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West-Nil-Virus

Bei der Eroberung besonders aggressiv

02.04.2007
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West-Nil-Virus

Bei der Eroberung besonders aggressiv

Von Gudrun Heyn, Berlin

 

Ausgehend von einem einzigen Infektionsherd in New York City hat sich das West-Nil-Virus in den letzten Jahren rasant in Amerika verbreitet. Reisende in die USA und nach Lateinamerika sind gefährdet, sich zu infizieren. Dass Touristen West-Nil-Fieber nach Deutschland importieren, ist für Reisemediziner nur noch eine Frage der Zeit.

 

»Die Ausbreitung des West-Nil-Fiebers auf dem amerikanischen Kontinent ist eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen«, sagte Professor Dr. Tino F. Schwarz vom Juliusspital in Würzburg auf dem 8. Forum Reisen und Gesundheit im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin. Ursprünglich war die Erkrankung mit den grippeähnlichen Symptomen im östlichen Mittelmeerraum, in Arabien, Ostafrika und Teilen von Asien beheimatet.

 

Für die Vereinigten Staaten war das West-Nil-Fieber bis August 1999 ein exotisches Problem. Dann starben im Zoo der Bronx etliche Vögel. Vermutet wurde ein geoterroristischer Anschlag. Doch dieser Gedanke wurde schnell verworfen. Eine Untersuchung identifizierte als Todesursache das West-Nil-Virus, das vor allem durch Stechmücken der Culex-Spezies übertragen wird. Bald darauf erkrankten im Stadtgebiet von New York immer mehr Menschen. Aufgrund des Ausmaßes der Epidemie wurden im Central Park gleich mehrere Open-Air-Konzerte abgesagt. In den Sommermonaten suchten auch dort die Culex-Mücken nach Opfern für ihre nächste Blutmahlzeit. Insbesondere abends und nachts waren die Insekten unterwegs.

 

Mit molekulargenetischen Methoden konnte inzwischen der Ablauf der Ereignisse aufgeklärt werden: Genetisch stimmen die Virusisolate aus New York mit einem Virenstamm überein, der 1998 in Israel aufgetreten war. Da die Bronx das Zentrum der orthodoxen Juden in den USA ist, gehen Wissenschaftler davon aus, dass ein aus Israel importierter Vogel das Virus in seinem Blut mitbrachte. Als dieser von einer Mücke gestochen wurde, begann die rasante Ausbreitung der Erkrankung über den gesamten Kontinent. Inzwischen infizieren sich allein in den USA jedes Jahr rund 800.000 Menschen mit dem West-Nil-Virus, von denen etwa 20 Prozent erkranken.

 

Verbreitung per Luftfracht

 

Zwei Vorlieben haben im Wesentlichen zur massiven Verbreitung des West-Nil-Fiebers beigetragen. So infiziert der zur Familie der Flaviviridae gehörende Erreger hauptsächlich Vögel. Mit ihnen kommt das Virus quasi per Luftfracht von Stadt zu Stadt. Aber auch Hunde und Katzen gelten als Reservoir, in denen sich der Erreger gut vermehrt. Menschen und Pferde sind dagegen nur zufällige Wirte (dead end host).

 

Für die Übertragung des Flavivirus von Wirt zu Wirt sorgen vor allem Insekten, deren Weibchen am liebsten Vogelblut saugen, damit ihre Eier heranreifen können. Über 40 verschiedene Mückenarten sind mittlerweile als Überträger identifiziert. Darunter ist auch die nördliche Hausmücke Culex pipiens, die etwa 200 Vogelarten als Opfer hat.

 

Über die Vogelflugrouten ist das Virus inzwischen bis in den Süden Lateinamerikas gelangt. Es gibt Berichte über West-Nil-Fieber-Infektionen aus Mexiko, Kuba, der Dominikanischen Republik und den Kaiman-Inseln. Im März 2006 erkrankten die ersten Menschen in der Hauptstadt Argentiniens. »Wenn man etwa in Brasilien systematischer herangehen würde, würde man auch dort den Erreger feststellen«, sagte Schwarz. Aber auch im nördlichen Kanada sind bereits erste Patienten an West-Nil-Fieber erkrankt.

 

Andere Übertragungswege

 

Stechmücken sind aber nicht die einzigen Überträger des West-Nil-Fiebers. So verstarben in den USA bereits mehrere Patienten nach einer Bluttransfusion an der Infektion. Als Konsequenz werden heute in den Vereinigten Staaten alle Blutkonserven routinemäßig auf das West-Nil-Virus überprüft. Die Transfusion von virusinaktiviertem Gefrierplasma gilt dagegen als weitgehend sicher. Aufgrund der hohen West-Nil-Infektionsrate in den USA hat man in Deutschland ebenfalls Konsequenzen gezogen. In den ersten vier Wochen nach ihrer Rückkehr dürfen USA-Touristen und Geschäftsreisende kein Blut spenden, um importierte Infektionen bei Schwerstkranken zu vermeiden.

 

Inzwischen gibt es außerdem erste Patientinnen, bei denen das Virus während der Schwangerschaft diaplazentar auf den Fetus übertragen wurde. Bei den Kindern treten konnatale Schädigungen mit Entzündung der Aderhaut (Chorioretinitis) und Enzephalitis auf, bei der es zum Verlust weißer Hirnsubstanz kommt. Die Übertragung findet vor allem im zweiten Trimenon statt. Besonders schwer verlaufen West-Nil-Infektionen, die durch Organtransplantationen ausgelöst werden. Bisher hat dies kein Organempfänger überlebt.

 

Schwere Dauerschäden

 

Wird das West-Nil-Fieber durch tierische Vektoren übertragen, zeigen nur etwa 1 Prozent der betroffenen Menschen klinische Symptome. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 14 Tagen treten abrupt Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien und Müdigkeit auf. Begleitet wird das West-Nil-Fieber zudem von Übelkeit und Erbrechen sowie Exanthemen und geschwollenen Lymphknoten. In der Regel endet die Erkrankung nach drei bis fünf Tagen von allein, doch bei jeder 150. Infektion kommt es in den USA zu neurologischen Komplikationen.

 

Bei diesen dringt das Virus in das Zentralnervensystem ein und verursacht dort besonders bei Kindern und Senioren irreversible Schäden. Es kommt zu Meningitis, Enzephalitis oder einer akuten schlaffen Lähmung. Diese Komplikationen treten ein bis zwei Tage nach Fieberbeginn auf. »Die akute schlaffe Lähmung kann mit unserer klassischen Poliomyelitis verglichen werden, denn sie verläuft sehr ähnlich«, sagte Schwarz. Inzwischen klassifizieren die Amerikaner diese neue Form der polioartigen West-Nil-Infektion als neuroinvasive Erkrankung.

 

Nur bei Patienten mit neurologischen Komplikationen kann die Erkrankung tödlich enden. So starben in den USA 2006 von 4256 West-Nil-Fieber-Erkrankten 169 Menschen. In der alten Welt war diese Aggressivität des West-Nil-Virus und auch sein großes epidemiologisches Potenzial vor 1999 weitgehend unbekannt. Vermutet wird, dass für die Aggressivität bei der Eroberung eines neuen Kontinents neuartige Virenstämme eine Rolle spielen könnten.

 

Repellentien erforderlich

 

Gegen West-Nil-Fieber gibt es bisher noch keine kausale Therapie. Daher werden in der Regel nur die Symptome behandelt. Auch ein Impfstoff gegen das Virus ist nicht verfügbar. Im Gegensatz zum Dengue-Fieber befinden sich jedoch zwei verschiedene Impfstoffe in der klinischen Erprobung. Dabei werden zwei Strategien gegen den nahen Verwandten des Gelbfieber-Erregers und des FSME-Virus verfolgt. Zum einen handelt es sich um einen Totimpfstoff ähnlich der FSME-Vakzine, zum anderen wird das Gelbfieberimpfvirus herangezogen, bei dem das Hüllproteingen des Gelbfiebervirus durch das entsprechende Hüllproteingen des West-Nil-Virus ersetzt wird.

 

Nach wie vor ist jedoch die Prophylaxe gegen Mückenstiche das einzige Mittel, um einer West-Nil-Virus-Infektion zu entgehen. Vor allem in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung empfiehlt es sich, langärmlige, helle Kleidung zu tragen. Außerdem sollten Moskitonetze und Repellentien verwendet werden. Repellentien mit Diethyl-m-toluamid (DEET) in einer Konzentration von 25 bis 30 Prozent gelten derzeit als der beste Schutz. Aber auch Mittel mit dem Wirkstoff Icaridin werden als wirksam angesehen. Sie sollten auf die Haut und auf die Kleidung auftragen werden.

 

Infektionsrisiken in Europa

 

Noch ist kein deutscher Reisender mit West-Nil-Fieber aus dem Urlaub zurückgekehrt. Zukünftig muss aber auch in Deutschland mit importierten Infektionen gerechnet werden, hieß es auf der Tagung. Mehr als drei Millionen Menschen besuchen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) jedes Jahr Nord-, Mittel- und Südamerika. Besonders Outdoor-Touristen sind gefährdet, sich zu infizieren. Für sie ist zum Beispiel in den wärmeren US-Staaten Texas und Louisiana eine ganzjährige Infektionsprophylaxe erforderlich. In den nördlichen Bundesstaaten der USA und Kanada beginnt abhängig vom Wetter ab Mai wieder die West-Nil-Fieber-Saison. Inwieweit sich in Mittel- und Südamerika saisonale Unterschiede bezüglich des Infektionsrisikos ergeben, ist derzeit noch nicht bekannt. »Wahrscheinlich werden wir noch einige Jahre brauchen, um hierzu genaue Angaben machen zu können«, sagte der wissenschaftliche Leiter des CRM, Professor Dr. Erich Kröger.

 

Aber auch in Europa können sich Reisende mit dem West-Nil-Virus infizieren. So gibt es Berichte über Fälle von West-Nil-Fieber aus Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Tschechien. 2005 haben sich erstmals Urlauber an der Algarve in Portugal mit dem Virus angesteckt. Außerdem treten in Südfrankreich immer wieder Infektionen in der Pferdepopulation auf. In Deutschland konnte das West-Nil-Virus bisher jedoch noch nicht nachgewiesen werden.

Informationen im Netz

Über aktuelle Infektionsrisiken weltweit informiert das Centrum für Reisemedizin (CRM) unter: und .

 

Wichtige Informationen zu Repellentien liefern die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention () und die Seite Insektenschutz« ().

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