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Polypharmazie

Halbzeit für Adam

11.07.2018
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Von Cornelia Dölger und Stephanie Schersch, Berlin / Die Barmer sieht ihr Projekt Adam zur Stärkung der Arzneimittel-­Therapiesicherheit auf dem richtigen Weg. Der Ansatz habe gute Chancen, breiter ausgerollt zu werden, ist sich die Kasse sicher. Ausgerechnet Apotheker sind in das Konzept bislang allerdings nicht eingebunden.

Jeder vierte Über-65-Jährige hat 2016 ein Medikament erhalten, das aufgrund potenzieller Risiken für diese Altersgruppe nicht geeignet ist. Das geht aus dem aktuellen Barmer-Arzneimittelreport hervor, den die Kasse vergangene Woche in Berlin vorstellte. 

 

Zugleich nimmt demnach jeder fünfte Deutsche fünf oder sogar mehr Medikamente gleichzeitig ein, verschrieben meist von verschiedenen Ärzten. Die Gefahren von Fehlmedikation und Wechselwirkungen seien groß, sagte Barmer-Chef Professor Christoph Straub. »Davor müssen wir Patienten besser schützen.«

 

Gemeinsam mit der Kassenärzt­lichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat die Barmer vor eineinhalb Jahren daher ein digitales Projekt ins Leben gerufen, dass Ärzte bei der Verordnung unterstützen und ein Medika­tionsmanagement ermöglichen soll. Ärzte könnten heute kaum noch den Überblick behalten, sagte Straub. So verordne ein Hausarzt im Schnitt 60 Wirkstoffe regelmäßig und weitere 100 zumindest einmal im Jahr. »Das mag man noch für überschaubar halten. Beurteilen müssen Hausärzte jedoch die Gesamtmedikation ihrer Patienten, also auch die von Fachärzten verordneten Arzneimittel.« Unter dem Strich seien 2016 laut Report dabei 1860 verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz gekommen in mehr als 454 000 Kombinationen. Ohne könnten die Ärzte die Risiken dabei einfach nicht immer korrekt einschätzen, so Straub. »Das ist schlichtweg nicht realistisch.«

 

Der Hausarzt koordiniert

 

Auch Studienautor Professor Daniel Grandt verwies auf die Komplexität von Behandlungsprozessen. Die Entwicklung von Sicherheitsmechanismen habe mit den Therapiefortschritten dabei nicht mithalten können. »Arzneitherapie ist heute noch so organisiert wir vor 50 Jahren«, sagte er. Genau das soll das Projekt Adam (Anwendung für digital unterstütztes Arzneimittel­therapie-Management) ändern. Im Zentrum steht dabei der Hausarzt als Koordinator der Versorgung. Er erhält digital eine Übersicht über alle Medikamente, die der Patient bekommt. Dabei fließen auch die Verschreibungen der Fachärzte in das System. Besteht die Gefahr einer Wechselwirkung, erscheint eine Warnung auf dem Bildschirm.

 

Auch die Selbstmedikation soll in das System einfließen. Hier verlässt sich die Barmer auf die Aussagen der Patienten. Die Apotheker leisteten mit ihrer Beratung zwar einen sehr wichtigen Beitrag in der Selbstmedikation, betonte Grandt. »Sie sind die letzte Bastion zwischen Patient und freiverkäuflichem Arzneimittel.« Eine strukturierte Zusammenarbeit mit den Apothekern ist zurzeit dennoch nicht vorgesehen.

 

Grundsätzlich könne es hilfreich sein, wenn Patienten einen Medika­tionsplan führten und diesen auch in der Apotheke vorlegten. Dort könnten dann auch OTC-Präparate dokumentiert werden, so Grandt. Um möglichen Wechselwirkungen vorzubeugen, wird die Medikation des Patienten im Rahmen von Adam grundsätzlich mit Blick auf alle freiverkäuflichen Arzneimittel geprüft. Der Arzt kann dann gezielt auf die potenziell riskanten Präparate ansprechen.

 

Vorerst wird das Projekt auch weiter ohne die Apotheker laufen. »Perspektivisch ist es denkbar, weitere Akteure aus dem Gesundheitswesen mit einzubeziehen«, erklärte eine KVWL-Sprecherin auf Nachfrage. Zum jetzigen Zeitpunkt liege der Fokus aber klar auf den Hausärzten als den koordinierenden Versorgern. »Darüber hinaus gibt es nichts Verbindliches.« Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe zeigte sich offen für eine Zusammenarbeit. Man setzte bei der Arzneimittel-­Therapiesicherheit ausdrücklich auf die interdisziplinäre Kooperation mit den Ärzten, hieß es dort.

 

Höhere Ziele

 

Derzeit nehmen 650 Hausarztpraxen in Westfalen-Lippe an dem Projekt teil, das noch bis Ende 2019 läuft. Unterstützt wird der Vorstoß mit rund 16 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. Barmer-Chef Straub hat allerdings höhere Ziele. »Dieser Ansatz hat Chancen, breit ausgerollt zu werden«, sagte er. Würde das Projekt in die Regelversorgung übernommen, könnten mehr als 20 Millionen Polypharmazie-Patienten davon profitieren. /

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