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ARZNEISTOFFE

Ofatumumab|Arzerra®|86|2010

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Ofatumumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Arzerra®
HERSTELLER

Novartis

MARKTEINFÜHRUNG (D)
05/2010
DARREICHUNGSFORM

100 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

1000 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Indiziert ist der Arzerra zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) Leukämie bei Patienten, für die eine Behandlung mit Fludarabin nicht in Frage kommt oder deren Erkrankung auf die Wirkstoffe Fludarabin und Alemtuzumab nicht anspricht.

Wirkmechanismus

Ofatumumab ist ein vollständig humanisierter monoklonaler CD20-Antikörper mit einem neuartigen Wirkmechanismus. Er bindet selektiv an den »small loop« des CD20-Moleküls. Dadurch wird ein Teil des körpereigenen Immunsystems, das Komplementsystem, verstärkt aktiv und zerstört die bösartigen B-Zellen. Die Bindung am »small loop« unterscheidet sich dabei von der Bindungsstelle des zweiten derzeit verfügbaren CD20-Antikörpers Rituximab. Darüber hinaus verbleibt Ofatumumab laut Herstellerinformation länger am Bindungsort, was zu einer stärkeren Aktivierung des Immunsystems führt – möglicherweise ein Hinweis für die besonders hohe Effektivität von Ofatumumab auch bei geringer CD20-Expression, wie sie bei der CLL der Fall ist.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 300 mg für die erste Infusion und 2000 mg für alle nachfolgenden. Insgesamt umfasst das Behandlungsschema acht aufeinanderfolgende Infusionen im wöchentlichen Abstand, vier bis fünf Wochen. Später folgen vier weitere Gaben in monatlichen Abständen. Für die Infusionsgeschwindigkeit gelten genaue Vorgaben: Die initiale Geschwindigkeit der ersten und zweiten Infusion sollte 12 ml/h betragen. Während der Infusion sollte sie alle 30 Minuten verdoppelt werden bis maximal 200 ml/h. Wurde die zweite Infusion ohne schwerwiegende infusionsbedingte Nebenwirkungen beendet, können die verbleibenden Infusionen mit einer Geschwindigkeit von 25 mg/h gestartet und alle 30 Minuten verdoppelt werden bis maximal 400 ml/h.

Wichtige Wechselwirkungen

Klinisch signifikante Wechselwirkungen von Ofatumumab mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt. Jedoch kann die Wirksamkeit von Lebend- oder inaktivierten Impfstoffen durch Ofatumumab beeinträchtigt sein. Die gleichzeitige Gabe ist deshalb zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Ofatumumab erwies sich als gut verträglich, die unerwünschten Ereignisse entsprachen den erwarteten Nebenwirkungen einer CD20-Antikörper-Therapie. Nebenwirkungen, die bei mindestens 10 Prozent der Patienten auftraten, umfassten Infektionen, Anämie, Neutropenie und Hautausschläge. Eine Antikörperbildung gegen Ofatumumab wurde bei den darauf getesteten Patienten nicht gefunden.

 

Ofatumumab wird laut Fachinformation mit Infusionsreaktionen in Verbindung gebracht, die zu einer vorübergehenden Unterbrechung oder zum Abbruch der Behandlung führen können. Dazu zählen anaphylaktische oder kardiale Ereignisse, Schüttelfrost, Husten, Zytokin-Freisetzungs-Syndrom, Durchfall, Dyspnoe, Fatigue, Hautrötung, Bluthochdruck, Hypotonie, Übelkeit, Schmerzen, Fieber, Hautausschlag und Nesselsucht. Eine Prämedikation (30 Minuten bis zwei Stunden vor der Infusion) kann die Reaktionen abschwächen. Sie treten vor allem zu Beginn der Therapie auf mit der Tendenz, sich bei den nachfolgenden Infusionen abzuschwächen. Patienten mit verringerter Lungenfunktion und solche mit Herzerkrankung in der Vorgeschichte sollte der Arzt engmaschig überwachen lassen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Arzerra basiert auf einer einarmigen multizentrischen Phase-III-Studie an 154 Patienten mit refraktärer CLL. Sie hatten im Durchschnitt fünf Vortherapien, einschließlich Rituximab, erhalten. 59 dieser 154 Studienteilnehmer waren refraktär auf Fludarabin und Alemtuzumab (doppelt refraktär). Für diese refraktären CLL-Patienten ist bisher keine wirksame Therapie zugelassen. Die Gesamtansprechraten herkömmlicher Therapieoptionen liegen hier meist unter 25 Prozent. Insgesamt erhielten alle Patienten acht Wochen lang eine wöchentliche Ofatumumab-Infusion, gefolgt von vier monatlichen Infusionen. Die Dosierung betrug 300 mg Ofatumumab bei der ersten und 2000 mg bei jeder folgenden Infusion. Der Krankheitsstatus wurde bis Woche 28 alle vier Wochen beurteilt, danach alle drei Monate bis zum Fortschreiten der Erkrankung, maximal zwei Jahre lang. Die Monotherapie mit Ofatumuman führte bei den doppelt refraktären Patienten zu einer Ansprechrate von 58 Prozent und einer medianen Gesamtüberlebenszeit von 13,7 Monaten. Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit lag bei 5,7 Monaten.

Hintergrundinfos

Das CD20-Molekül ist bei den meisten bösartigen B-Zell-Erkrankungen vorhanden. Ofatumumab wird daher auch für die Behandlung weiterer Krebsarten untersucht, darunter die nicht vorbehandelte und die rezidivierte CLL, das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom und das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom. Darüber hinaus wird der Einsatz bei rheumatoider Arthritis und der schubförmig remittierenden multiplen Sklerose geprüft.

Besonderheiten

Arzerra ist kühl zu lagern und zu transportieren. Das Arzneimittel ist vor Licht zu schützen (Umkarton).
Das zubereitete Arzneimittel sollte unverzüglich verwendet werden, kann aber bei 2–8 °C maximal 24 Stunden aufbewahrt werden.
Arzerra ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Schwangere sollten Ofatumumab nicht erhalten, es sei denn, der mögliche Nutzen für die Mutter übersteigt das mögliche Risiko für das ungeborene Kind. Frauen im gebährfähigen Alter müssen während und bis zu einem Jahr nach der letzten Behandlung mit einer zuverlässigen Methode verhüten. Das Stillen sollten Frauen für die Dauer der Behandlung und danach für zwölf Monate unterbrechen.

Letzte Aktualisierung: 01.07.2015