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Salzkonsum

Doch nicht so schädlich?

15.08.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein erhöhter Salzkonsum ist anscheinend doch nicht so ungesund wie angenommen. Eine ­Vergleichsstudie mit 18 Ländern zeigt, dass Salz zwar den Blutdruck steigen lässt, aber nicht zwingend das Risiko für kardiovaskuläre ­Ereignisse oder die Mortalität. Demnach scheint eine Salzrestriktion nur in Regionen mit stark erhöhter Zufuhr sinnvoll zu sein.

Salziges Essen erhöht den Blutdruck. Das ist seit mehr als einem Jahrhundert bekannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen untermauert. Experten warnen daher vor einem exzessiven Salzkonsum. Zahlreiche Organisationen, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), europäische und US-amerikanische kardiologische Fachgesellschaften (ESC und AHA) sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), empfehlen eine drastische Reduktion der Kochsalzzufuhr für die Gesamtbevölkerung. 

 

Die tägliche Zufuhr sollte laut WHO nicht mehr als 5 g Natriumchlorid betragen, was 2 g Natrium entspricht. Der DGE zufolge sollte sie sogar darunter liegen, nämlich bei 3,75 g Kochsalz (1,5 g Natrium). Dass eine Restriktion das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse tatsächlich senkt, wurde bislang aber nicht in Studien belegt.

 

Nun werteten Forscher um Dr. Andrew Mente von den Population Health Research Institutes in Hamilton, Kanada, Daten von fast 96 000 Personen aus 369 Gemeinden in 18 Ländern aus, die im Rahmen in der PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology Study) erhoben worden waren. Für jeden Probanden wurde hier anhand eines Urintests einmalig die Natrium- und Kaliumaufnahme ermittelt, außerdem wurden Faktoren wie Größe, Gewicht und Blutdruck erfasst. Die Teilnehmer wurden über durchschnittlich acht Jahre hinsichtlich ihrer kardiovaskulären Gesundheit beobachtet. In diesem Zeitraum starben 3695 Menschen und 3543 hatten schwere kardiovaskuläre Ereignisse. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Fachjournal »The Lancet« nachzulesen (DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31376-X).

 

Hoher Salzkonsum in China

 

Demnach war ein hoher Salzkonsum mit einem geringfügig erhöhten Blutdruck und erhöhtem Schlaganfallrisiko verbunden. Diese Assoziation war aber nur in Gemeinden mit einer sehr hohen durchschnittlichen Salzzufuhr von mehr als 5 g Natrium täglich zu erkennen. Diese Gemeinden befanden sich hauptsächlich in China; in anderen Ländern lag nur in 16 Prozent der Gemeinden ein solch exzessiver Salzkonsum vor, die restlichen 84 Prozent hatten ­einen mittleren Konsum von 3 bis 5 g Natrium täglich. In keiner der untersuchten Gemeinden nahmen die Probanden im Durchschnitt weniger als 3 g Natrium pro Tag zu sich und kamen damit auch nicht in die Nähe der empfohlenen 2 g täglich.

 

Insgesamt sah der Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck wie folgt aus: Im Drittel mit der niedrigsten Salzzufuhr sank das Risiko mit zunehmendem Verzehr, im mittleren Drittel gab es keine Korrelation und im höchsten Drittel bedeutete eine Steigerung der Salzmenge auch einen Anstieg des Risikos. In einer Pressemitteilung des Journals weist Mente da­rauf hin, dass eine solche Kurve für essenzielle Nährstoffe wie Natrium zu erwarten sei.

 

Überraschend war die Beobachtung, dass zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt wie auch zwischen Salzkonsum und Gesamtmortalität eine negative Korrelation bestand: Je mehr Salz konsumiert wurde, desto geringer fielen diese Risiken aus. Besonders deutlich war dies im Drittel mit der niedrigsten Salzzufuhr zu beobachten, berichten die Forscher. Sie folgern aus ihren Ergebnissen, dass eine Kochsalz-Restriktion wohl nur in Regionen mit sehr hohem Salzkonsum sinnvoll ist. In den meisten untersuchten Gemeinden werde Salz nicht in den Mengen konsumiert, die schädliche Effekte haben. Das trifft auch für Deutschland zu: Laut Daten des Bundesministeriums für ­Ernährung und Landwirtschaft nehmen Männer hierzulande im Schnitt 4 g Natrium (10 g Kochsalz) und Frauen 3,4 g Na­trium (8,4 g Kochsalz) pro Tag zu sich.

 

Empfehlungen überholt?

Wie lässt sich das mit der geltenden Empfehlung von täglich maximal 2 g Natrium vereinbaren? Den Autoren zufolge ­basiert diese auf Kurzzeituntersuchungen zum Zusammenhang von Natriumaufnahme und Blutdruck sowie auf der Annahme, dass sich jede Maßnahme zur Blutdrucksenkung positiv auf die Herzgesundheit auswirke, ohne unbeabsichtigte negative Konsequenzen hervorzurufen. Diese Einschätzung muss angesichts der aktuellen Ergebnisse möglicherweise revidiert werden.

 

Um Empfehlungen zu ändern, sei es aber noch zu früh, heißt es in einem Kommentar von Professor Dr. Franz Messerli und Kollegen vom Universitätsspital Bern zu der Publikation (DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31724-0). Schließlich handele es sich bei der Untersuchung um eine Beobachtungsstudie, die nur Zusammenhänge, aber keine Kausalität nachweisen kann. Zudem war die Ermittlung der Natrium­zufuhr nicht ideal, sie wurde nur anhand einer einzelnen morgendlichen Urinmessung vorgenommen. Dennoch seien die Ergebnisse sehr interessant und sollten in randomisierten und kontrollierten Interventionsstudien getestet werden. Messerli und Kollegen verweisen auf eine eigene Analyse, die den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Lebens­erwartung in 182 Ländern untersucht hatte. Das Ergebnis: Die Lebenserwartung erhöhte sich mit steigendem Salzkonsum. Das galt bis zu einer Menge von 10 g Salz am Tag.

 

Die Rolle von Kalium

 

Unstrittiger als die Rolle des Natrium ist die von Kalium: In der Studie von Mente und Kollegen wurde auch die Korrelation zwischen Kaliumaufnahme und Herzinfarkt, Schlag­anfall und Gesamtmortalität untersucht. Unabhängig vom Salzkonsum senkte eine hohe Kaliumaufnahme alle drei Risiken. Der Mineralstoff kommt hauptsächlich in Früchten, Nüssen und Gemüse vor. Auch für dieses Teilergebnis gilt ­jedoch die Einschränkung, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Deshalb sei nicht klar, ob Kalium selbst schützend wirkt oder ob es ein Marker für gesunde Ernährung ist. Messerli merkt in seinem Kommentar an, dass es vermutlich weniger schwierig sei, die Kaliumzufuhr durch eine gesunde Auswahl von Nahrungsmitteln zu steigern, als die Salzaufnahme strikt zu reduzieren. /

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