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Komplementäre Krebsmedizin

Hilfreiche Alternativen

26.02.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Das Angebot an komplementäre oder alternativen Therapien für Krebspatienten ist groß. Viele Patienten vertrauen auf die vermeintlich sanfte Medizin. Doch was hilft wirklich und was ist nur Geldschneiderei?

Viele Patienten setzen große Hoffnungen in alternative und komplementäre Verfahren. Aber nicht alle Therapien sind geeignet und vertragen sich mit der schulmedizinischen Behandlung. Über Nutzen und mögliche Risiken klärten Experten auf der Vortragsveranstaltung »Komplementäre/alternative Medizin in der Krebstherapie« auf, die vom Gesundheitsamt Wiesbaden ausgerichtet wurde.

»Jährlich werden in Deutschland etwa sechs Millionen Euro für entsprechende Therapien ausgegeben«, sagte Professor Dr. Franz Josef Prott, Radiologe am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden. Um die Verfahren beurteilen zu können, sei zunächst eine Begriffsklärung nötig. »Komplementär bedeutet, dass die Therapie Teil der evidenzbasierten Medizin ist und zusätzlich zu anderen schulmedizi­nischen Verfahren angewendet wird«, so Prott. »Alternative Therapien dagegen bieten angeblich eine Alternative zur Schulmedizin und weisen keine Evidenz auf.« Das sei von Onkologen nicht gewollt.

 

»Wir Ärzte wissen, dass die meisten Patienten aktiv an ihrer Therapie mitarbeiten wollen«, erklärte Prott. Mit den komplementären Verfahren hoffen die Patienten, Nebenwirkungen der Krebstherapie abzuschwächen, das Immunsystem zu stärken, Stress zu reduzieren, Rezidive zu verhindern oder den Krebs zu bekämpfen. Die Nutzerrate hängt dabei stark von der Indikation ab: Während bei Brustkrebs etwa 91 Prozent der Frauen entsprechende Verfahren anwenden, sind es bei gynäkologischen Tumoren etwa 58 Prozent und bei Kopf-Hals-Tumoren nur 37 Prozent. »Der typische Nutzer ist weiblich und gebildet«, sagte Prott. Die Informationen erhalten sie in der Regel aus Zeitschriften oder Büchern. Der Arzt werde selten über die Einnahme informiert. »Das ist ein Problem, denn die Verfahren bergen auch Risiken«, sagte der Radiologe. Sie könnten selbst Nebenwirkungen verursachen, Wechselwirkung mit der Strahlen- oder Chemotherapie hervorrufen oder die Therapie verzögern und dazu den Patienten finanziell zum Teil erheblich belasten.

 

Häufig eingesetzt werden Mistelpräparate als unspezifische Stimulanzien des Immunsystems. »Hierzu gibt es mehr als 80 Studien«, sagte Prott. »Keine zeigt, dass die Nebenwirkung der konventionellen Therapien abgemildert werden.« Dass eine Wirksamkeit kaum nachzuweisen ist, könne auch daran liegen, dass die Behandlung schlecht zu verblinden sei. »Mistelpräparate setzen Endorphine frei, das merken die Patienten.« Bei Erkrankungen des Immunsystems wie Autoimmunerkrankungen sollten die Präparate nicht eingesetzt werden. Bei Melanomen führten sie nachweislich zu einem schlechteren Überleben.

 

Nebenwirkungen lindern

 

Was hilft aber gegen die bekannten Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie? Gegen Übelkeit helfe Ingwer, auch in Form von Tee oder Tabletten, sagte Prott. Dies sei nachgewiesen. Gegen Schleimhautentzündungen im Mundraum könnten Patienten Honig, Salbei oder Kamille anwenden, da diese entzündungshemmend und zum Teil antibakteriell wirken. Für Schleimhautentzündungen im Darm seien Probiotika zu empfehlen, da sie die Darmflora verbessern.

 

Hitzewallungen sind ein häufiges Problem, das Sport effektiv lindern könne, so Prott. Frauen könnten auch Traubensilberkerze-Präparate einnehmen. Die Wirkstoffe habe man lange für Phytoestrogene gehalten, heute wisse man, dass sie antiestrogen wirken. Bei Männern könnte ein Salbeiextrakt gegen Hitzewallungen helfen.

 

Sportliche Betätigung in Form eines angepassten Trainings helfe auch bei Erschöpfung und Fatigue, berichtete der Mediziner. Auch Ginseng-Präparate hätten in Studien eine Wirksamkeit bewiesen. Für Frauen mit hormonsensitiven Tumoren seien sie aber nicht geeignet, da sie Phytoestrogene enthalten. Zudem interagieren Ginseng-Präparate mit der Chemotherapie und verstärken deren Wirkung. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 106 Lungenkrebs-Patienten steigerte ein Ginseng-Extrakt das Überleben in Kombination mit Vinorelbin und Cis­platin. Zudem verdoppelte der Extrakt das Ansprechen auf die Chemotherapie von 14 auf 33 Prozent.

 

Nicht ohne Wissen des Arztes

 

Komplementäre Präparate können wie beim Ginseng die Wirkung der etablierten Therapien verstärken oder auch abschwächen. Es sei daher sehr wichtig, dass Patienten deren Einnahme mit dem behandelnden Arzt absprechen. Häufig tun sie dies aus Angst, der Mediziner könnte die gewünschte Therapie ablehnen, nicht. Selbst bei Patienten, die in klinischen Studien eingeschlossen waren, wandten 52 Prozent komplementäre Medizin an und verschwiegen es. Dies hatte eine Befragung von Studienteilnehmern gezeigt, berichtete Prott. Das könne nicht nur Studienergebnisse verfälschen, sondern dem Patienten auch schaden.

Patienten sollten den Arzt über alle Arzneimittel informieren, die sie in Selbstmedikation einnehmen, sagte der Mediziner am Beispiel von Johanniskraut. Dieses kann photosensibilisierend wirken. Einige Patientinnen sprachen besonders heftig auf die Bestrahlung an und entwickelten rote schmerzende Flecken. Später stellte sich heraus, dass sie Johanniskraut-Präparate eingenommen hatten, ohne davon zu berichten. Prott ist selbst Mitglied der Arbeitsgruppe Präventive und integrative Onkologie (PRIO). »Wir ermutigen unsere Patienten explizit, sich aktiv in die Therapie einzubringen.« Der Einsatz von komplementären Verfahren müsse aber unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden.

 

Nahrungsergänzungsmittel mit Nutzen

 

Auch auf Nahrungsergänzungsmittel greifen Krebspatienten häufig zurück. Da sie zu den Lebensmitteln und nicht zu den Arzneimitteln zählen, dürften sie eigentlich gar keine therapeutische Wirkung haben, sagte Professor Dr. Karsten Münstedt, Facharzt für Gynäkologie an der Universitätsklinik Gießen. Sie würden aber häufig gesetzeswidrig mit gesundheitsbezogenen Aussagen beworben.

 

Einige Produkte können Krebspatienten Vorteile bringen. Zum Beispiel Selen: Es mildere Nebenwirkungen ab, verändere die Überlebensrate aber nicht, berichtete Münstedt. Hilfreich sei eine Supplementation aber nur bei Selenmangel. Daher riet er, den Selenspiegel zu bestimmen und bei einem vorliegenden Mangel den Spiegel auf Normalniveau anzuheben.

 

Zu Antioxidanzien wie Vitamin C seien noch viele Fragen offen, berichtete Münstedt. Obwohl das körpereigene antioxidative Potenzial im Laufe der Erkrankung abnehme, sei bislang kein Nutzen der Supplemente nachgewiesen. Vielmehr sei ein Cochrane-Review zu dem Ergebnis gekommen, dass die Supplementation mit Antioxidanzien bei Gesunden die Sterblichkeit erhöhen kann. Insgesamt gelte das Prinzip: Extreme bei der Ernährung verschlechtern das Überleben. »Zu wenig ist schlecht, zu viel aber auch«, fasste Münstedt zusammen.

 

Das einzige Vitamin, für das der Nutzen einer Supplementation belegt ist, sei Vitamin D. Bei ausreichenden Spiegeln lägen die Mortalität und auch das Rezidivrisiko niedriger als bei zu niedrigen Spiegeln.

 

Auch für grünen Tee liefere die Literatur Hinweise auf einen Nutzen, so Münstedt. In einer schwedischen Studie mit 61 000 Frauen habe das Teegetränk eine präventive Wirkung gegen Eistockkrebs gezeigt. Bei Brustkrebspatientinnen konnte grüner Tee das Rezidivrisiko senken. »Grüner Tee ist durchaus empfehlenswert«, sagte Münstedt. Er selbst plane eine klinische Studie mit grünem Tee. Für die Wirksamkeit der Polyphenole sei es entscheidend, den Tee frisch und nicht zu heiß aufzubrühen und rasch zu trinken. Vier bis fünf Tassen sollten pro Tag getrunken werden.

 

Eine interessante Substanz mit Potenzial sei auch Curcumin aus der Gelbwurz (Curcuma longa). In der Zelle setze es an verschiedenen Orten an, hemme unter anderem Entzündungen und beeinflusse das Wachstum und die Apoptose. Bei der Prävention von Darmkrebs hat die Substanz positive Ergebnisse erzielt. Bislang sei Curcumin aber wenig untersucht, so Münstedt.

 

Keine Alternativen

 

Nach den komplementären Verfahren, die ihre Vorredner vorgestellt hatten, ging Dr. Jutta Hübner, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft PRIO, auf alternative Verfahren ein. Diese würden meist als sanfte Medizin dargestellt – anstelle von Chemo- oder Strahlentherapie .

Weitverbreitet sei zum Beispiel die kohlenhydratreduzierte Krebsdiät nach Coy. Sie beruhe auf der Annahme, dass Krebszellen besonders stoffwechsel­aktiv sind und mehr Kohlenhydrate brauchen. Lasse man die Kohlenhydrate weg, könne man die Tumorzellen aushungern. Hübner erklärte, warum dies nicht stimmt. Zum einen könne der Körper aus Protein und Fett Kohlenhydrate herstellen, zum anderen gehe der Körper dann an die Reserven, um aus Proteinen, zum Beispiel der Muskelmasse, Kohlenhydrate zu bilden. »Die Patienten nehmen unter dieser Diät rapide ab«, sagte Hübner. Dies fördere das Überleben nicht. Krebspatienten sollten vielmehr auf eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung achten.

 

Für alternative Therapien gelte die Regel »je teurer, umso verdächtiger«, erklärte die Medizinerin. Als Beispiel nannte sie die in einigen Laboren angebotenen Impfungen gegen Krebs. »Krebsforscher weltweit suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, das Immunsystem auf den Tumor zu trainieren, und waren bislang nicht erfolgreich.« Was heute angeboten wird, funktioniere nicht und könne sogar schaden. /

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