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ARZNEISTOFFE

Alemtuzumab|Lemtrada®|51|2013

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Alemtuzumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Lemtrada®
HERSTELLER

Sanofi Genzyme

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2013
DARREICHUNGSFORM

12 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Lemtrada ist indiziert für die Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) mit aktiver Erkrankung.

Wirkmechanismus

Alemtuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an CD52 bindet, ein Protein, das auf T- und B-Zellen in großer Menge vorkommt. Die Behandlung mit Alemtuzumab führt zu einer Depletion zirkulierender T- und B-Zellen, von denen man annimmt, dass sie für den schädigenden Entzündungsprozess bei MS verantwortlich sind. Alemtuzumab hat nur minimale Auswirkungen auf andere Immunzellen.

Anwendungsweise und -hinweise

Alemtuzumab wird in der ersten Behandlungsphase an fünf aufeinander folgenden Tagen intravenös verabreicht und in der zweiten Phase zwölf Monate später an drei aufeinander folgenden Tagen. Dabei werden jeweils 12 mg Alemtuzumab pro Tag in einer circa vierstündigen intravenösen Infusion verabreicht.

 

An den ersten drei Tagen jedes Behandlungszeitraums erhalten die Patienten vor Lemtrada zunächst eine Vorbehandlung mit einem Corticosteroid (in Studien 1000 mg Methylprednisolon). Zusätzlich können dabei bei Bedarf auch Antihistaminika und/oder Antipyretika gegeben werden.

 

Bei allen Patienten sollte außerdem ein orale Prophylaxe gegen Herpes-Infektionen durchgeführt werden. In Studien erfolgte diese mit zweimal täglich 200 mg Aciclovir. Es kann aber auch ein anderes antivirales Arzneimittel verwendet werden.

 

Den Behandlungsphasen folgt ab Behandlungsbeginn eine Nachbeobachtungszeit von bis zu 48 Monaten.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Alemtuzumab waren infusionsbedingte Reaktionen, Infektionen der oberen Atemwege und der Harnwege, Lymphopenie und Leukopenie. Zudem kann es zu schwerwiegenden Autoimmunstörungen kommen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit einer HIV-Infektion ist Lemtrada kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Das klinische Entwicklungsprogramm umfasste zwei randomisierte Phase-III-Studien, in denen eine Behandlung mit Lemtrada mit hoch dosiertem, subkutan verabreichtem Interferon beta-1a (Rebif®) bei Patienten mit aktiven schubförmigen MS-Formen untersucht wurde, die entweder therapienaiv waren (CARE-MS I) oder unter der vorherigen Therapie Schübe erlitten hatten (CARE-MS II). In CARE-MS I war der Antikörper signifikant wirksamer als Interferon beta-1a in Bezug auf die Verringerung der jährlichen Schubrate. Die Differenz in Bezug auf die Verlangsamung des Fortschreitens der Behinderung erreichte keine statistische Signifikanz.

 

In der Studie CARE-MS II erwies sich Alemtuzumab als signifikant wirksamer als Interferon beta-1a in Bezug auf die Verringerung der jährlichen Schubrate. Die Akkumulation der Behinderungen verlangsamte sich bei Patienten unter dem Antikörper signifikant gegenüber Interferon beta-1a.

Hintergrundinfos

Alemtuzumab war bereits unter einem anderen Fertigarzneimittelnamen und für eine andere Indikation zugelassen. Im August 2001 wurde es unter dem Namen MabCampath® zur Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) auf den Markt gebracht. 2012 erfolgte eine freiwillige Marktrückname durch den Hersteller. Für das aktuelle Anwendungsgebiet ist Alemtuzumab seit September 2013 auf dem deutschen Markt verfügbar.

Besonderheiten

Lemtrada Konzentrat ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern und darf nicht einfrieren. Die Durchstechflasche ist außerdem vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern.

Die gebrauchsfertige Lösung ist bei 2–8 °C (Kühlschrank) für acht Stunden stabil.

Lemtrada ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und vier Monate nach einer Behandlungsphase mit Lemtrada eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

 

Während der Schwangerschaft sollte Lemtrada nur verabreicht werden, wenn dies zwingend erforderlich ist. Das Stillen sollte während und vier Monate nach der letzten Gabe unterbrochen werden, da ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden kann. Möglicherweise kann aber auch der Nutzen durch eine mit der Muttermilch übertragenen Immunität die Risiken einer potenziellen Exposition gegenüber Alemtuzumab überwiegen.

Letzte Aktualisierung: 29.03.2017