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Urtikaria

Wenn die Haut wie Feuer brennt

02.09.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Eine akute Urtikaria ist leicht zu erkennen, gut zu behandeln und klingt meist spontan wieder ab. Eine chronische Nesselsucht ist dagegen mit einer erheblichen psychischen Belastung und starkem Leidensdruck verbunden, der häufig unterschätzt wird. Darauf will der Welt-Urtikaria-Tag aufmerksam machen, der dieses Jahr erstmals stattfindet.

Initiiert wurde der Welt-Urtikaria-Tag am 1. Oktober vom Urtikaria-Netzwerk, einer deutschen Organisation, die vorwiegend aus Ärzten und Patienten besteht. »Wir wollen ein anderes Bewusstsein für die Erkrankung schaffen«, sagt Privatdozentin Dr. Petra Staubach von der Haut- und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Das Ziel ist, die Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild zu erhöhen, die Patienten­aufklärung zu verbessern und den Pa­tienten die Möglichkeit zu geben, einen qualifizierten Arzt zu finden. »Die Belastung, die mit einer chronischen Urtikaria einhergeht, wird häufig nicht verstanden«, so die Medizinerin. »Wir wollen, dass die Patienten nicht die Einstellung vermittelt bekommen, das sei alles nicht so schlimm, sondern dass sie Hilfe erhalten.«

 

Einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über das Krankheitsbild können auch Apotheker leisten. »Eine hohe Zahl von Betroffenen geht nur in die Apotheke und nicht zum Arzt«, sagt Staubach. Es ist eine Erkrankung jedes Alters und kann jeden treffen. Jeder Vierte leidet im Laufe seines Lebens an einer Urtikaria. Bei der spontanen Urtikaria, dem häufigsten Subtyp, entstehen die Quaddeln spontan. Bei der induzierbaren Urtikaria sind die Triggerfaktoren häufig bekannt wie Kälte, Druck oder Körperkern-Temperaturerhöhungen.

 

Die Erkrankung ist leicht zu erkennen: Charakteristisch sind die stark juckenden Quaddeln, wie sie auch nach der Berührung mit Brennnesseln (Urtica) entstehen, woher die Erkrankung ihren Namen hat. Manchmal kann es auch zu Angioödemen kommen, zum Beispiel an den Augenlidern oder Lippen. Beide Symptome gehen auf die Degranulation von Mastzellen in der Haut zurück. Diese Entzündungszellen setzen auf einen Stimulus hin verschiedene proinflammatorische Mediatoren frei, vor allem Histamin. Letzteres bewirkt eine Erweiterung der Blutgefäße, deren Wände durchlässiger werden. Auf diese Weise können sich begrenzte Wasseransammlungen in der Haut bilden. Findet dieser Prozess in oberen Hautschichten statt, entstehen Quaddeln, in tieferen Schichten Angioödeme. Zusätzlich können die freigesetzten Botenstoffe an Nervenendigungen ansetzen und dort Juckreiz induzieren.

 

Penicillin zu Unrecht verdächtigt

 

Die Reize, die zur Degranulation der Mastzellen führen, sind vielfältig. Neben immunologischen Mechanismen können dies eine Komplementaktivierung, Zytokine, nervale Einflüsse sowie direkte Hinstaminliberatoren oder physikalische Reize sein. »Der häufigste Auslöser einer Urtikaria sind Infektionen«, erklärt Staubach. »Auch solche, die keine Symptome verursachen, zum Beispiel Helicobacter-pylori-Infektionen.« Urtikaria könne aber auch auf HNO-Infekte, entzündete Zähne oder Magen-Darm-Infektionen zurückgehen. Bei der Ursachensuche werde häufig zu Unrecht das Antibiotikum verdächtigt und dabei der eigentliche Auslöser, die Infektion selbst, übersehen. Prinzipiell könne zwar jedes Medikament eine Nesselsucht auslösen, Antibiotika täten dies aber selten, deutlich häufiger dagegen nicht steroidale Antirheumatika wie Diclofenac.

 

Als Auslöser der Quaddelbildung kommen aber auch Autoimmunreak­tionen und Intoleranzen, zum Beispiel gegenüber Farb- oder Konservierungsstoffe in Lebensmitteln oder eine histamin­reiche Kost, infrage. Psychischer Stress wurde als Auslöser von Urtikaria zwar diskutiert, ein Zusammenhang konnte in Studien aber nicht belegt werden, berichtet die Medizinerin. Als Ursache komme er vermutlich nicht infrage, aber er könne eine bestehende Erkrankung verschlechtern. Mögliche allergische Reaktionen sind bei den akuten Fällen auch zu bedenken, sind aber wesentlich seltener als häufig vermutet.

 

In der Regel klingen die Beschwerden nach wenigen Tagen von allein wieder ab. Deshalb wird die akute Form der Urtikaria auch nur symptomatisch behandelt. Zum Einsatz sollten hier Antihistaminika der zweiten Generation kommen, so Staubach. Cortison sollte, wenn überhaupt, nur als Stoßtherapie eingesetzt werden, also hoch dosiert für nicht länger als eine Woche. Bei der akuten Form ist eine aufwendige Ursachensuche und umfangreiche Diagnostik nicht notwendig.

 

Geringe Lebensqualität

 

Halten die Beschwerden länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen Form. Hier muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Die Quaddeln treten kontinuierlich oder in Schüben auf. Auf Dauer können der damit verbundene Juckreiz und die Entstellungen die Lebensqualität stark beeinträchtigen. »Aus Studien wissen wir, dass die Lebensqualität von Patienten mit chronischer Urtikaria der von Menschen mit schweren Herzerkrankungen entspricht«, berichtet Staubach.

 

Auch hier werden Antihistaminika der zweiten Genera­tion eingesetzt, häufig hoch dosiert bis zur vierfachen empfohlenen Tagesdosis. Zudem ist es wichtig, die Ursache zu ermitteln, um sie meiden oder wenn möglich beseitigen zu können. Wenn der Urtikaria zum Beispiel ein Infekt zugrunde liegt, reicht häufig schon eine Antibiotikatherapie aus, um auch die Nesselsucht zum Verschwinden zu bringen. Bei einer Intoleranz gegenüber Nahrungsmittelzusätzen gilt es, diese zu meiden. Seit Anfang März 2014 gibt es für alle Pa­tienten, die trotz hoch dosierter Antihistaminika weiterhin Symptome haben, eine neue Therapieoption. Das Anti-IgE-Präparat Omalizumab, das bereits seit nahezu zehn Jahren in der Asthmatherapie Anwendung findet, wurde jetzt auch für die chronische spontane therapieresistente Urtikaria zugelassen.

 

Insgesamt hat auch die chronische Form der Urtikaria eine gute Prognose, selbst wenn der Auslöser nicht identifiziert werden kann. Sie heilt in der Regel auch ohne Therapie irgendwann von allein ab. »Die Urtikaria kommt spontan und sie geht spontan«, sagt Staubach. »Das macht Mut.« /

Welt-Urtikaria-Tag

Der erste Welt-Urtikaria-Tag findet am 1. Oktober unter dem Motto »Give Urticaria a face« statt. Wer möchte, kann auf der Website ein Foto von sich hochladen und so den Aktionstag unterstützen. Weitere Informationen sind auf der Website des Urtikaria-Netzwerks oder beim Deutschen Allergie- und Asthmabund unter zu erhalten. Interessierte Apotheker können hier auch Materialien bestellen. Zudem soll zum Aktionstag eine neu erarbeitete Patientenleitlinie herausgegeben werden.

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