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Digitalisierung ist kein Selbstzweck

02.05.2018
Datenschutz bei der Infinitemarketing

Die Protagonisten der Digitalisierung haben bei den Gesundheits­berufen einen schweren Stand. Bei einer Podiumsdiskussion während des DAV-Wirtschaftsforum waren sich Apotheker, Ärzte und Krankenkassenvertreter weitgehend einig, dass die Digitalisierung auch aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken ist.

Vor allem bei administrativen Prozessen könne die Digitalisierung eine Rolle spielen. Einig wie selten waren sich auch KBV-Chef Andreas Gassen, DAV-Vize Hans-Peter Hubmann, Miriam Walther von der nationalen Kontaktstelle für Selbsthilfe und TK-Chef ­Thomas Ballast darin, das die Digita­lisierung im Gesundheitswesen nur dann eine Berechtigung hat, wenn sie den Menschen dient. Das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht sei immer die erste Wahl, waren sich die Diskutanten einig: Digitalisierung ist kein Selbstzweck.

 

Ebenfalls war Konsens, dass Digitalisierung nicht den Datenschutz gefährden dürfe. Sensible persönliche Daten müssten grundsätzlich streng geschützt werden. Vor allem in einem so wichtigen Gebiet wie dem Gesundheitswesen. Es müsse selbstverständlich sein, dass der Patient wisse, wo seine Daten liegen und was mit ihnen geschieht. Der Patient müsse dies immer selbst entscheiden dürfen.

Einig waren sich die Diskutanten, dass die Digitalisierung keinesfalls die Beziehung der Heilberufler zu ihren Patienten negativ beeinflussen dürfe. Für Gassen ist auch die freie Arztwahl nicht verhandelbar. Ähnlich sieht es Hubmann für die Apothekerschaft. Die Apotheker könnten das E-Rezept nur dann akzeptieren, wenn Zuweisungen an bestimmte Apotheken verboten sind. Abgesehen von Hubmanns Einschränkung gab es unter den Diskutanten einen klaren Konsens.

 

 

Man war sich einig, dass es ein sinnvolles Instrument sei, sagte Hubmann. Er machte allerdings deutlich, dass dies nur dann stimme, wenn es ein Zuweisungsverbot gebe. Der Patient müsse immer selbst entscheiden können, welche Apotheke er aufsuchen könne. Dies blieb unter den Diskutanten unwidersprochen.

Skeptisch sieht Gassen den Eintritt von großen branchenfremden Unternehmen. »Alexa und Google sind keine Lösung für das Gesundheitssystem«, sagte der KBV-Chef. Ihm missfällt es, dass neue Player mit hohem Aufwand in die Branche drängen – auch mit dem Ziel, von den Verbrauchern und Patienten medizinische Daten zu sammeln.

 

 

Ein guter Schutz persönlicher Daten ist auch für Walther elementar. Leider gingen vor allen junge Menschen mit dem Datenschutz nicht so sorgsam um. Das gelte auch für viele Mitglieder von Selbsthilfegruppen, denen die Kommunikation wichtiger ist als die Datensicherheit. Walther macht sich auch Sorgen um Selbsthilfegruppen, die sich bei Google oder Facebook organisierten. Hier sei nicht nachzuvollziehen, was mit den Daten geschehe.

 

Auch für die Krankenkassen verändert die Digitalisierung das Geschäft. Ballast ist der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen. Er sieht hier neue Chancen für die Kassen. Dazu zählt auch die Elektronische Gesundheits- oder Patientenakte.

 

 

Laut Ballast wird die TK das Projekt angehen. Für die digitalen Herausforderungen hat sich sein Unternehmen mit namhaften externem Dienstleistern verstärkt. Die bekanntesten sind dabei Alphabet, Apple, IBM und Microsoft. Ganz wohl ist dem TK-Chef dabei nicht. Er setzt dennoch auf die US-Konzerne, weil sie einfach die größere Erfahrung in diesem Bereich haben. Die Sicherheit der generierten Daten will Ballast über einen zentralen und gut gesicherten Datenspeicher garantieren.

 

In der Diskussion war es auch offensichtlich, dass Gesundheits-Apps immer größere Bedeutung bekommen. Auch die TK denkt laut Ballast über Apps nach. In Selbsthilfegruppen sind sie laut Walther weit verbreitet und auch Hubmann hält Gesundheits-Apps für nützlich. Als Voraussetzung dafür sprachen sich die Diskutanten für eine Zertifizierung dieser medizinischen Mini­programme aus. Mehrheitlich kamen die Diskutanten zu dem Schluss, dass diese mit Blick auf den Verbraucherschutz unbedingt von einer kompetenten Stelle zertifiziert werden müssten. Eine Option dafür könnte die KBV sein. Gassen schließ dies zwar nicht grundsätzlich aus. Eine Zusage machte der KBV-Chef aber nicht. /

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