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Techniker Krankenkasse

Wissenschaftliches Institut feiert Geburtstag

27.08.2007
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Techniker Krankenkasse

Wissenschaftliches Institut feiert Geburtstag

Von Bettina Sauer, Hamburg 

 

Seit einem Jahr ist das WIdO nicht mehr einzigartig. Nach der AOK hat nun auch die Techniker Krankenkasse mit dem WINEG ein wissenschaftliches Institut. Für eine erste Bilanz ist es allerdings noch zu früh.

 

Es gibt viele gut angelegte Studien zum therapeutischen Nutzen von pflanzlichen Arzneimitteln - doch finden sie kaum Eingang in medizinische Leitlinien. Kosten-Nutzen-Bewertungen führen nicht zwangsläufig zu sinkenden Arzneimittelausgaben. Seit Behandlungen der künstlichen Befruchtung nur noch zur Hälfte erstattet werden, hat sich ihre Zahl etwa halbiert ­ wie auch die Rate der daraus resultierenden Geburten. Diese und andere Ergebnisse hat das »Wissenschaftliche Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen« (WINEG) im letzten Jahr ermittelt. Das heißt genauer, in seinem ersten Jahr. Im Sommer 2006 wurde es in Hamburg gegründet.

 

In erster Linie dient es dem Ziel, die Versichertenbeiträge wirtschaftlicher einzusetzen. Und es soll die Leistungen der Techniker Krankenkasse (TK) auf ihren therapeutischen Nutzen hin abklopfen und gegebenenfalls verbessern. »Wenn wir unseren Mitgliedern das Beste bieten wollen, müssen wir bei der Bewertung von Maßnahmen vorne mit dabei sein«, sagte Professor Dr. Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der TK, bei der Jubiläumsfeier vergangene Woche.

 

Die erforderlichen Analysen sollen die derzeit zwölf Mitarbeiter nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien der »evidenzbasierten Medizin« durchführen. Institutsdirektorin Apothekerin Dr. Eva Susanne Dietrich sagte: »Durch unsere Anbindung an eine der größten deutschen Krankenkassen können wir direkt auf die anonymisierten Daten von etwa sechs Millionen Versicherten zurückgreifen.«

 

Je nach Fragestellung ziehen die Wissenschaftler weitere Datenquellen hinzu. Die Studie zur künstlichen Befruchtung etwa stützt sich zusätzlich auf das Deutsche IVF-Register, das alle hierzulande durchgeführten Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung erfasst. Das WINEG führt aber auch Metaanalysen auf der Basis früherer Studien und Leitlinien durch.

 

Für die Phytopharmaka-Studie wurden beispielsweise 132 Studien aus der medizinischen Datenbank »Pubmed« sowie 1050 Leitlinien aus der Datenbank der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) gesichtet. Dietrich sagte: »Unsere Ergebnisse machen wir der Öffentlichkeit durch Kurzberichte auf unserer Homepage, Pressemitteilungen und die Präsentation auf Kongressen bekannt.« Sie möchte aber nicht nur Arzneimittel- und andere Therapien wissenschaftlich bewerten, sondern auch gesundheitspolitische Maßnahmen.

 

Das WINEG ist nicht allein. 1976 gründeten die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ein gemeinsames wissenschaftliches Institut (WIdO), das einen ähnlichen Anspruch für sich erhebt und etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt. 2005 zog die Private Krankenversicherung mit einem weiteren Wissenschaftlichen Institut mit derzeit vier Mitarbeitern nach. Dies sei Teil eines selbst erklärten »gesundheitspolitischen Mandats der Krankenkassen«.

 

Eigene Positionen beziehen

 

Nicht unumstritten schreibt der Rechtwissenschaftler Privatdozent Dr. Felix Welti von der Universität Kiel 2006 in der Fachzeitschrift »Soziale Sicherheit«. »Dürfen Krankenkassen über Gesetzgebung und Gesundheitspolitik informieren, dürfen sie eigene Positionen beziehen, selbst politische Akteure werden?«, fragt er und gibt die Antwort gleich danach: »Die gesetzlichen Grundlagen der Kassen und Kassenverbände sind nur insoweit eindeutig, als die Information von Bevölkerung und Mitgliedern zu ihren Aufgaben gehört. Diese Information kann in der schwer durchschaubaren Gesundheitspolitik und angesichts oft nicht kompetenter Medienberichterstattung einen legitimen Beitrag zur Meinungsbildung leisten.«

 

Genau diese Überlegung hat auch Klusen bei der Gründung des WINEG geleitet, sagte er: »In den letzten Jahren ist das Gesundheitswesen ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Doch beinhaltet diese Informationsflut viel Halbwissen und falsche Fakten. Unser Institut soll Transparenz schaffen und helfen, die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems zu erhalten und zu verbessern.«

 

Keinesfalls solle es dazu dienen, eigenen Forderungen mithilfe wissenschaftlicher Gutachten Nachdruck zu verleihen, betonte er: »Der Vorstand stimmt zwar Themen mit dem WINEG ab oder gibt gelegentlich Fragestellungen vor - aber natürlich keine Ergebnisse. Wir wollen keine Gefälligkeitsgutachten, sonst wäre die Glaubwürdigkeit des Instituts zerstört.«

 

Vielmehr wünschte sich Dietrich, dass sich das WINEG »zu einer Institution entwickelt, die als kompetenter Berater im Gesundheitssystem anerkannt ist und gefragt wird, wann immer es um die Qualität des Gesundheitswesens geht.« Dabei betrachte sie das WINEG keinesfalls als Konkurrenz zu anderen wissenschaftlichen Instituten, sondern als »neuen Impulsgeber und Dialogpartner«.

 

So stellte sie eine Studie vor, die möglicherweise die Arbeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unterstützen kann. Sie beschäftigt sich mit der Effizienz seines britischen Vorbildes, des National Institute for Clinical Excellence (NICE). Dietrich und ihre Kollegen belegten darin, dass bei 20 von 21 Wirkstoffen, für die das NICE eine Negativempfehlung ausgesprochen hatte, weder die Verschreibungen noch die Ausgaben zurückgingen.

 

Die Entscheidungen des NICE seien nicht in ein Gesamtkonzept eingebettet, sagt Dietrich. So würden die Negativempfehlungen den Ärzten nicht über deren Praxissoftware oder in unabhängigen Fortbildungen sofort zugänglich gemacht. Zudem gebe es weder Anreize noch Sanktionen, um der Verschreibung der betreffenden Medikamente entgegenzuwirken. Möglicherweise ließen sich daraus Schlüsse ziehen, um die Empfehlungen des IQWiG in eine angemessene Verordnungspraxis umzusetzen.

 

Dr. Peter Kolominsky-Rabas, Ressortleiter Gesundheitsökonomie des IQWiG, begrüßte die WINEG-Studie direkt bei ihrer Veröffentlichung im vergangenen Juli. »Untersuchungen wie diese sind wichtig, um die wissenschaftliche Diskussion über Kosten-Nutzen-Bewertungen nach vorn zu treiben und ihre Wirkungen auf die tägliche Praxis der Patientenversorgung auf solider Datengrundlage zu bewerten.«

 

Nun muss sich zeigen, ob und wie sich die erwünschten Kooperationen des WINEG mit anderen wissenschaftlichen Instituten im Gesundheitswesen entwickeln und inwiefern seine Analysen und Empfehlungen den Versicherten der TK oder der ganzen Bevölkerung nutzen.

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