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Westfalen-Lippe

ABDA setzt auf Doppelstrategie

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt tourt derzeit durch die einzelnen Kammergebiete, um die Entscheidungsprozesse der Bundesvereinigung transparenter zu machen. Heute in Münster konnte er die Kammerversammlung überzeugen, die Doppelstrategie aus Rx-Versandverbot und einer zweiten Honorarsäule für patientenorientierte Dienstleistungen zu unterstützen.
Daniela Hüttemann
28.11.2018
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Juristisch ist ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten aus Sicht der ABDA kein Problem, allerdings schwinde die politische Unterstützung immer mehr, so Schmidt. Politik setze mehr auf Bauchgefühl und Macht als auf stichhaltige Argumente. Derzeit hält die ABDA noch am Rx-Versandverbot fest, will nun aber zusätzlich auch über alternative Maßnahmen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprechen. »Wir haben intensiv und mit aller Kraft für das Rx-Versandverbot gekämpft, aber die politische Ausgangsposition hat sich deutlich verschlechtert«, räumte Schmidt ein. Digitalisierung sei für Spahn ein zentrales Motiv. »Eine Lösung an ihm vorbei oder über ihn hinweg wird es nicht geben«, glaubt Schmidt.

»Über das Rx-Versandverbot hinaus müssen wir uns intern die Frage stellen, was die dramatischsten Herausforderungen der nächsten Jahre sind«, so Schmidt. »Wir können im Gespräch mit Spahn erreichen, dass wir uns stärker unabhängiger machen von den regulatorischen Voraussetzungen, sonst können wir immer unter Druck gesetzt werden, wenn Gleichpreisikgeit und Fremd- und Mehrbesitzverbot in Frage gestellt werden.« Der Minister sei bereit, Schritte in diese Richtung zu machen, sagte Schmidt.

Spahn will eigene Pläne vorstellen

Eine Erhöhung des Packungshonorars sei dabei nicht zu erwarten. Zur zweiten Honorarsäule sollen pharmazeutische Dienstleistungen werden. Spahn will am 11. Dezember an der ABDA-Mitgliederversammlung in Berlin teilnehmen und seine eigenen Vorschläge vorstellen. Die Mitgliedsorganisationen, also die Kammern und Verbände, haben anschließend bis zur nächsten ABDA-Mitgliederversammlung am 17. Januar Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Schmidt versprach dabei »maximale Beteiligungsmöglichkeiten«.

Die AKWL unterstützt - trotz kontroverser Diskussion - mit einer Erklärung die vorgestellte Doppelstrategie zur nachhaltigen Sicherung der inhabergeführten Apotheke. Mittelfristig erwarten die westfälisch-lippischen Delegierten jedoch eine strukturelle und organisatorische Fortentwicklung ihres Dachverbands.

Spahn wolle das Apothekenpaket innerhalb eines halben Jahres umsetzen, informierte ABDA-Präsident Schmidt weiter. Zwar wollten sich die Apotheker zeitlich nicht unter Druck setzen lassen, er befürwortete aber den Zeitplan, denn niemand wisse, wie lange die Große Koalition in Berlin noch stabil sein wird und was danach kommt.

Es gehe dabei nicht darum, sich die Forderung nach einem Rx-Versandverbot abkaufen zu lassen. »Das Versandverbot ist nicht das einzige Thema, das uns beschäftigt«, betonte Schmidt. Andere bedeutende Themen seien darüber in der letzten Zeit etwas aus dem Fokus geraten, zum Beispiel die Frage nach dem pharmazeutischen Nachwuchs, die Digitalisierung und das E-Rezept. Bei Letzterem habe niemand so viel Kompetenz wie die Apothekerschaft, daher habe man hier die Initiative ergriffen.

»Wir glauben, dass wir unverzichtbar sind, da sollten wir auch die Souveränität haben darüber nachzudenken, was wir brauchen, damit auch kleinere Betriebe eine Überlebenschance haben«, sagte Schmidt. »Die freie Apothekenwahl muss erhalten bleiben, das ist eine existenzielle Frage.« So lange der Patient steuern könne, wohin das Rezept geht, habe er keine Sorgen – wenn es aber Dritte könnten, werde es kritisch.

Zufrieden mit der Kammer, aber nicht mit ABDA

Auch wenn die ABDA heute in Münster einen gewissen Rückhalt erhielt, musste die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände einiges an Kritik einstecken, insbesondere zur Kommunikation hin zur Basis, aber auch an die Öffentlichkeit oder fehlende Positionierungen zum 2hm-Honorargutachen oder Äußerungen der Ärzteschaft zur Beratungskompetenz bei der oralen Notfallverhütung.

Zu Beginn der Versammlung hatte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening eine Umfrage unter den AKWL-Mitglieder vorgestellt. Demnach sind 85 Prozent der befragten Apotheker mit der Arbeit ihrer Kammer zufrieden (von befriedigend bis sehr zufrieden) im Gegensatz zu nur 37 Prozent, die mit der Arbeit der ABDA zufrieden sind. »Was weiter weg ist, ist leichter zu kritisieren«, gab die AKWL-Präsidentin zu bedenken. Es lohne sich aber, sich mit diesen Zahlen konstruktiv auseinanderzusetzen.

In Westfalen-Lippe haben in diesem Jahr bereits 41 Apothekenschließen müssen (bei fünf Neueröffnungen), bis Jahresende werden es nachaktueller Kenntnis 13 weitere sein, berichtete Overwiening. Damit sinkt dieZahl der Betriebe von 1.973 Ende 2017 auf derzeit 1.937. »Wir haben in den vergangenen 13 Jahren 15 Prozent unserer Apotheken verloren, bei den Inhabern sind es sogar fast doppelt so viele«, verdeutlichte die Kammerpräsidentin. »Das ist eine Entwicklung, die nicht mehr bagatellisiert werden kann.«

Die Kammer fürchtet strukturelle Probleme in der Arzneimittelversorgung. »Dazu ist ein Rundum-Paket nötig, gegebenenfalls mit Strukturkomponenten, um versorgungsrelevanteApotheken in der Fläche zu erhalten.« Overwiening nahm ihren Vorschlag einer Umverteilung wieder auf. »Die Flächendeckung ist unser wichtigstes Schutzschild. Wenn wir das nicht mehr schaffen, wird sich der Versandhandel gern anbieten, ein Problem zu lösen, das er selbst geschaffen hat.«

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