Maßnahmen aber bekanntermaßen negative Konsequenzen, berichtete Hoffmann. Neben blauen Flecken, Quetschungen und dem psychischen Stress gehört dazu auch der Muskelabbau.

 

Pflege stärken

»Kein Mensch sollte Zwang unterworfen sein«, sagte die Leiterin der von der schwedischen Königin Silvia gegründeten Stiftung Silviahemmet. In Schweden wurde daher die landesweite Initiative »Vision Zero« gestartet, die als Ziel hat, den Einsatz von Fixierungen auf null zu senken. Hierfür entwickelte Hoffmann mit ihrem Team Richtlinien, schrieb Handbücher und schulte Pflegepersonal. Mit Erfolg: Eine erste Evaluierung in drei Pflegeheimen ergab, dass die Zahl der Fixierungen, vor allem der Einsatz von Gurten, seit Implementierung des Konzepts stark zurückging. »Das ist ein Prozess«, sagte Hoffmann. Bei null sei man noch nicht angekommen. Sie betonte aber, dass das Ziel nicht über Änderungen von Gesetzen, sondern nur über die Stärkung der Pflege erreicht werden könne.

 

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der in Deutschland mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz Anfang dieses Jahres eingeführt wurde, räumt Demenzkranken einen Anspruch auf die gleichen Leistungen ein wie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Monika Kaus, Erste Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, begrüßte diese Neuerung in Berlin grundsätzlich. »Ein riesiges Problem, das das Pflegestärkungsgesetz nicht lösen kann, ist aber der Mangel an Pflegekräften.« Großer Bedarf bestehe etwa bei individuellen Versorgungsangeboten. »Ohne eine bessere Bezahlung und mehr Wertschätzung der Pflegenden wird es nicht gehen«, so Kaus. /

Mehr von Avoxa

защита двигателя хьюндай