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Krebsfrüherkennung beim Mann

Gefährliche Zurückhaltung

10.03.2015
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Von Nicole Schuster / Maßnahmen zur frühen Erkennung von Krebserkrankungen können Leben retten. Denn rechtzeitig entdeckt, sind Krankheiten wie Haut-, Prostata- und Darmkrebs oft heilbar. Trotzdem nehmen viele Männer die Angebote der gesetzlichen Krankenversicherung nicht oder zu wenig in Anspruch.

Zum Arzt geht Man(n) oft erst dann, wenn’s zwickt und zwackt. Geht es um Krebs, kann es beim Auftreten der ersten manifesten Symptome bereits zu spät für eine Heilung sein. Umso wichtiger ist die Früherkennung. Ärzte können bösartige Tumoren oft in Stadien entdecken, in denen sie noch keine größeren Schäden angerichtet haben. Eine frühe Diagnose bedeutet zudem häufig, dass der Krebs noch nicht gestreut hat und lokal entfernt werden kann. An vorderster Stelle der Krebserkrankungen bei Männern stehen Tumoren der Prostata, der Lunge und des Darms (Tabelle).

 

Vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als sinnvoll anerkannte Krebsfrüherkennungs­untersuchungen können Versicherte zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Anspruch nehmen (1). Für Männer ist das Angebot überschaubar. Ab 35 Jahren gehören dazu die Früherkennung von Krebs­erkran­kungen der Haut, ab 45 Jahren der Geschlechtsorgane und ab 50 Jahren des End- und des übrigen Dickdarms (1, 2). Die Angebote werden von vielen Männern allerdings nicht genutzt. Nur etwa jeder Vierte suchte 2010 zur Vorsorge seinen Arzt auf. Erklärt wird die geringe Teilnahme damit, dass viele Männer nur im Krankheitsfall zum Arzt gehen, Bedenken haben, die Untersuchung könne unangenehm sein, oder sich schlicht nicht mit schlimmen Krankheiten auseinandersetzen wollen (3).

 

Die Maßnahmen der Krebsfrüherkennung sind Teil des Nationalen Krebsplans (NKP), der 2008 gemeinsam vom Bundesministerium für Gesundheit, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und weiteren Organisationen ins Leben gerufen wurde. Neben Früherkennung beschäftigt sich der NKP auch mit Krebsdiagnostik und -therapie (4).

 

Alles unter der Lupe: Hautkrebs-Screening

 

Eine der wichtigsten Früherkennungsuntersuchungen ist die auf Hautkrebs, das heißt auf malignes Melanom (»schwarzer Hautkrebs«) sowie Basalzellkarzinom und spinozelluläres Karzinom (beide auch »weißer Hautkrebs« genannt). Tumoren der Haut gehören weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen; zudem steigen die Fallzahlen. In Deutschland werden jährlich etwa 250 000 Patienten mit der Diagnose konfrontiert. Bei frühzeitiger Entdeckung ist Hautkrebs oft heilbar.

 

Das sogenannte Hautkrebs-Screening können Versicherte der GKV (Männer und Frauen) alle zwei Jahre kostenlos in Anspruch nehmen. Professor Dr. Eckhard Breitbart, Facharzt für Dermatologie aus Buxtehude, hält dieses Intervall für absolut ausreichend. »Unsere Erfahrung zeigt, dass von häufigeren Untersuchungen kein größerer Nutzen zu erwarten ist – Risikopatienten ausgenommen.« Die Früherkennungsuntersuchung kann der Hausarzt oder ein Dermatologe vornehmen. Ziel ist es, Vorstufen, Frühstadien und Risikofaktoren von Hautkrebs aufzudecken. Tipps zur Vorsorge im Alltag, etwa zum richtigen Umgang mit Sonnenlicht, gehören zum Vorsorgeprogramm.

 

Beim Screening untersucht der Arzt mit einer hellen Lampe die gesamte Haut einschließlich des behaar­ten Kopfes und aller Körperhautfalten wie Leisten, Finger- und Zehenzwischenräume und Unterbrustbereich. Die In­spek­tion des gesamten Körpers mag für manche Menschen unangenehm sein, da sie sich dafür komplett ausziehen müssen und ihre intimsten Stellen in Augenschein genommen werden. »Allgemein ist die Schamhaftigkeit aber eher gering«, sagt der Experte im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Im Gegenteil habe er festgestellt: »Die Haut zeigen die meisten Menschen gerne.« Die Untersuchung der gesamten Haut sei unumgänglich, da Hautkrebs überall am Körper und nicht nur an lichtexponierten Arealen wie Gesicht, Ohren oder Unterarmen entstehen kann.

 

Hat der Arzt den Verdacht, dass eine Hautveränderung bösartig sein könnte, rät er, diese Stelle entfernen oder eine Probebiopsie vornehmen zu lassen. Anschließend berät er je nach histo­logischem Befund.

 

Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass der Mediziner vor dem Griff zum Skalpell auf Wunsch des Patienten eine Abklärungsdiagnostik vornimmt. Dazu begutachtet er die verdächtige Hautveränderung mit dem Auflichtmikroskop. Dadurch kann er die Diagnose sicherer stellen. Die Auflichtmikroskopie ist allerdings nicht Teil des gesetzlichen Hautkrebs-Screenings und wird von der GKV nicht übernommen. Der Patient muss sie als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst zahlen (5).

Tabelle: Krebsneuerkrankungen bei Männern und Frauen im Jahr 2011; aus: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/ZfKD/Aktuelles/weltkrebstag_2015.html

Krebsart Männer Frauen
Brust 610* 69.700
Darm 34.300 28.700
Leukämien 7500 6000
Lunge 35.100 17.600
Magen 9600 6500
Malignes Melanom der Haut 10.200 10.100
Mundhöhle und Rachen 10.000 3490*
Niere 9000 5600
Prostata 64.500
*) nach Angaben des RKI für das Jahr 2010

Zwischen Lebensrettung und Übertherapie

 

Ein Risiko des Hautkrebs-Screenings ist, dass Hautveränderungen fälschlich als verdächtig beurteilt und unnötigerweise entfernt werden. Nach der histolo­gischen Untersuchung stellt sich das entnommene Gewebe als harmlos heraus. Der Patient behält von dem Eingriff eine kleine Narbe und die Erinnerung an möglicherweise angstvolle Tage zurück. Wie oft es zu falsch-positiven Befunden kommt, ist unklar. Im Zweifelsfall muss jeder selbst entscheiden, ob er sich lieber einen Leberfleck zu viel herausschneiden oder ein möglicherweise entartetes Gewebe (vorerst) weiterwachsen lässt (6).

 

Eine weitere Gefahr sind falsch-negative Befunde. Der Patient wiegt sich in Sicherheit, obwohl Hautkrebs vorliegt. Wie oft es in Deutschland zu solchen Fällen kommt, ist unbekannt. Es gibt aber Hinweise, dass eher Nichtdermatologen als Fachärzte entartete Hautstellen übersehen.

Die Früherkennungsuntersuchung sollten vor allem Risikopersonen, also Menschen mit sehr heller Haut, vielen Muttermalen oder häufigen Sonnenbränden wahrnehmen sowie alle, bei denen Hautkrebs bereits selbst oder in der Familie aufgetreten ist. Auch Menschen, die beruflich oder privat viel der Sonne exponiert sind oder oft ins Solarium gehen, sind besonders gefährdet. »Das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Untersuchung ist dank jahrzehntelanger Aufklärung in der Bevölkerung angekommen«, weiß Breitbart und fügt hinzu: »Erstaunlicherweise stimmt hier das Vorurteil vom Früherkennungsmuffel Mann einmal nicht. Beim Hautkrebs-Screening haben wir eine gleich große Beteiligung der Geschlechter festgestellt.«

 

Zusätzlich zur ärztlichen Untersuchung sollte es selbstverständlich sein, die Haut auch selbst im Auge zu behalten und bei Veränderungen von vorhandenen Muttermalen oder neu auftretenden Malen den Arzt aufzusuchen. Zur groben Einschätzung kann die ABCD-Regel dienen. Demnach sollten Male, die asymmetrisch sind (Asymmetrie), unregelmäßige Ränder haben (Begrenzung), farblich uneinheitlich sind (Colour) oder einen Durchmesser über zwei Millimeter haben (Durchmesser), beobachtet und am besten vom Facharzt begutachtet werden (7).

 

Reine Männersache: Untersuchung der Prostata

 

Bösartige Tumoren der Prostata sind die häufigste Krebsart bei Männern und betreffen diese meist in höherem Lebensalter. Zur Risikogruppe gehören Männer, bei denen Prostatakrebs familiär auftritt; zudem scheinen Raucher öfter zu erkranken.

Die Zahl der Neuerkrankungen stieg in den vergangenen Jahren an. 2010 waren es fast 66 000 Fälle, für 2014 gehen Epidemiologen von mehr als 70 000 aus. Bei etwa 13 000 Patienten verläuft die Krankheit tödlich (8). Zu den steigenden Fallzahlen trägt zum einen bei, dass die Bevölkerung immer älter wird – bei Diagnosestellung sind Männer durchschnittlich 69 Jahre alt –, zum anderen aber auch, dass mittlerweile Formen entdeckt werden, die wegen ihres langsamen Verlaufs nie Probleme bereitet hätten.

 

Tückisch ist, dass die Krankheit in frühen Stadien fast immer beschwerdefrei verläuft. Im weiteren Verlauf kann der Tumor über die Prostata hinauswachsen und in Organe wie Samenblasen, Harnblase oder Mastdarm eindringen. In späteren Stadien klagen Männer oft über Knochenschmerzen. »Meta­stasen von Prostatakrebs siedeln sich überwiegend in den Knochen an«, bestätigt Professor Dr. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie und Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Rostock, gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. »In diesem Stadium ist eine Heilung nicht mehr möglich.«

 

Umso wichtiger ist die ärztliche Vorsorge. Die entsprechende Untersuchung können Männer ab 45 Jahren zulasten der GKV in Anspruch nehmen. Oftmals seien es die Frauen, die ihre Männer zum Arzt schicken, berichtet Hakenberg. Scheu vor der digital-rektalen Tastuntersuchung hätten Männer in der Regel aber nicht. Der Urologe schaut sich die äußeren Geschlechtsorgane an und tastet die Prostata durch den Darm ab. Dabei kann er Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen spüren, die auf ein Karzinom hindeuten können. Bei einem verdächtigen Befund rät er in der Regel zur Biop­sie. Dabei wird eine Stanznadel, zum Beispiel vom Enddarm aus, in die Prostata gestochen und Gewebe entnommen (9).

Brustkrebs beim Mann

Brustkrebs gilt gemeinhin als reine Frauenkrankheit und steht hier an erster Stelle der Krebsneuerkrankungen. Selten entwickeln aber auch Männer ein Mammakarzinom. Rund 600 Fälle werden pro Jahr erfasst.

 

Die Erkrankung macht sich bei Männern ebenso bemerkbar wie bei Frauen. Meist tasten sie selbst einen Knoten oder eine Veränderung im Brustgewebe. Als Warnsignal gelten auch Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze, kleine Entzündungen, nicht heilende Wunden oder eine Einziehung der Brusthaut an einer Stelle oder der Brustwarze. Da Männer nicht an Brustkrebs denken, suchen viele erst spät den Arzt auf. Bei der Behandlung orientieren sich Ärzte in der Regel an Therapiekonzepten für Frauen. Die Kenntnisse über Wirksamkeit und Nebenwirkungen speziell beim Mann sind begrenzt. Viele männliche Patienten fühlen sich mit ihrer Krankheit allein gelassen. Hilfe und Information finden sie zum Beispiel beim Netzwerk »Männer mit Brustkrebs« (www.brustkrebs-beim-mann.de).

 

PSA-Test in der Kritik

 

»Tumoren, die bei der Tastuntersuchung entdeckt werden, befinden sich oft schon in fortgeschrittenem Stadium«, erklärt Hakenberg. Sehr kleine oder vom Enddarm abgekehrt wachsende Geschwüre können unbemerkt bleiben. Viele Urologen raten ihren Patien­ten daher zum PSA-Test als individuelle Gesundheitsleistung.

 

Dabei wird der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut bestimmt. PSA ist ein Eiweißstoff, den die Prostata bildet und der bei einer gutartigen Vergrößerung, einer Entzündung, aber auch Krebs der Prostata oder aus anderen Gründen erhöht ist. »Ein erhöhter Wert bedeutet nicht zwangsläufig Krebs«, so der Experte. »Das Ergebnis zeigt an, dass ein Krebs vorliegen könnte und erfordert den Ausschluss anderer Ursachen und dann gegebenenfalls eine Gewebeprobe.« Wichtig sei, dass der Test nach einigen Wochen wiederholt wird.

 

Bei bestätigter Erhöhung des PSA-Werts kann der Arzt einen transrek­talen Ultraschall (TRUS) anschließen. In jedem Fall sollte er zur endgültigen Abklärung eine Gewebeprobe entnehmen. Ein Karzinom der Prostata wird bei etwa einem Viertel der Patienten gefunden, die die – auch nicht risikofreie – Biopsie vornehmen lassen.

 

Das Ziel des PSA-Tests ist es, einen Tumor frühzeitig aufzudecken und damit bösartige Verläufe zu verhindern. Die Patienten gehen dabei das Risiko ein, dass auch Formen von Prostatakrebs entdeckt werden, die sich ansonsten nie bemerkbar gemacht hätten. Die Diagnose löst jedoch in aller Regel Ängste aus und zieht unter Umstän­den eine die Lebensqualität verringernde, aber eigentlich nicht erforder­liche Therapie nach sich (10).

 

Hakenberg betont daher, dass nicht jeder nachgewiesene Krebs operiert oder anderweitig behandelt werden müsse. »Je nach Abwägung reicht unter Umständen auch die sogenannte aktive Überwachung.« Insgesamt überwiege der Nutzen der für bestimmte Männer lebensrettenden Früherkennungsuntersuchung. »Der PSA-Test wird zu Unrecht verteufelt. Er ist für uns bislang die einzige Möglichkeit, Prostatakrebs in einem wirklich frühen Stadium zu entdecken.« Der PSA-Test werde weltweit von allen urologischen Fachgesellschaften empfohlen.

 

Koloskopie: unangenehm, aber effektiv

 

Als Darmkrebs werden Karzinome des Dickdarms, Enddarms und Darmausgangs bezeichnet. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist er eine der häufigs­ten Krebserkrankungen in Deutschland. 2010 erkrankten mehr als 62 000 Menschen neu; etwa 26 000 Patienten sterben an Darmkrebs (11). Bei frühzeitiger Entdeckung ist dieser sehr oft heilbar. Entsprechend wichtig ist die Vorsorge (Kasten).

Die GKV bezahlt ihren Mitgliedern beiderlei Geschlechts ab dem Alter von 50 Jahren jährlich eine Untersuchung auf verborgenes Blut im Stuhl. Ab dem 56. Lebensjahr können Patienten zwischen einer Stuhluntersuchung alle zwei Jahre oder Früherkennungs-Darmspiegelungen (Koloskopien) alle zehn Jahre wählen. Die Stuhluntersuchung erfolgt in Deutschland mit dem Guajak-Verfahren (»Löschblatt-Test«). Dafür benötigt der Arzt drei Stuhlproben des Patienten und gibt kleine Mengen davon auf Felder des Test­streifens. Ist Blut im Stuhl vorhanden, färbt sich das Testfeld nach Zugabe einer Entwicklungslösung blau. Von 1000 Stuhlproben erweisen sich etwa 30 als auffällig. Bei der anschließenden abklärenden Koloskopie diagnostizieren Ärzte bei 15 der 30 Patienten ein Karzinom oder Vorstufen (12).

 

Bei der Koloskopie führt der Arzt einen dünnen Kunststoffschlauch (Endoskop) in den Darmausgang des sedierten Patienten ein. Eine gute Darmreinigung vorausgesetzt, kann er den gesamten Dickdarm begutachten und Poly­pen mit einer Zange oder einer Schlinge sofort entfernen. Auffällig­keiten finden Ärzte bei etwa jeder vierten Koloskopie, die als Früherkennungs­untersuchung durch­geführt wird. Etwa 5 Prozent der Tumoren bleiben unentdeckt.

 

Unumstritten ist, dass die Früh­erkennung die Sterblichkeit senken kann. In den ersten zehn Jahren seit der Einführung 2002 wurden bei Darmspiegelungen 180 000 Krebsvorstufen und 40 000 Karzinome im Frühstadium entdeckt.

 

Eine Auswertung der laufenden DACHS-Studie (Darmkrebs: Chancen der Verhütung durch Screening) zeigt zudem, dass die Teilnehmer auch noch zehn Jahre nach einer Vorsorge­koloskopie ein um etwa 90 Prozent niedri­geres Darmkrebsrisiko haben als Ver­gleichs­personen, die an der Früh­erkennung nicht teilgenommen haben. Wird bei einem der Teilnehmer Krebs festgestellt, ist seine Überlebensrate zudem höher als bei Verweigerern der Maßnahme (13).

 

Viele Menschen scheuen die Koloskopie aus Angst oder Scham. Jedoch treten nur in etwa 0,3 Prozent der Fälle Komplikationen auf, wobei Blutungen und Verletzungen der Darmschleimhaut am häufigsten sind. Ein weiterer Hinderungsgrund kann die erforder­liche vollständige Darmentleerung mit Laxanzien sein – eine Prozedur, die aufwen­dig und unangenehm zugleich ist (12).

Darmkrebsmonat März: Über das Tabu sprechen

Gemeinsam mit den Partnern Deutsche Krebshilfe, Deutsche Krebsgesellschaft, Gastro-Liga, Stiftung LebensBlicke und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung rief die Felix Burda Stiftung 2002 den ersten nationalen Darmkrebsmonat März in Deutschland aus. Dieses Jahr organisiert sie ihn bereits zum 14. Mal.

 

Das Motto lautet wie in den Vorjahren: »Aus Liebe zur Vorsorge«. Damit will die Stiftung die meist eher an Früherkennungsuntersuchungen interessierten Frauen dazu anre­gen, ihre Partner ebenfalls zur Teilnahme zu motivieren. Zahlreiche Veranstaltungen in Kliniken, Arztpraxen und öffentlichen Einrichtungen sowie Anzeigen und Spots in TV und Radio werben für die Untersuchung. »Allein über 350 öffentliche Aktionen finden deutschlandweit im Darmkrebsmonat März statt. Ungezählt bleiben die zahlreichen betrieblichen Aktionen zur Darmkrebsvorsorge«, berichtet Carsten Frederik Buchert, Director Marketing & Communications der Felix Burda Stiftung in München, gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Auch viele Apotheken beteiligen sich an der Aufklärungsaktion.

 

Wie wichtig es ist, der oft tödlich verlaufenden Krankheit einen ganzen Monat zu widmen, haben auch andere Länder erkannt. Vorreiter waren die USA; seit 2008 gibt es den Aktionsmonat März in ganz Europa.

Früherkennung als Selbstzahlerleistung

 

Über die von der GKV als medizinisch notwendig anerkannten Früherkennungsuntersuchungen hinaus bieten viele Ärzte ihren Patienten weitere Verfahren an, die zu den individuellen Gesund­heits­leistungen (IGeL) zählen. Diese sind häufig umstritten, wie auch die IGeL-Auswertung vom Februar 2015 zeigt (www.igel-monitor.de). Beispielsweise erhält der NMP22-Test zur Früherkennung von Harnblasenkrebs ein eher schlechtes Zeugnis. Es komme gehäuft zu Fehlalarmen, während richtiger Krebs übersehen werden könne. An Harnblasenkrebs sterben jährlich knapp 6000 Menschen, zwei Drittel davon Männer. Der IgeL-Monitor beurteilt auch den PSA-Test als »tendenziell negativ«. Es gebe zwar Hinweise auf einen Nutzen, doch sei die Studienlage insgesamt widersprüchlich.

 

Da der Nutzen dieser Maßnahmen wie in den geschilderten Beispielen oft nicht eindeutig bestätigt oder nicht ausreichend erforscht ist, die Maßnahmen als medizinisch nicht notwendig oder unwirtschaftlich betrachtet werden oder sogar eine Gefahr davon ausgehen kann, gehören sie nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der GKV.

 

Für den Mann gibt es als IGeL zur Krebsfrüherkennung unter anderem die beschriebenen Maßnahmen Dermatoskopie, PSA-Test sowie den transrektalen Ultraschall. Ferner bieten Urologen auch eine Urinuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs an, bei der als Marker PCa3-mRNA, also mRNA zu dem prostataspezifischen Gen Prostate Cancer Gene 3, verwendet wird. Die Methode ist noch recht neu und nicht abschließend bewertet (14). Eine weitere IGeL ist die große Krebsfrüherkennung. Diese umfasst neben einer körperlichen Untersuchung auch einen Ultraschall von Niere, Blase und Prostata sowie Urin- und Blutanalysen. Ein Nutzen ist wissenschaftlich nicht erwiesen (15). /

Die Autorin

Nicole Schuster studierte zwei Semester Medizin in Bonn, dann Pharmazie und Germanistik in Bonn und später in Düsseldorf. Während ihres Studiums machte sie Praktika bei verschiedenen wissenschaft­lichen Verlagen. Nach dem zweiten Staatsexamen und der Approbation 2010 absolvierte Schuster ein Aufbaustudium in Geschichte der Pharmazie in Marburg und arbeitet seitdem an ihrer Dissertation zu traditionellen pflanzlichen Heilmitteln.

 

Nicole Schuster

Zimmererstraße 9

92318 Neumarkt

E-Mail: [email protected]

Literatur:

  1. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie/KFE-RL), zuletzt geändert am 24. Juli 2014, veröffentlicht im Bundesanzeiger AT 31.12.2014 B4, in Kraft getreten am 1. Januar 2015. https://www.g-ba.de/downloads/62-492-950/KFE-RL_2014-07-24, Zugriff am 25.02.2015.
  2. Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.), Früherkennung von Krebs. www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/dateien/Downloads/F/Frueherkennung_und_Vorsorgeleistungen_der_GKV/Krebs_Vorsorge-_und_Frueherkennungsleistungen, Zugriff am 25.02.2015.
  3. Krebsvorsorge: Nur jeder vierte Mann geht hin. Pharm. Ztg., Online-Meldung vom 21.06.2011. www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=38310, Zugriff am 25.02.2015.
  4. Bundesministerium für Gesundheit: Nationaler Krebsplan. Der Nationale Krebsplan stellt sich vor. www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/nationaler-krebsplan/der-nationale-krebsplan-stellt-sich-vor.html, Zugriff am 25.02.2015.
  5. Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V., Fragen und Antworten für Versicherte. www.hautkrebs-screening.de/allgemein/service/fragen_versicherte.php, Zugriff am 25.02.2015.
  6. Deutsche Krebshilfe e.V., Früherkennungsfaltblatt. Hautkrebs erkennen. Informieren. Nachdenken. Entscheiden. Stand 12/2014. www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Praeventionsfaltblaetter/427-KFU_Hautkrebs, Zugriff am 25.02.2015.
  7. Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V., Selbstuntersuchung. www.hautkrebs-screening.de/allgemein/praevention/selbstuntersuchung.php, Zugriff am 25.02.2015.
  8. Deutsche Krebshilfe e.V., Prostatakarzinom. www.krebshilfe.de/wir-informieren/ueber-krebs/haeufige-krebsarten/prostatakrebs.html, Zugriff am 25.02.2015.
  9. DKFZ Krebsinformationsdienst, Prostatakrebs - Diagnostik: Was tun bei Krebsverdacht? www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/diagnostik.php, Zugriff am 25.02.2015.
  10. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Aktualisiert am 28. Januar 2015, https://www.gesundheitsinformation.de/der-psa-test-zur-fruherkennung-von-prostatakrebs.2066.de.html?part=frueherkennung-sy, Zugriff am 25.02.2015.
  11. Robert Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD), Darmkrebs, Stand 13.12.2013. www.rki.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html, Zugriff am 25.02.2015.
  12. Deutsche Krebshilfe e.V., Früherkennungsfaltblatt. Darmkrebs erkennen. Informieren. Nachdenken. Entscheiden. Stand 03/2010. www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Praeventionsfaltblaetter/429-KFU_Darmkrebs, Zugriff am 25.02.2015.
  13. Felix Burda Stiftung: Darmkrebsmonat März 2015. www.felix-burda-stiftung.deeportal/felix-burda-stiftung/kommunikationsthemen-2015/index.php?, Zugriff am 1. 3. 2015.
  14. Universitätsklinikum Heidelberg, Urologische Klinik, PCa3 – Ein neuer Marker des Prostatakarzinoms. https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Ein-neuer-Marker-des-Prostatakarzinoms.111326.0.html, Zugriff am 25.02.2015.
  15. Die wichtigsten IGeL-Vorsorgeuntersuchungen, apotheken.de, DAN Netzwerk Deutscher Apotheker GmbH. www.apotheken.de/gesundheit-heute-news/article/die-wichtigsten-igel-vorsorgeuntersuchungen/#indexjump5, Zugriff am 25.02.2015.

Weitere Literatur bei der Verfasserin 

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