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Berufspolitische Diskussion

»Marge deckeln? Nicht mit uns!«

01.06.2016
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Von Christina Müller und Sven Siebenand, Meran / Nullretax, Pharmadialog und E-Health-Gesetz: Das Jahr 2016 war bislang turbulent für die Apotheker. Während die ABDA den Schiedsspruch zur Nullretaxation bei Formfehlern begrüßt, stießen die Ergebnisse des Pharmadialogs beim Pharmacon in Meran auf deutlich weniger Zuspruch.

Bei der politischen Diskussionsrunde zeigte sich der DAV-Vorsitzende Fritz Becker mit der vor der Schiedsstelle erreichten Einigung mit dem Spitzenverband der Krankenkassen in Sachen Nullretax zufrieden. »Der gordische Knoten ist jetzt durchschlagen«, sagte Becker. Es gebe bei vielen Punkten nun eine klare Lösung, der beide Seiten zugestimmt haben. Wäre es nicht zu einer Einigung gekommen, hätte der Verlierer, so Beckers Vermutung, geklagt. Dann wäre man unter Umständen wieder vor dem Bundessozialgericht gelandet, welches früher bereits Nullretaxationen gebilligt hatte.

Gewisse Rechtssicherheit

 

»Wir sind nun an einem Punkt angekommen, wo eine gewisse Rechtssicherheit vorliegt«, sagte Becker. Daran könne man sich nun »entlanghangeln«. Der DAV-Vorsitzende betonte, dass es bei einigen Krankenkassen nun noch wichtig sei, den Feinschliff dieser Einigung hinzubekommen. Zudem sei es notwendig, die juristischen Formulierungen in verständliche Regeln für die Praxis umzusetzen. Becker erinnerte daran, dass derzeit noch einige Retaxationen auf Eis liegen, da man zunächst die Ergebnisse der Schiedsstellendiskussion abwarten wollte. Diese Fälle würden nun unter einem neuen Licht betrachtet. Becker zeigte sich zuversichtlich, dass man dafür Lösungen finden wird.

 

War Becker mit den Ergebnissen in Sachen Nullretax zufrieden, so gilt dies nicht für die Ergebnisse des Pharmadialogs. Der Plan der gesundheitspolitischen Sprecher von Union und SPD, bei hochpreisigen Arzneimitteln die Apothekenmarge ab einem bestimmten Betrag zu deckeln, sorgt beim Verbandschef für Empörung. »Ein finanzieller Ausgleich für Hochpreiser kann nur zwischen Krankenkassen und Herstellern geschehen. Wir haben Kosten bei Einkauf und Handling der Arzneimittel – die Marge zu deckeln wird deshalb mit uns nicht möglich sein.«

 

Auch mit Blick auf den Medikationsplan ist Becker nicht bereit, Leistungen ohne Honorar zu erbringen. Ab Oktober sind Ärzte laut E-Health-Gesetz dazu verpflichtet, jedem Patienten, der drei oder mehr Rx-Arzneimittel gleichzeitig einnehmen muss, auf Wunsch einen solchen Plan auszuhändigen. Pflegen dürfen ihn auch die Apotheker – eine Bezahlung ist dafür bislang jedoch nicht vorgesehen. Solange das der Fall ist, will der DAV-Vorsitzende mit angezogener Handbremse arbeiten. »Wenn wir die perfekte Lösung umsonst anbieten, haben wir verloren. Wir sollten auf eine angemessene Vergütung pochen und nicht von Anfang an unser volles Potenzial ausschöpfen.«

 

Überzeugungsarbeit nötig

 

Damit es auch in den Kassen der Apotheker klingelt, sei noch viel Überzeugungsarbeit nötig. Zwar habe er schon viele Politiker und Ärzte auf seine Seite bringen können, so Becker. »Wir ziehen aber weiter von Tür zu Tür, um zu zeigen, was mit diesem Instrument noch alles möglich ist, wenn man uns mit ins Boot holt.« Die Zwischenergebnisse der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) hätten dabei regelmäßig für großes Staunen gesorgt. »Bei ARMIN ist eine ordentliche Bezahlung der Apotheker möglich. Das werden wir auch in der Breite schaffen.«

 

Mit dem E-Health-Gesetz hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auch für neue digitale Versorgungsformen die Tür weit aufgestoßen. Aus der Sicht von ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold müssen die Apotheker jetzt die Chance ergreifen, sich im System neu zu positionieren. »Das E-Health-Gesetz ist erst der Anschub der digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen«, sagte er. Es werde nicht lange dauern, bis auch das sogenannte E-Rezept Einzug in den Versorgungsalltag hält. »Daraus könnten viele Vorteile folgen – etwa ein Abbau der Bürokratie und ein erleichterter Informationsaustausch zwischen den Heilberuflern.« Auch Teilbelieferungen eines Rezepts wären Arnold zufolge möglich. Er warnte jedoch davor, aus Angst vor dem Versandhandel die mögliche Einführung des E-Rezepts zum Anlass zu nehmen, sich verstärkt auf die Logistik zu konzentrieren. Die dänischen Kollegen hätten sich damit keinen Gefallen getan. »In Dänemark versorgen die Apotheken zwar sehr viele Patienten, durch die zusätzlichen Kosten verdienen sie letztlich aber pro Rezept durchschnittlich gerade einmal 2 Euro.«

 

Auch die deutschen Pharmazeuten müssten jetzt umdenken, so Arnold. »Unsere intellektuelle Leistung wird in Zukunft nicht darin liegen, Wissen zu speichern, sondern dieses Wissen unterschiedlichen Patienten mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten zu vermitteln.« Der Placebo-Effekt mache deutlich, welchen Stellenwert der persönliche Kontakt zum Heilberufler für den Erfolg einer Therapie einnehme. Arnold rät daher den Kollegen, verstärkt auf eine empathische pharmazeutische Beratung zu setzen. Das Vertrauen des Patienten zum Apotheker entscheide letztlich über die Zukunft des Berufsstands. »Wir müssen beweisen, dass wir für ein funktionierendes Gesundheitssystem notwendig sind.«

 

Apothekernachwuchs

 

Auch zum Thema Apothekernachwuchs äußerte sich Arnold im Laufe der Diskussion. »Jeder einzelne Apotheker muss Botschafter für den Nachwuchs sein«, so der ABDA-Vizepräsident. Er ermunterte die Kollegen, Schülern über Praktika die Möglichkeit zu geben, in Apotheken hineinzusehen und zu erleben, was dort alles geschieht. Lohnt es sich überhaupt noch für den Nachwuchs, sich mit einer eigenen Apotheke selbstständig zu machen? Becker vertrat die Meinung, dass sichere Rahmenbedingungen für die Honorierung geschaffen werden müssen. Ein großes Manko sei es, dass das Honorar momentan nicht regelmäßig überprüft wird. »Da muss etwas geschehen. Apotheken dürfen nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt sein.« Becker forderte, dass das Honorar daher mindestens alle zwei Jahre neu überprüft wird. Zudem könne auch die Honorierung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen, wie Diabetes-Screening, Impfpass-Check oder Medikationsmanagement, dazu beitragen, sichere Rahmenbedingungen zu schaffen. »Dann macht es auch wieder Spaß, sich selbstständig zu machen«, so Becker.

 

Ähnlich sieht es auch der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer. Auch er begrüßt die Einführung von neuen pharmazeutischen Dienstleistungen. Gleichzeitig stellte er aber die Frage in den Raum, von wem und wie diese zusätzliche Arbeit geleistet werden soll. Die Anzahl an Studienplätzen für das Fach Pharmazie müsse steigen. Zudem sei es erforderlich, vom Staat aus mehr Geld ins System zu pumpen, um diese Dienstleistungen angemessen honorieren zu können. Davon würden dann nicht nur die Apothekeninhaber profitieren, sondern auch die Angestellten. Wird ein nennenswerter Teil des Betriebsergebnisses über neue pharmazeutische Dienstleistungen erwirtschaftet, findet sich das laut Kiefer letztendlich auch in den Tarifverträgen wieder. /

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