Infinitemarketing Online
AMK
USA

Anaphylaxien durch rotes Fleisch

07.08.2018
Datenschutz bei der Infinitemarketing

Von Christina Hohmann-Jeddi / Was in Deutschland fast unbekannt ist, führt in den USA häufig zu Anaphylaxien: eine Allergie gegen rotes Fleisch. Obwohl 2009 erstmals beschrieben, ist sie mittlerweile zu einem der wichtigsten Auslöser der schweren allergischen Reaktionen in den USA geworden.

Zugrunde liegt der Allergie eine Sensibilisierung gegen den Zucker Galactose-alpha-1,3-Galactose (α-Gal), der sich auf Proteinen im Fleisch von allen Säugetieren außer Affen und Menschen befindet. Zu der Sensibilisierung kommt es, wenn Menschen von einer bestimmten Zeckenart, der sogenannten Lone-Star-Zecke (Amblyomma americanum) gestochen werden.

Wie genau der Zeckenstich eine Sensibilisierung, also die IgE-Antikörperbildung gegen α-Gal auslöst, ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Entweder wird die Immunreaktion durch normale Speichelbestandteile der Zecke ausgelöst oder durch im Speichel enthaltene Säugetier-α-Gal von einer vorherigen Blutmahlzeit. Da die Lone-Star-Zecke vor allem in den südöstlichen Staaten der USA und Mexiko vorkommt, sind auch dort vergleichsweise viele Menschen von einer Allergie gegen rotes Fleisch betroffen.

 

In Tennessee ist die Fleischallergie inzwischen die häufigste Ursache für Anaphylaxien geworden, wie eine Untersuchung von Dr. Debendra Pattanaik und ihren Kollegen vom University of Tennessee Health Science Center (UTHSC) zeigt, die nun im Fachjournal »Annals of Allergy, Asthma and Immunology« erschien. Die Forscher hatten die Daten von 218 Patienten, die zwischen 2006 und 2016 wegen Anaphylaxie am UTHSC behandelt worden waren, ausgewertet. »33 Prozent der Anaphylaxien waren von α-Gal verursacht«, sagt Pattanaik. Andere Nahrungsmittelallergien zusammen genommen waren der zweithäufigste Grund für Anaphylaxien (28 Prozent). Die restlichen Fälle wurden durch Insektengift (18 Prozent), Sport (6 Prozent), systemische Mastozytose (6 Prozent) und Arzneimittel (4 Prozent) ausgelöst (DOI: 10.1016/j.anai.2018.07.017).

»Bei einer vergleichbaren Analyse, die wir 1993 und dann noch einmal 2006 durchgeführt hatten, gab es viele Fälle mit unidentifizierbarer Ursache«, sagt Pattanaik. Deren Anzahl sank von 59 Prozent im Jahr 2006 auf 35 Prozent in der aktuellen Studie. Der Grund ist vermutlich die deutlich gestiegene Zahl identifizierter Fälle von α-Gal-Allergie, die zum Zeitpunkt der vorherigen Untersuchungen noch gar nicht entdeckt war. Inzwischen sei die Fleisch­allergie allerdings bekannt und es stünden auch gute Testmöglichkeiten zur Verfügung, heißt es in einer Mitteilung des Journals. Zu bedenken sei aber, dass der US-Staat Tennessee eine große Population der Lone-Star-Zecke aufweise, was die hohe Rate an α-Gal-Fällen erklären könne, schreiben die Forscher.

 

Verschiedene Zeckenarten als Auslöser

 

Während in den USA die Lone-Star-­Zecke für die Allergieform verantwortlich ist, sind dies in anderen Ländern Ixodes-Arten. Entsprechende Berichte gibt es aus Australien von Ixodes holocyclus und aus Europa (vor allem Schweden) von Ixodes ricinus, dem Gemeinen Holzbock. Auch in Deutschland, vor allem im Süden, kann es zu einem α-Gal-Syndrom kommen. Wie eine Untersuchung von Forschern um Professor Dr. Tilo Biedermann vom Münchner Klinikum rechts der Isar zeigt, ist eine entsprechende Sensibilisierung bei Waldarbeitern und Jägern sogar recht häufig: 35 Prozent der 300 untersuchten Probanden wiesen IgE-Antikörper gegen α-Gal auf. Das berichteten die Forscher 2017 im Fachjournal »Allergy« (DOI: 10.1111/all.13156). Laut Biedermann sind etwa 100 Fälle der Allergie aus Deutschland bekannt. Das Ausmaß der auftretenden Symptome scheint dem Experten zufolge von der verzehrten Fleischmenge und von der Anzahl der Zeckenstiche abzuhängen – je häufiger man gestochen wurde, desto größer ist das Risiko für eine Fleischallergie. /

Cetuximab-sensibel

Entdeckt wurde die Fleischallergie, als Forscher der University of North Carolina die Ursache für allergische Reaktionen auf den EGFR-Antikörper Cetuximab (Erbitux®) der Firma Bristol-Myers-Squibb untersuchten. Eine Reihe von Patienten reagierte bereits bei der ersten Applikation des Antikörpers allergisch. Die Sensibilisierung musste also schon vorher erfolgt sein. Wie sich zeigte, richtet sich auch diese Reaktion gegen α-Gal, das sich auf dem Antikörper Cetuximab befindet. Die Reaktion tritt allerdings sofort ein, während die Reaktion auf α-Gal in rotem Fleisch verzögert (nach mehreren Stunden) auftritt.

Mehr von Avoxa