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Allergien

Wenn Medikamente die Haut reizen

30.04.2012
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Von Hannelore Gießen, München / Jucken, Flecken, Blasen – unerwünschte Arzneimittelwirkungen zeigen sich häufig an der Haut. Zwar sind die Reaktionen meist harmlos und klingen in der Regel nach Applikationsende von selbst wieder ab, doch einige können auch zu gravierenden Ereignissen bis hin zum Tod führen.

»Über viele Jahrzehnte wurde eine Arzneimittelallergie mit einer Penicillinallergie gleichgesetzt«, sagte Professor Dr. Werner Pichler beim 5. Drug Hypersensitivity Meeting Mitte April in München, initiiert von der European Academy of Allergy and Clinical Immunology. Erst nach und nach wurden Schäden an der Haut oder Leber als induziert von mehreren Arzneimittelgruppen erkannt und seit den 1980er-Jahren habe sich durch enorme Fortschritte in Immunologie, Pharmakologie und Labormedizin ein vertieftes Verständnis von Arzneimittelallergien entwickelt.

Pharmakogenetische Untersuchungen zeigten, dass allergische Reaktionen auf Arzneistoffe wie Carbamazepin, Betalactam-Antibiotika oder HIV-Therapeutika bei Menschen mit bestimmten immunologischen Merkmalen, den sogenannten HLA-Antigenen, gehäuft auftreten. Diese Erkenntnis bezeichnet Pichler als weitaus größten Fortschritt auf dem Gebiet der Arzneimittelallergien in den letzten Jahrzehnten. In der Therapie werde dieses Wissen zum Beispiel bei dem HIV-Therapeutikum Abacavir berücksichtigt, vor dessen Anwendung untersucht werden muss, ob der Patient Träger des HLA-B*5701-Allels ist. Um schwere allergische Reaktionen zu verhindern, werden diese Patienten von einer Therapie mit Abacavir ausgeschlossen.

 

Allergisch oder irritativ?

 

Allergisch oder nicht-allergisch? Das ist vor allem bei Hautreaktionen die große Frage, die mitunter nicht eindeutig beantwortet werden kann. Neben allergischen Reaktionen kommt es häufig auch zu Unverträglichkeitsreaktionen, an denen das spezifische Immunsystem nicht beteiligt ist und bei denen keine Antikörper gebildet werden. Inzwischen werden irritative und allergische Reaktionen auf Arzneimittel unter dem Begriff »Arzneimittel-Hypersensitivität« zusammengefasst.

 

Meist klingen Medikamenten-induzierte Hautreaktionen schnell wieder ab, ob allergisch oder irritativ. In seltenen Fällen kann sich die Situation jedoch verschärfen: Greifen zum Beispiel die Symptome auf die Schleimhäute über, kann sich das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse (TEN) entwickeln, bei der es in Sekundenschnelle zur Ablösung von Hautschichten der gesamten Körperoberfläche kommen kann. Das ist die dramatischste aller Arzneimittelreaktionen, die in 30 Prozent der Fälle tödlich verläuft.

 

Schwierig zu differenzieren

 

Unter allen Arzneimittelallergien ist die Hypersensitivität auf Betalactam-Antibiotika weitaus am häufigsten, wobei zwei Drittel davon auf Amoxicillin zurückzuführen sind. 5 bis 10 Prozent der Patienten, die das Breitspektrumpenicillin einnehmen, entwickeln einen Ausschlag mit roten Flecken und kleinen Knötchen. Dabei können die Symptome bereits eine bis sechs Stunden nach der Einnahme des Medikamentes auftreten, aber auch erst nach mehreren Tagen. Zu beachten ist auch, das Patienten mit einer Hypersensitivität auf Betalactam-Antibiotika ein 17-fach erhöhtes Risiko aufweisen, Hautreaktionen auch auf Fluorchinolone, vor allem Moxifloxacin, in geringerem Umfang auf Ciprofloxacin, zu entwickeln.

 

Wie schwierig eine Differenzierung zwischen irritativen und allergischen Reaktionen auf Amoxicillin sein kann, stellte Professor Jean-Francois Nicolas von der Universität Lyon vor: Er untersuchte Patienten mit schweren Hautreaktionen infolge einer Amoxicillin-Behandlung. Hautbiopsien und Blutuntersuchungen zeigten, dass nur etwa ein Drittel auf eine allergische Reaktion zurückzuführen war, zwei Drittel auf eine nicht-allergische. Im klinischen Bild unterschieden sich die Hautveränderungen nicht oder allenfalls minimal.

 

Arzneimittelallergien nehmen deutlich zu, lautete das Fazit des Kongresses. Kontaktallergien treten ebenfalls immer häufiger auf, und beide weisen eine ähnliche Pathophysiologie auf, sodass sich die Symptome oft überlagern und steigern. Laut Pichler mussten rund 3 Prozent aller zwischen 1975 und 1999 neu eingeführten Medikamente wegen schwerer, häufig allergisch-toxischer Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden. Um die damit verbundenen Risiken für Patienten, aber auch die hohen Kosten zu vermeiden, forderte der Allergologe daher, das Allergiepotenzial einer Substanz schon während der Entwicklung zu untersuchen.  / 

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