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Hypertonie bei Kindern

Die unbekannte Gefahr

17.05.2016
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Von Annette Mende, Berlin / Bluthochdruck entwickelt sich meist erst im Erwachsenenalter, doch auch Kinder und Jugendliche können bereits betroffen sein. Bei ihnen wird die Hypertonie nur selten erkannt. Dabei wären eine Diagnose samt adäquater Behandlung sehr wichtig, um Folgeschäden zu verhindern.

Vorsichtigen Schätzungen zufolge haben etwa 700 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland erhöhte Blutdruckwerte. Die allermeisten von ihnen ahnen davon jedoch nichts: Lediglich 0,5 Prozent der Betroffenen wissen um ihre Erkrankung – ganz anders als bei erwachsenen Hypertonikern, wo vier von fünf Patienten sich ihrer Erkrankung bewusst sind. 

 

Diese Zahlen nannte Dr. Martin Hulpke-Wette, nieder­gelassener Kinderkardiologe aus Göttingen, bei einer Veranstaltung der Deutschen Hochdruckliga in Berlin.

 

»Ein nicht erkannter Bluthochdruck kann bereits in jungen Jahren zu organischen Schäden führen«, sagte Hulpke-Wette. Dazu gehören eine linksventrikuläre Hypertrophie, die einen unabhängigen Risikofaktor für koronare Herzkrankheit, plötzlichen Herztod, Herzinsuffizienz und Schlaganfall darstellt, sowie Gefäßschäden in Augen und Nieren. Die gute Nachricht: Wird der Blutdruck durch Sport und Medikamente gesenkt, sind die Schäden in diesem Alter noch reversibel. »Sie verschwinden nach etwa anderthalb bis zwei Jahren«, informierte Hulpke-Wette.

 

Keine festen Grenzwerte

 

Da Menschen im Wachstum eine sehr heterogene Gruppe sind, gibt es bei ihnen keinen festen Grenzwert für Hyper­tonie. Dieser ist stattdessen abhängig vom Geschlecht, vom Alter und von der Körpergröße. Ganz allgemein steigt der Blutdruck mit zunehmendem Alter an. Mit 13 Jahren haben Jungen und Mädchen sehr ähnliche Blutdruckwerte, danach steigen sie bei Jungen stärker als bei Mädchen.

 

Eine Hypertonie liegt vor, wenn der Blutdruckwert dauerhaft über der 95. Perzentile der jeweiligen Vergleichsgruppe liegt. Das bedeutet, dass 95 von 100 Kindern desselben Alters, Geschlechts und derselben Körpergröße einen niedrigeren Blutdruck haben. Ein hochnormaler Blutdruck ist gegeben bei Werten zwischen der 90. und 95. Perzentile. Ab 140/90 mmHg spricht man im Jugendalter wie auch bei Erwachsenen von einer Hypertonie, obwohl dieser Wert bei besonders großen Jugendlichen noch unterhalb der 95. Perzentile liegen kann.

 

Die Referenzwerte gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) heraus. Sie basieren auf der KiGGS-Studie, bei der in einem für Deutschland repräsentativen Kollektiv allen Teilnehmern im Alter von 3 bis 17 Jahren der Blutdruck nach einem standardisierten Verfahren gemessen wurde. Übergewichtige Kinder wurden aus der Referenzpopulation ausgeschlossen, »damit erhöhter Blutdruck bei übergewichtigen Kindern nicht zunehmend als normal definiert wird«, so das RKI. Gleichwohl gelten die Referenzwerte auch für übergewichtige Kinder.

 

Stichwort Übergewicht: Laut Hulpke-Wette sind überschüssige Kilos schon bei den Kleinen ein wichtiger Risiko­faktor für Hypertonie. 15 Prozent der Patienten seien übergewichtig oder stark übergewichtig; anders herum hätten 40 Prozent der Kinder mit Adipositas oder Übergewicht einen zu hohen Blutdruck. Da viele dieser Kinder häufig zuckerhaltige Softdrinks konsumieren, macht er sich für eine Besteuerung solcher Getränke stark. Energy­drinks, die neben großen Mengen Zucker auch noch viel Blutdruck-erhöhendes Coffein enthalten, sollten aus seiner Sicht generell nicht mehr an Minderjährige verkauft werden.

 

Auch schlanke Kinder können eine Hyper­tonie entwickeln. Diese ist in der Regel genetisch bedingt. Die Symptome wie Kopfschmerz oder auch Konzentrationsschwierigkeiten sind unspezifisch und die Herausforderung besteht darin, diese richtig zu deuten. Medikamente, etwa das bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzte Methylphenidat, können sich ebenfalls auf den Blutdruck auswirken.

 

»In der Fachinformation von Methyl­phenidat heißt es, dass sich mit der Einnahme der Blutdruck häufig um mehr als 10 mmHg diastolisch und systolisch ändert«, sagte Hulpke-Wette. Häufig bedeutet bei 1 bis 10 Prozent der Behandelten. Um herauszufinden, wie oft eine so gravierende Änderung tatsächlich auftritt, machte Hulpke-Wette zusammen mit zwei kinderkardiologischen Kollegen eine Anwendungs­beobachtung bei 103 Kindern mit ADHS. Die Ärzte bestimmten bei den Teilnehmern den Blutdruck vor dem Beginn und unter der Methylphenidat-Therapie jeweils in zwei 24-Stunden-Messungen.

 

Hoher Blutdruck bei ADHS

 

Von den 44 Patienten, die planmäßig Methylphenidat erhielten, zeigten 25 Prozent einen mittleren Blutdruckanstieg um mehr als 10 mmHg; bei 18 Prozent fiel der mittlere Blutdruck um mehr als 10 mmHg gegenüber dem Ausgangswert ab. Insgesamt veränderte sich der Blutdruck somit bei 43 Prozent der untersuchten Kinder durch die Methylphenidat-Therapie um mehr als 10 mmHg – deutlich häufiger als in der Fachinformation angegeben (»The Thoracic and Cardiovascular Surgeon« 2016, DOI: 10.1055/s-0036-1571915).

 

Dieses Resultat ist an sich schon bemerkenswert, doch ein weiteres lässt noch mehr aufhorchen: Von den 81 auswertbaren Patienten hatten 56 Prozent bereits initial prähypertensive oder hyper­tensive Blutdruckwerte. Ein erhöhter Blutdruck war damit in diesem Kollektiv mehr als zehnmal so häufig wie beim Durchschnitt der gleichaltrigen Kinder. »Möglicherweise könnte eine Einstellung des Bluthochdrucks bei einigen dieser Kinder die Konzen­trationsschwierigkeiten beseitigen und die Methylphenidat-Therapie überflüssig machen«, sagte Hulpke-Wette. Er selbst habe in seiner Praxis schon einmal einen Patienten behandelt, bei dem genau dies eingetreten sei. /

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