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ARZNEISTOFFE

Abirateronacetat|Zytiga®|76|2011

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STOFFGRUPPE
76 Sexualhormone und ihre Hemmstoffe
WIRKSTOFF
Abirateronacetat
FERTIGARZNEIMITTEL
Zytiga®
HERSTELLER

Janssen-Cilag

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2011
DARREICHUNGSFORM

250 mg Tabletten

Indikationen

Zytiga ist zugelassen in Kombination mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs (mCRPC) bei männlichen Erwachsenen, bei denen nach Versagen der Androgenentzugstherapie eine Chemotherapie noch nicht angezeigt ist, sowie bei Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist.

Wirkmechanismus

Abirateronacetat ist ein Inhibitor der Androgen-Biosynthese. Kastrationsresistente Prostatakarzinome reagieren trotz Ausschaltung der Hoden mittels LHRH-Agonisten oder einer Orchiektomie immer noch empfindlich auf Androgene. Folglich können selbst geringste Androgenmengen, die in der Nebennierenrinde oder den Tumorzellen selbst gebildet werden, ein neuerliches Tumorwachstum auslösen. Abirateronacetat kann dies verhindern oder zumindest verlangsamen: Im Körper wird es zu Abirateron abgebaut, das selektiv das Enzym 17-Alpha-Hydroxylase/C17,20-lyase (CYP17) hemmt. CYP17 wird in den Hoden, Nebennieren und dem Prostata-Tumorgewebe exprimiert und ist für die Androgen-Biosynthese erforderlich. Es katalysiert die Umwandlung von Pregnenolon und Progesteron in die Testosteron-Vorstufen DHEA beziehungsweise Androstendion durch Hydroxylierung und Spaltung der C17,20-Bindung. Die Gabe von Zytiga senkte in Kombination mit LHRH-Agonisten (oder einer Orchiektomie) den Serum-Testosteron-Spiegel auf nicht nachweisbare Konzentrationen.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Abirateronacetat beträgt 1000 mg (vier 250-mg-Tabletten) als tägliche Einmalgabe. Da die Resorption beziehungsweise die systemische Exposition von Abirateronacetat bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme erheblich erhöht ist, dürfen die Tabletten nicht zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Sie sollten mindestens zwei Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme und mindestens eine Stunde vor einer weiteren geschluckt werden.

 

Da während der klinischen Studien deutlich erhöhte Leberwerte auftraten, die zum Absetzen oder einer Dosisanpassung führten, sollten vor Beginn und während der Behandlung Serum-Transaminasen, Blutdruck, Serum-Kalium und Flüssigkeitsretention regelmäßig kontrolliert werden. Entwickeln die Patienten Anzeichen eines Leberschadens, muss die Behandlung unverzüglich unterbrochen werden. Nach Rückgang der Leberwerte auf die Ausgangswerte kann eine erneute Behandlung mit 500 mg Abirateronacetat erfolgen. Tritt die Hepatotoxizität unter der halbierten Dosis erneut auf, muss die Therapie abgebrochen werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Vorsicht ist geboten, wenn Abirateron zusammen mit Arzneimitteln angewendet wird, die durch CYP2D6 aktiviert oder metabolisiert werden. Zu Letzteren zählen zum Beispiel Metoprolol, Propranolol, Desipramin, Venlafaxin, Haloperidol, Risperidon, Propafenon, Flecainid, Codein, Oxycodon und Tramadol (die drei letzten Wirkstoffe benötigen CYP2D6, um ihre aktiven analgetisch wirksamen Metaboliten zu bilden).

 

Da Abirateron ein Substrat von CYP3A4 ist, sollten starke CYP3A4-Inhibitoren oder -Induktoren während der Behandlung nach Möglichkeit vermieden oder mit Vorsicht angewendet werden. Dazu gehören die Inhibitoren Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Atazanavir, Nefazodon, Saquinavir, Telithromycin, Ritonavir, Indinavir, Nelfinavir, Voriconazol und die Induktoren Phenytoin, Carbamazepin, Rifampicin, Rifabutin, Rifapentin und Phenobarbital.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen in den Zulassungsstudien zu Abirateronacetat waren Harnwegsinfektionen, Hypokaliämie, Hypertonie und peripheres Ödem.

 

Infolge der CYP17-Hemmung erhöht Abirateron die Mineralocorticoid-Spiegel, was zu Hypertonie, Hypokaliämie und Flüssigkeitsretention führen kann. Die Inzidenz und Schwere dieser Nebenwirkungen kann durch die gleichzeitige Gabe eines Glucocorticoids verringert werden, da diese die Ausschüttung des adrenocorticotropen Hormons (ACTH) unterdrücken. Deshalb müssen zusätzlich täglich 10 mg Prednison oder Prednisolon eingenommen werden.

 

Bei Männern mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom kann eine verminderte Knochendichte auftreten. Die Gabe von Zytiga zusammen mit einem Glucocorticoid könnte diesen Effekt verstärken. Bei Patienten, die zuvor wegen eines Prostatakarzinoms mit Ketoconazol behandelt wurden, könnten geringere Response-Raten auftreten.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung sollte Abirateronacetat nicht angewendet werden, da keine Empfehlung zur Dosisanpassung gegeben werden kann. Da bei Patienten mit Prostatakarzinom und schwerer Nierenfunktionsstörung keine klinischen Erfahrungen vorliegen, ist bei diesen Patienten Vorsicht geboten. Vorsicht ist auch geboten bei Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung. Gleiches gilt, sofern die Patienten die gleichzeitige Behandlung mit Prednison oder Prednisolon absetzen. In diesem Fall muss der Mineralocorticoidspiegel überwacht werden. Frauen, die schwanger sind oder sein könnten, dürfen mit Abirateronacetat nicht in Kontakt kommen (Handschuhe etc. verwenden!).

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Zytiga beruht auf einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie an 1195 Männern mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die auf eine vorherige Chemotherapie mit Taxanen nicht mehr angesprochen hatten. Sie erhielten in Kombination mit niedrig dosiertem Prednison/Prednisolon entweder täglich 1000 mg Abirateronacetat oder Placebo. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Das Ergebnis: 38 Prozent der Patienten unter Verum und 10 Prozent der Patienten unter Placebo wiesen einen Rückgang des PSA-Werts um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Ausgangswert auf. Das prostataspezifische Antigen (PSA) dient bei Patienten mit Prostatakarzinom als Biomarker. Die mediane Zeit bis zur PSA-Progression betrug in der Abirateronacetat-Gruppe 10,2 Monate gegenüber 6,6 Monaten in der Placebogruppe. Das mediane radiologische progressionsfreie Überleben betrug bei mit Abirateron behandelten Patienten 5,6 Monate und bei Patienten, die Placebo erhielten, 3,6 Monate.

Besonderheiten

Zytiga ist bei Temperaturen nicht über 30 °C zu lagern.

Zytiga ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Abirateronacetat

Abirateronacetat

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel , ansehen (externer Link).

Abirateron.wrl

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

 
Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

 
Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):

 

Nutzenbewertung: Abirateron punktet beim IQWiG, Meldung vom 03.01.2012

Weitere Hinweise

Abirateronacetat kann den sich entwickelnden Fetus schädigen. Frauen, die schwanger sind oder sein könnten, sollten das Arzneimittel nicht ohne Schutzvorkehrungen (Handschuhe etc.) handhaben. Ob der Wirkstoff in das Sperma übergeht, ist nicht bekannt. Sicherheitshalber sollten Männer dennoch ein Kondom benutzen, wenn sie mit einer schwangeren Frau Sex haben. Beim Geschlechtsverkehr mit einer Frau im gebärfähigen Alter sollte er zusätzlich eine weitere Verhütungsmethode anwenden.

Letzte Aktualisierung: 16.02.2017