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Vier neue Wirkstoffe im Februar

04.03.2014
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Von Brigitte M. Gensthaler, Kerstin A. Gräfe und Sven Siebenand /  Auch der Februar kann einen starken Zuwachs an neuen Arzneistoffen verzeichnen. Die vier Neulinge Dolutegravir, Levosimendan, Macitentan und Sofosbuvir decken die Indikationsspektren HIV, schwere Herzinsuffizienz, Lungenhochdruck und Hepatitis C ab.

Mit Dolutegravir ist seit Mitte Februar nach Elvitegravir und Raltegravir in Deutschland der dritte Integrase-Hemmstoff zur Anti-HIV-Therapie auf dem Markt.

 

Dolutegravir

 

Dolutegravir (Tivicay® 50 mg Filmtabletten, ViiV Healthcare) ist indiziert zur Behandlung der HIV-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Der Integrase-Hemmer wird wie üblich in der Anti-HIV-Therapie stets mit anderen antiretroviralen Arzneistoffen kombiniert.

Der Arzneistoff bindet an das aktive Zentrum der HI-Virus-Integrase und hemmt das Enzym. In der Folge unterbleiben der für den Replikationszyklus des Virus essenzielle Strangtransfer und die Integration der transkripierten viralen Erbinformation.

 

Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg pro Tag. Patienten, bei denen die HI- Viren vermutlich oder nachgewiesenermaßen resistent gegen Integrase-Inhibitoren sind, nehmen zweimal täglich eine Tablette. Das gilt auch bei gleich­zeitiger Einnahme von Arzneistoffen wie Efavirenz, Nevirapin, Tipranavir/ Ritonavir oder Rifampicin, da diese Stoffe die Wirkspiegel von Dolutegravir zum Teil erheblich reduzieren können. Bei Patienten mit Integrase-Inhibitor-Resistenz sollten diese Kombinationen ganz vermieden werden. Das neue Medikament kann unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen werden. Bei Vorliegen einer Integrase-Inhibitor-Resistenz wird allerdings die Einnahme mit einer Mahlzeit empfohlen, um die Exposition zu erhöhen.

 

Dolutegravir wurden in mehreren klinischen Studien getestet. In der Phase-III-Studie SINGLE mit 833 nicht vorbehandelten Patienten war Dolutegravir (50 mg einmal täglich) plus Abacavir/Lamivudin (Kivexa®) signifikant wirksamer als einmal täglich die Fixkombination von Efavirenz/Tenofovir/Emtricitabin (Atripla®). Nach 48 Wochen war das Virus bei 88 beziehungsweise 81 Prozent der Patienten nicht mehr nachweisbar (HIV-1-RNA unter 50 Kopien/ml). Zudem fiel die Viruslast im Dolutegravir-Arm deutlich schneller ab und die CD4-Zellzahlen stiegen deutlich stärker an.

In der SPRING-2-Studie erhielten 822 nicht vorbehandelte Patienten entweder einmal täglich 50 mg des neuen Integrase-Hemmers oder zweimal täglich 400 mg Raltegravir, jeweils in Kombination mit zwei nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren. Die Therapien waren vergleichbar gut wirksam: Die Viruslast sank bei 88 und 85 Prozent der Patienten unter die Nachweisgrenze.

In der SAILING-Studie mit 719 vorbehandelten HIV-Patienten (ohne Integrase-Hemmer) war Dolutegravir wirksamer als Raltegravir. Nach 48 Wochen erreichten 71 Prozent eine Virussuppression unter die Nachweisgrenze (versus 64 Prozent). Geprüft wurde das neue Medikament auch bei Patienten, bei denen eine frühere Therapie mit einem Integrase-Hemmer versagt hatte und eine Resistenz gegen Raltegravir und/oder Elvitegravir vorlag. In der offenen VIKING-3-Studie erhielten 183 Patienten Dolutegravir zweimal täglich zusätzlich zu einer optimierten antiretroviralen Therapie. Das virologische Ansprechen hing vom Mutationsmuster der Integrase ab und sank deutlich, wenn das Enzym unter anderem die Q148-Mutation aufwies. Nach 24 Wochen war die Viruslast bei 69 Prozent der Patienten nicht nachweisbar.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen (14 bis 16 Prozent) waren Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen. Andere Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen und anormale Träume, Schwindel, Hautausschlag, Juckreiz und Abgeschlagenheit traten häufig auf. Die schwerste Nebenwirkung, die bei einem einzigen Patienten auftrat, war eine Überempfindlichkeitsreaktion mit Hautausschlag und schwerer Leberbeteiligung.

 

Dolutegravir wird hauptsächlich durch Glucuronidierung über UGT1A1 und gering über CYP3A-Enzyme verstoffwechselt. Die terminale Halbwertszeit liegt bei 14 Stunden. Arzneimittel, die diese Enzyme induzieren, können die Dolutegravir-Plasmakonzentration senken. Insgesamt ist das Interaktionspotenzial aber relativ gering. Die gleichzeitige Anwendung von Dofetilid (in Deutschland nicht auf dem Markt) ist kontraindiziert, da die Konzentration des Antiarrhythmikums massiv ansteigen und lebensbedrohlich sein kann.

 

Dolutegravir kann die Metforminkonzentration erhöhen. Daher sollten betroffene Patienten während der Therapie überwacht werden und gegebenenfalls die Metformin-Dosis angepasst werden. Apotheker sollten Patienten darauf hinweisen, dass Magnesium- und Aluminium-haltige Antazida die Resorp­tion von Dolutegravir deutlich vermindern. Komplexe entstehen auch mit Calcium oder Eisen. Patienten sollten solche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel und Multivitaminpräparate daher in großem zeitlichem Abstand zu Dolutegravir einnehmen; das bedeutet mindestens zwei Stunden danach oder sechs Stunden davor. Eine Dosisanpassung von oralen Kontrazeptiva ist bei gleichzeitiger Einnahme des Integrase-Hemmers nicht erforderlich.

 

 vorläufige Bewertung: Analogpräparat 



Levosimendan

 

Seit Februar ist mit Levosimendan (Simdax® 2,5 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Orion Pharma) ein neuer Arzneistoff zur Behandlung von schwerer Herz­insuffizienz auf dem Markt. Indiziert ist der Calciumsensitizer zur Kurzzeit- Behandlung bei akut dekompensierter schwerer chronischer Herzinsuffizienz, wenn eine konventionelle Therapie nicht ausreichend ist und Inotropika zur Behandlung als geeignet erachtet werden. In anderen europäischen Ländern ist der Arzneistoff bereits seit Längerem auf dem Markt; den Anfang machte Schweden im Jahr 2000.

Bei der dekompensierten schweren Herzinsuffizienz mit geringer Aus­wurfleistung kommt es auf eine möglichst schnelle Verbesserung der Hämodynamik an. Bisher erhielten die Betroffenen in dieser kritischen Situation vor allem das β-Sympatho­mimetikum Dobutamin oder Phosphodiesterase-Hemmer. Beide Substanzklassen erhöhen die Ca2+-Konzentration in den Herzmuskelzellen und steigern so die Kontraktilität des Myokards. 

Hierbei kann es jedoch zu lebensgefährlichen Arrhythmien kommen, die potenziell die Mortalität erhöhen. Levosimendan setzt laut Hersteller an einem anderen Punkt an: Der Calciumsensitizer erhöht die Ca2+-Sensitivität der Herzmuskelzelle, ohne jedoch die intrazellulären Ca2+-Spiegel wesentlich zu beein­flussen.

 

Levosimendan bindet an Troponin C, ein Calcium-abhängiges Protein, das eine wesentliche Rolle bei der Kontraktion und Relaxation des Herzmuskels spielt. Durch die Bindung wird die Affinität von Troponin C für Calcium erhöht, woraus eine gesteigerte Kontraktionskraft der Herzmuskelzelle resultiert. Da die Bindung zwischen Levosimendan und Troponin C nur bei ansteigenden Ca2+-Spiegeln, wie sie physiologisch während der Systole auftreten, zustande kommt, wird die diastolische Relaxation durch Levosimendan nicht beeinflusst. Zudem bewirkt der Calciumsensitizer über eine Öffnung von ATP-sensitiven Kaliumkanälen in der glatten Gefäßmuskulatur eine Vasodilatation, die zu einer Senkung von Vor- und Nachlast beitragen kann.

 

Simdax darf nur im Krankenhaus angewendet werden. Dosis und Behandlungsdauer sollten individuell entsprechend dem Zustand und dem Ansprechen des Patienten abgestimmt werden. Empfohlen wird eine Initial­dosis von 6 bis 12 µg/kg, die über einen Zeitraum von zehn Minuten infundiert werden sollte, gefolgt von einer kontinuierlichen Gabe von 0,1 µg/kg/min. Die empfohlene Infusionsdauer beträgt 24 Stunden. Während der Behandlung müssen der Patient EKG-überwacht sowie Herzfrequenz, Blutdruck und Urinausscheidung kontrolliert werden. Diese Parameter sollten bis drei Tage nach der Infusion überprüft werden oder so lange, bis der Patient klinisch stabil ist. Eine nicht invasive Überwachung wird für mindestens vier bis fünf Tage empfohlen.

 

Kontraindiziert ist Levosimendan bei Patienten mit schwerer Nierenfunktions- und Leberfunktionsstörung sowie mit schwerer Hypotonie und Tachykardie. Gleiches gilt für Patienten mit mechanischen Behinderungen, die die ventrikuläre Füllung, den ventrikulären Ausstrom oder beides beeinflussen sowie für solche mit Torsades de Pointes in der Anamnese. Nicht angewendet werden darf der neue Arzneistoff ferner bei Kindern und Jugend­lichen unter 18 Jahren.

 

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit niedrigem systolischem oder dia­stolischem Ausgangsblutdruck, da ein initial hämodynamischer Effekt von Levosimendan ein Blutdruckabfall sein kann. Eine schwere Hypovolämie sollte vor Behandlungsbeginn korrigiert werden. Gleiches gilt für niedrige Serum-Kaliumspiegel. Bei Patienten mit leichter bis mäßiger Beeinträchtigung der Nieren- oder Leberfunktion sollte Simdax nur mit Vorsicht gegeben werden. Wie bei anderen Arzneimitteln zur Behandlung einer Herzinsuffizienz kann eine Verringerung von Hämoglobin und Hämatokrit auftreten. Vorsicht ist daher bei Pa­tienten mit ischämischer Herzkrankheit und begleitender Anämie geboten. Ebenso sollte die Infusion auch bei Patienten mit Tachykardie, Vorhofflimmern mit rascher ventrikulärer Überleitung oder potenziell lebensbedrohlichen Arrhythmien, koronarer Ischämie oder verlängertem QTc-Intervall nur mit Vorsicht gegeben werden. Die Anwendung bei kardiogenem Schock wurde nicht untersucht.

 

Da potenziell das Risiko einer Hypotonie besteht, sollte die gleichzeitige Anwendung mit anderen intravenös zu verabreichenden vasoaktiven Substanzen mit Vorsicht erfolgen. Die gleichzeitige Gabe von Isosorbidmononitrat und Levosimendan verstärkte bei gesunden Probanden signifikant die orthostatische hypotensive Wirkung. Keine Wechselwirkungen wurden bei der gleichzeitigen Gabe von Digoxin beobachtet. Simdax kann bei Patienten, die mit Betablockern behandelt werden, ohne Wirkverlust eingesetzt werden.

 

Die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Verhütungsmethode verwenden, wird nicht empfohlen. Da ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden kann, sollte Levosimendan während der Stillzeit nicht angewendet werden.

 

Levosimendan wurde in klinischen Studien bei mehr als 2800 Patienten mit Herzinsuffizienz untersucht. In der LIDO-Studie (Levosimendan Infusion versus DObutamin) wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Levosimendan mit Dobutamin bei 203 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und geringer Auswurfleistung verglichen. Das primäre Studienziel bestand darin, die hämodynamische Verbesserung in den 24 Stunden nach der Behandlung zu beurteilen. Die hämodynamische Verbesserung wurde definiert als mindestens 30-prozentige Zunahme der kardialen Auswurfleistung und mindestens 25-prozentige Abnahme des Lungen­kapillardrucks. Das sekundäre Ziel bestand in der Beurteilung der 31-Tage-Mortalität. Nach 24 Stunden war bei 28 Prozent der mit Levosimendan behandelten Patienten eine hämodynamische Verbesserung zu beobachten. In der Dobutamin-Gruppe traf dies auf 15 Prozent zu. Die 31-Tage-Mortalität der Patienten in der Levosimendan-Gruppe war über 50 Prozent niedriger als bei Patienten der Dobutamin-Gruppe (7,8 versus 17 Prozent).

 

Levosimendan zeigte sich gegenüber Dobutamin als besser verträglich. Es traten weniger kardiale Nebenwirkungen wie Anstieg der Herzfrequenz und Arrhythmien auf (3,9 versus 13,3 Prozent) und es wurden weniger Angina-Pectoris-Anfälle und Brustschmerzen beobachtet (0 versus 6 Prozent). Kopfschmerzen und Hypotonie wurden unter Levosimendan etwas häufiger beobachtet als unter Dobut­amin; der Unterschied war aber nicht signifikant.

 

→ vorläufige Bewertung: Schrittinnovation 



Macitentan

 

Seit Februar steht auf dem deutschen Markt ein weiterer Endothelin (ET)-Rezeptor-Antagonist für die Lungenhochdruck-Behandlung zur Verfügung: Macitentan (Opsumit® 10 mg Filmtabletten, Actelion). Zugelassen ist das Präparat als Monotherapie oder in Kombination für die Langzeitbehandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) bei Erwachsenen mit funktioneller WHO-/NYHA-Klasse II bis III.

ET-1 und seine Rezeptoren (ETA und ETB) sind für eine Vielzahl von Effekten verantwortlich, zum Beispiel Vasokonstriktion, Fibrose, Proliferation, Hypertrophie und Inflammation. Bei PAH ist das ET-System hochreguliert und an der vaskulären Hypertrophie und Organschädigung beteiligt. Macitentan wirkt als ET-Rezeptor-Antagonist. In humanen pulmonalen glatten Gefäßmuskelzellen hat die Substanz eine hohe Affinität zu den ET-Rezeptoren und eine anhaltende Rezeptorbindung gezeigt. Damit wird eine ET-vermittelte Aktivierung des Second-Messenger-Systems verhindert, die zu einer Vasokonstriktion und Proliferation der glatten Gefäßmuskelzellen führt. Das führt zur Arterienerweiterung in der Lunge und somit zur Blutdrucksenkung.

 

Basis für die Zulassung von Macitentan sind die Ergebnisse der bisher größten und längsten klinischen Studie in der Indikation PAH, der SERAPHIN-Studie. Die ereignisgesteuerte, placebokontrollierte, doppelblinde Multicenterstudie lief über dreieinhalb Jahre und umfasste 742 PAH-Patienten. Diese erhielten im Mittel 115 Wochen lang einmal täglich entweder 3 mg oder 10 mg Macitentan oder Placebo. Die Wirksamkeit wurde anhand verschiedener Indikatoren zur Erkrankungsprogression ermittelt. Als kombinierter primärer Endpunkt wurde die Zeit bis zum Auftreten des ersten Morbiditäts-/Mortalitäts-Ereignisses definiert. Begleitmedikation war erlaubt. So nahmen etwa zwei Drittel der teilnehmenden Patienten bei Studieneintritt PDE-5-Inhibitoren ein.

Die Auswertung der Studienergebnisse zeigte, dass Macitentan 10 mg das relative Risiko eines PAH-assoziierten Morbiditäts- oder Mortalitäts-Ereignisses reduzierte. Der primäre Endpunkt trat unter Placebo bei 46 Prozent der Pa­tienten, unter Macitentan 3 mg bei 38 Prozent und unter Macitentan 10 mg bei 31 Prozent der Patienten ein.

Die empfohlene Dosis von Macitentan beträgt einmal täglich 10 mg. Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin und Johanniskraut können die Wirksamkeit von Macitentan reduzieren. Die Kombina­tion sollte daher unterbleiben. Starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Clarithromycin und Ritonavir sollten unter Macitentan-Therapie nur mit Vorsicht zum Einsatz kommen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Macitentan waren in der Zulassungsstudie Nasopharyngitis (14 Prozent), Kopfschmerzen (14 Prozent) und Anämie (13 Prozent).

 

Kontraindiziert ist die neue Substanz bei Schwangeren und Stillenden sowie Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässigen Verhütungsmethoden anwenden. Grund sind teratogene und embryotoxische Eigenschaften aus tierexperimentellen Studien. Ebenso stellen schwere Leberfunktionsstörungen eine Gegenanzeige dar. Bei Patienten mit mittlerer Leberfunktionsstörung gibt es zumindest keine Empfehlung für den Einsatz von Macitentan. Vor Behandlungsbeginn und regelmäßig während der Therapie sollte der Arzt die Leberenzyme bei den Patienten kontrollieren und auf Anzeichen einer Leberschädigung achten. Wie bei der Behandlung mit anderen ET-Rezeptor-Antagonisten war die Behandlung mit Macitentan in Studien mit einem Abfall der Hämoglobin-Konzentration verbunden. Der Arzt sollte daher auch regelmäßig diesen Wert bestimmen lassen und somit das Anämie-Risiko im Auge haben. Eine Behandlung mit dem neuen Wirkstoff bei Patienten mit schwerer Anämie wird nicht empfohlen. Gleiches gilt für den Einsatz bei Dialyse-Patienten. Bei Über-75-Jährigen sollte der Arzt Macitentan nur unter Vorsicht anwenden.

 

→ vorläufige Bewertung: Analogpräparat 



Sofosbuvir

 

Mitte Februar kam mit Sofosbuvir (Sovaldi® 400 mg Filmtabletten, Gilead) eine neue Therapieoption für Patienten mit chronischer Hepatitis-C-Infektion auf den Markt. Der Wirkstoff wird immer mit Ribavirin kombiniert. Bei bestimmten Patienten kann die Gabe des zweiten Kombinationspartners, pegyliertes Interferon, unterbleiben, was hierzulande eine Premiere ist.

Bei der HCV-Replikation spielt das Enzym RNA-abhängige NS5B-Poly­merase eine wichtige Rolle. Das neue Medikament hemmt dieses Enzym. Sofosbuvir ist ein Nukleotid-Prodrug, das nach intrazellulärer Metabolisierung in das pharmakologisch wirksame Uridin-Analogon-Triphosphat umgewandelt und dann von der NS5B-Polymerase in die HCV-RNA eingebaut wird. Das führt zum Kettenabbruch, wodurch die virale Replikation unterdrückt wird. Die empfohlene orale Tagesdosis beträgt einmal 400 mg.

 

In Abhängigkeit vom vorliegenden HCV-Genotyp werden unterschiedliche Kombinationstherapien und Behandlungsdauern empfohlen. So erhalten Patienten mit den Genotypen 1, 4, 5 und 6 Sofosbuvir kombiniert mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für zwölf Wochen.In der Phase-III-Studie Neutrino mit 327 zuvor unbehandelten Patienten stellte dieses Therapie­regime seine Wirksamkeit unter Beweis. Der primäre Endpunkt, ein anhaltendes virologisches Ansprechen, definiert als nicht nachweisbare HCV-RNA zwölf Wochen nach Therapiestart (SVR12), wurde bei 91 Prozent der Pa­tienten erreicht.

 

Für Patienten mit den Genotypen 1, 4, 5 und 6 und einer Unverträglichkeit oder Kontraindikation gegenüber pegyliertem Interferon ist Sofosbuvir auch allein mit Ribavirin zugelassen. Die Behandlung dauert in diesem Fall 24 Wochen. Der Hersteller führt Studien mit insgesamt 273 Patienten an. Die SVR12-Rate unter diesem Regime betrug 65 beziehungsweise 76 Prozent. 

Allerdings waren in diese Studien Pa­tienten mit den Genotypen 4, 5 und 6 nicht eingeschlossen. Teilweise handelte es sich auch nur um exploratorische oder Phase-II-Studien. Diese Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu interpretieren, heißt es in der Fachinformation. Denn die Patientenzahlen seien niedrig und die SVR-Raten könnten durch die Patientenauswahl beeinflusst worden sein.

Die beiden beschriebenen Therapie­möglichkeiten, also Sofosbuvir mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für zwölf Wochen beziehungsweise mit Ribavirin alleine für 24 Wochen, sind auch beim Genotyp 3 zugelassen. Unter dem Tripleregime erreichten nicht vorbehandelte Patienten in kleinen exploratorischen oder Phase-II-Studien (n=39) SVR12-Raten von über 90 Prozent, bei vorbehandelten Pa­tienten sprachen in einer kleinen Studie mit 24 Patienten 83 Prozent von ihnen an. Das duale Therapieregime wurde in der Valance-Studie bei 105 nicht vorbehandelten und 145 vorbehandelten Patienten mit dem HCV-Genotyp 3 untersucht. Die SVR12-Raten lagen bei 93 beziehungsweise 77 Prozent.

 

Beim Genotyp 2 ist grundsätzlich kein Interferon mehr notwendig. Hier soll laut Fachinformation die Kombination aus Sofosbuvir und Ribavirin über zwölf Wochen erfolgen. In mehreren Studien wurde dieses Behandlungsregime getestet. Die SVR12-Raten lagen dabei zwischen 82 und mehr als 90 Prozent.

 

Laut Fachinformation darf Sofosbuvir in Kombination mit Ribavirin auch bei Patienten, die auf eine Lebertransplantation warten, zum Einsatz kommen. Prinzipiell kann die Gabe bis zur Operation erfolgen. Der Arzt sollte bei der Therapiedauer aber immer patientenindividuell den potenziellen Nutzen und die möglichen Risiken berücksichtigen.

 

Wie beschrieben, wurde Sofosbuvir in mehreren Studien in Kombination mit Ribavirin oder pegyliertem Inter­feron und Ribavirin untersucht. Hinsichtlich Art, Häufigkeit und Schwere unterschieden sich die Nebenwirkungen dabei nicht von denen unter pegyliertem Interferon oder Ribavirin. Zudem wurden bislang keine substanzspezifischen Nebenwirkungen von Sofosbuvir identifiziert. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse, die in Studien bei einer Behandlung mit Sofosbuvir und Ribavirin oder Sofosbuvir plus pegyliertem Interferon und Ribavirin auftraten, waren Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit.

 

P-Glykoprotein (P-gp)-Induktoren im Darm können zu einer signifikant verringerten Plasmakonzentration von Sofosbuvir führen, wodurch die therapeutische Wirkung des Wirkstoffes vermindert wird. Rifampicin und Johanniskraut zählen zu diesen starken P-gp-Induktoren. Bei gleichzeitiger Anwendung von Sofosbuvir mit den folgenden Substanzen ist ein ähnlicher Effekt zu erwarten: Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifabutin, Rifapentin und Tipranavir/Ritonavir. In der Fachinformation wird daher davon abgeraten, P-gp-Induktoren und Sofosbuvir gleichzeitig anzuwenden. Ebenso gibt es keine Empfehlung für die Sofosbuvir-Gabe in Schwangerschaft und Stillzeit. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Sicherheit und erforderliche Dosis von Sofosbuvir bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung nicht untersucht ist. /

 

→ vorläufige Bewertung: Schrittinnovation

Kommentar

Zwei Schrittinnovationen, zwei Analogpräparate

Mit Dolutegravir ist nach Raltegravir und Elvitegravir der dritte Integrase-Hemmstoff auf dem Markt, der in Kombination mit anderen antiviral wirksamen Stoffen bei HIV-Infizierten eingesetzt werden kann. Von Vorteil ist, dass Dolutegravir niedriger dosiert werden kann. Im direkten Vergleich war Dolutegravir gleich wirksam wie Raltegravir. Es muss deshalb als Analogpräparat angesehen werden. Dennoch hat Dolutegravir als Alternative zu den bereits vorhandenen Substanzen aufgrund der schnellen Resistenzentwicklung der HI-Viren seine Berechtigung.

 

Mit Levosimendan ist der bereits seit 2000 in einigen europäischen Ländern verfügbare Calciumsensitizer zur Kurzzeittherapie bei akut dekompensierter schwerer chronischer Herzinsuffizienz jetzt auch in Deutschland verfügbar. Levosimendan ist eine Alternative zu den bei dieser Indikation bisher verwendeten Arzneistoffen, wie das β-Sympathomimetikum Dobutamin oder Phosphodiesterase-Hemmer. Aufgrund des anderen Wirkungsmechanismus gegenüber den bisher eingesetzten Arzneistoffen kann Levosimendan für Deutschland als Schritt­innovation bewertet werden.

 

Neben Bosentan und Ambrisentan befindet sich seit Kurzem mit Macitentan ein dritter Endothelin-Rezeptor-Antagonist in Deutschland auf dem Markt, der beim Lungenhochdruck zum Einsatz kommt. Da die derzeit verfügbaren Vertreter in klinischen Studien nicht vergleichend geprüft wurden, muss Macitentan als Analogpräparat eingestuft werden.

 

Sofosbuvir ist indiziert für die Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis-C-Infektion. Sofosbuvir ist ein Nukleotidprodrug, das zu einem Uridin-Analogon metabolisiert wird und zu einem Kettenabbruch bei der viralen RNA-Synthese führt. Der bisherige Standard war Ribavirin plus pegyliertes Interferon-alfa. Während die 2011 auf den Markt gekommen Protease-Inhibitoren Boceprevir und Telaprevir zusätzlich zur Standardtherapie gegeben werden, kann mit Sofosbuvir bei speziellen Patientengruppen auf Interferon verzichtet werden. Damit ist die neue Substanz ein kleiner Fortschritt in der HCV-Therapie, sodass Sofosbuvir als Schritt­innovation bewertet werden kann.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Universität Marburg 

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