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Auslandspraktikum

So funktioniert Apotheke in England

15.09.2015
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Von Jennifer Perlick, Nottingham / Nachdem ich sechs Jahre in Hamburg als Apothekerin tätig war, spürte ich den Wunsch, für ein paar Monate nach England zu gehen. Ich strebte an, dort in einen gewöhnlichen Arbeitsalltag einzutauchen. Ein Erfahrungsbericht nach 16 Wochen in einer öffentlichen Apotheke in Nottingham.

Dank eines Stipendiums eines Berufsbildungsprogrammes konnte ich Miete und Lebenshaltungskosten in Nottingham decken, einen Verdienst hatte ich nicht. Als unbezahlte Praktikantin fand ich mich in der wunderbaren Rolle wieder, lernen und zuschauen zu dürfen und gleichzeitig aufgrund meiner Arbeitserfahrung und meinen Qualifikationen Wissen weitergeben und unterstützen zu können. Übrigens durfte ich erst nach Registrierung beim General Pharmaceutical Council verbunden mit dem Einreichen etlicher Dokumente und einer Gebühr von umgerechnet circa 650 Euro als Apothekerin arbeiten.

 

Verschreibungsbefugnisse für Apotheker möglich

Der Tagesablauf in einer öffentlichen Apotheke in England ist mit dem einer deutschen Offizinapotheke zu vergleichen. Und doch gibt es kleine Unterschiede in Gesetzmäßigkeiten wie Gültigkeit der Rezepte, Ausstattung der Apotheke, Betäubungsmittelverkehr und der Rezeptpflicht. Neben den Ärzten und Zahnärzten können auch Krankenschwestern und Optiker die Qualifikation erlangen, bestimmte Arzneimittel zu verschreiben. Auch Apotheker haben seit 2006 die Möglichkeit, sich in einer sechsmonatigen universitären Weiterbildung zu einem pharmacist independent prescriber oder non-medical prescriber ausbilden zu lassen und damit eigenständig rezeptpflichtige Arzneimittel zu verschreiben. Als supplementary prescriber verordnet der Apotheker nach Übereinkunft mit Arzt und Patient innerhalb eines patientenbezogenen Medikationsplans.

 

Apotheker können in England auch Online-Fortbildungen absolvieren und sich für die Abgabeerlaubnis bestimmter rezeptpflichtiger Arzneimittel ohne ärztliche Verordnung qualifizieren. Gängig ist etwa die Abgabe von Inhalern, die Salbutamol enthalten. Weitere Beispiele sind die Abgabe von PDE-5-Hemmer bei erektiler Dysfunktion oder Mittel zur Malariaprophylaxe. Damit erspart sich der Patient die in England üblicherweise sehr langen Wartezeiten für einen Arzttermin und meist wird etwa ein Salbutamol-Spray zu einem günstigeren Preis angeboten als die Zuzahlungsgebühr.

 

Ein Leben ohne Rabattverträge

 

Wie in Deutschland, ist die Anwesenheit eines Apothekers zu den Öffnungszeiten der Apotheke Pflicht. Zudem muss jede einzelne Packung eines rezeptpflichtigen Arzneimittels vor der Abgabe mit dem Kürzel des Apothekers abgezeichnet und damit freigegeben werden. In England werden patientenbezogene Etiketten erstellt, welche neben den Apotheken- und Patientendaten, auch Warnhinweise, eine Dosierungsanleitung und die Anzahl der Tabletten beinhaltet. Blister dürfen zerschnitten, Firmen und Chargen wild durcheinander getauscht werden, um die benötigte Tablettenanzahl zu erreichen. Die Substitution bei bereits laufender Dauermedikation zwischen Original und Generika oder der Firmenwechsel bei Arzneimitteln mit geringer therapeutischer Breite wird kaum infrage gestellt.

 

Ein weiterer deutlicher Unterschied im Apothekenalltag ist, dass Importe und Rabattverträge fehlen, da es in England keine Krankenkassen wie in Deutschland, sondern den National Health Service gibt. Viele Bürger sind von Zuzahlungen (prescription charge, zurzeit ungefähr zwölf Euro pro Wirkstoff) befreit. Die Bandbreite der Kostenübernahme ist deutlich größer als hierzulande. Der NHS übernimmt auch Dermatika als Pflegeprodukte, glutenfreie Nahrungsmittel bei Unverträglichkeiten und die Verhütungspille.

 

Honorar für Medikationsmanagement

 

Seit 2005 wird in den Apotheken ein Medikationsmanagement zur Verbesserung der Compliance angeboten. Ein Vier-Augen-Gespräch im Beratungsraum beginnt stets mit der Aufforderung an den Patienten, für jedes Arzneimittel das »Wofür«, das »Wie«, und das »Wann« wiederzugeben. Bis zu 400 dieser Medicines Use Reviews und Prescription Interventions jährlich werden mit einer Pauschale für die Apotheken vom NHS abgegolten (zurzeit umgerechnet 38 Euro pro Intervention). Die Hälfte der Patientengespräche müssen sich auf Patientengruppen beziehen, die sogenannte Hoch-Risiko-Medikamente wie NSAID, Antikoa- gulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer oder Diuretika einnehmen, kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen wurden oder bestimmte Arzneimittel im Rahmen der Therapie des Asthma bronchiale oder COPD erhalten.

Seit 2011 gibt es eine weitere Dienstleistung zur Verbesserung der Adhärenz von Patienten mit Asthma, COPD, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Patienten, die Gerinnungshemmer oder Antikoagulanzien einnehmen. Dieser sogenannte New Medicine Service kann Patienten angeboten werden, die mit einem Rezept über eine Erstverordnung erscheinen oder vom Verschreibenden überwiesen werden. Innerhalb der ersten zwei Wochen nach Therapiebeginn sowie nach weiteren drei Wochen führt der Apotheker ein Gespräch mit dem Patienten über sein Zurechtkommen mit der neuen Medikation.

 

Insgesamt hat ein Apotheker in England größere Möglichkeiten, sich im Versorgungsnetz des Gesundheitswesens einzubringen. Dies scheint auch dringend notwendig zu sein, denn im Austausch mit den Patienten wurden die Defizite in der medizinischen Betreuung deutlich. Viele Patienten beklagten sich, dass die Wartezeit auf einen Arzttermin oft Monate betrage, dass es keine freie Arztwahl gäbe und nur selten zu Spezialisten überwiesen werde.

 

Geduldige Kundschaft

 

Bei meinem Aufenthalt in Nottingham war der zwischenmenschliche Umgang mit den Kollegen und den Patienten stets locker und wenig formell. Die Kunden waren äußerst höflich, bedacht, sich nicht vorzudrängeln und geduldig auf ihre Medikamente zu warten – auch wenn dies zwanzig Minuten dauert.

 

Ich wurde mir auch meinen typisch deutschen Eigenschaften bewusst, insbesondere meinem Anspruch an Ordnung und Hygiene. In den ersten Wochen erstellte ich Putzpläne und Listen mit Aufgabenverteilungen. Natürlich wurden diese zu Beginn skeptisch und verhalten beäugt, stießen nach den ersten Versuchen dann aber auf wohlwollende Dankbarkeit.

 

Interessant war es, länderspezifische Unterschiede innerhalb der Arzneimittelgruppen, Leitlinien und Verordnungsgewohnheiten kennenzulernen. Ich war durchaus mehrere Male mit mir unbekannten Arzneistoffen konfrontiert und musste das British National Formulary, ähnlich der Roten Liste in Deutschland, stets griffbereit mitführen. Nicht zuletzt konnte ich mich nur schwer an den enormen Verbrauch an Co-Codamol (Paracetamol mit Codeinphosphat) gewöhnen.

 

Die Zeit in England hat mich sowohl im fachlichen Sinne, als auch in kulturellen Gesichtspunkten immens bereichert und ich habe viele interessante, lehrreiche und auch kuriose Erfahrungen gemacht. /

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