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ARZNEISTOFFE

Amisulprid|Solian®|71|1999

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STOFFGRUPPE
71 Psychopharmaka
WIRKSTOFF
Amisulprid
FERTIGARZNEIMITTEL
Solian®
HERSTELLER

Sanofi

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/1999
DARREICHUNGSFORM

100 mg Tabletten

200 mg Tabletten

400 mg Tabletten

100 mg/ml Lösung zum Einnehmen

Indikationen

Solian ist zugelassen zur Behandlung akuter und chronischer schizophrener Störungen. Diese können sich in produktiven Zuständen wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen, Feindseligkeit und/oder Misstrauen äußern, aber auch in primär negativen Zuständen (Defektsyndrom) mit Affektverflachung sowie emotionalem und sozialem Rückzug.

Wirkmechanismus

Chemisch ist Amisulprid ein Benzamid, das strukturelle Verwandtschaft sowohl zu Sulpirid (zum Beispiel Dogmatil®) als auch zu Remoxiprid (Roxiam®) besitzt.

 

Amisulprid blockiert postsynaptische D2/D3-Rezeptoren im limbischen System. Offensichtlich werden die D2-Rezeptoren im Striatum weniger stark blockiert als bei anderen Neuroleptika, was zu geringeren extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen führt. Deshalb Amisulprid zu den atypischen Neuroleptika einzustufen, ist allerdings nicht gerechtfertigt. Atypische Neuroleptika wie Clozapin oder Risperidon beeinflussen die Minussymptomatik über die Hemmung der serotonergen 5HT2A-Rezeptoren und zeigen wesentlich weniger bis gar keine extrapyramidal-motorischen Störungen.

Anwendungsweise und -hinweise

Zur Beeinflussung der produktiven Zustände (Plussymptomatik) werden Dosen von 400 bis 800 mg Amisulprid pro Tag angewendet, zur Behandlung der primär negativen Zustände (Defektsyndrom) 50 bis 300 mg.

 

Eine einschleichende Dosierung ist nicht erforderlich, ein Absetzen sollte hingegen schrittweise erfolgen. Tagesdosen über 400 mg sollten auf mehrere Einzeldosen verteilt werden. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Solian-Tabletten sind teilbar.

 

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Tagesdosis bei einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 60 ml/min halbiert und bei einer Kreatinin-Clearance zwischen 10 und 30 ml/min auf ein Drittel reduziert werden, da Amisulprid über die Niere ausgeschieden wird. Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min) ist Amisulprid kontraindiziert. Bei Patienten mit Leberinsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich.

 

Eine Anwendung von Solian bei Patienten unter 18 Jahren wird nicht empfohlen, für Patienten unter 15 Jahren ist sie kontraindiziert.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung verschiedener Arzneimittel zusammen mit Amisulprid ist kontraindiziert (siehe Kontraindikationen).

 

Darüber hinaus wird eine gleichzeitige Anwendung verschiedener Arzneimittel nicht empfohlen. Dazu gehören Wirkstoffe, die das Risiko für schwerwiegende Herzrhythmusstörungen erhöhen oder die Erregungsleitung am Herzen beeinflussen können (QT-Verlängerung): Arzneimittel, die eine Bradykardie verursachen können (Betablocker, manche Calcium-Antagonisten wie Diltiazem und Verapamil, Digitalisglykoside), Arzneimittel, die eine Hypokaliämie auslösen können (Diuretika, Glucocorticoide, intravenös verabreichtes Amphotericin B), Neuroleptika wie Pimozid und Haloperidol, trizyklische Antidepressiva, Lithium, bestimmte Antihistaminika (Astemizol, Terfenadin), bestimmte Malariamittel (zum Beispiel Mefloquin).

 

Da Amisulprid die zentralen Wirkungen von Alkohol verstärken kann, ist während der Behandlung der Genuss zu vermeiden.

 

Die gleichzeitige Anwendung mancher Arzneimittel sollte unter Vorsicht erfolgen, da das Risiko einer Wirkungsverstärkung besteht: zentral dämpfende Arzneimittel wie Narkotika, Analgetika und sedative H1-Atihistaminika, Barbiturate, Benzodiazepine und andere Anxiolytika, Clonidin und seine Derivate sowie Antihypertonika und andere blutdrucksenkende Medikamente.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufig berichteten Nebenwirkungen gehören extrapyramidale Störungen wie Tremor, Rigidität und vermehrter Speichelfluss. Diese sind dosisabhängig und treten bei Patienten mit primär negativen Zuständen seltener oder geringer ausgeprägt auf. Häufig berichtet wurden außerdem Schlaflosigkeit, Angst, Agitiertheit und Orgasmusstörungen, gastrointestinale Störungen wie Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen, aber auch Hypotension und Gewichtszunahme.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht angewendet werden darf Amisulprid bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren. Auch in der Stillzeit sowie bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min), bestehenden prolaktinabhängigen Tumoren oder Phäochromozytom ist es kontraindiziert. Es darf außerdem nicht in Kombination mit verschiedenen anderen Arzneimitteln angewendet werden. So sind die gleichzeitige Anwendung von Levodopa oder Arzneimitteln, die schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (Torsades de pointes) auslösen können, kontraindiziert. Zu diesen gehören Antiarrhythmika der Klasse Ia (wie Chinidin und Disopyramid), Klasse-III-Antiarrhythmika (wie Amiodaron und Sotalol), aber auch Wirkstoffe wie beispielsweise Cisaprid, intravenös verabreichtes Erythromycin, Methadon, Halofantrin oder Imidazol-Antimykotika.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In klinischen Studien konnte Amisulprid in niedriger Dosierung (100 mg täglich) primär negative Zustände mit Affektverflachung, emotionalen und sozialem Rückzug (Minussymptomatik) beeinflussen. Bei dieser niedrigen Dosierung werden wahrscheinlich primär präsynaptische D2/D3-Rezeptoren blockiert. Das führt zu einer Dopamin-Ausschüttung, die desinhibierende Effekte zeigt und für die Besserung der Minussymptomatik verantwortlich gemacht wird.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Solian Tabletten sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Solian Lösung ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.

Solian ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Amisulprid

Amisulprid

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel , ansehen (externer Link).

amisulprid.wrl

Weitere Hinweise

Es wurde eine Abnahme der weiblichen Fertilität beobachtet, die offenbar mit den pharmakologischen Wirkungen der Substanz auf die Prolaktinsekretion in Zusammenhang steht.

 

Die Anwendung von Amisulprid während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen, es sei denn, der Nutzen rechtfertigt das potenzielle Risiko, da die Unbedenklichkeit von Amisulprid in der Schwangerschaft beim Menschen nicht belegt ist.

 

Neugeborene, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Amisulprid) exponiert waren, sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet. Sie sollten daher sorgfältig überwacht werden.

 

Amisulprid ist während der Stillzeit kontraindiziert. Vor der Behandlung mit Amisulprid muss daher abgestillt werden.

Letzte Aktualisierung: 27.07.2017